Lenz denkt übers Auswandern nach – und testet gerade ein Leben in Bangkok. Sein eigentlicher Glücksort ist aber das Fahrradfahren. Warum Freiheit für ihn wichtiger geworden ist als ein fester Ort.
"Ich glaube, die meisten Leute würden sagen: Zu Hause bei der Familie, da ist mein Glücksort, da kann ich für immer glücklich sein", vermutet Lenz. Sein Zuhause ist Lübeck. Und schön findet er es dort wirklich. Das sei ihm zuletzt wieder bei einer Fahrradtour durch Norddeutschland aufgefallen.
"Ich musste die ganze Zeit lächeln, weil es in Norddeutschland so wunderschön ist. Trotzdem denke ich nicht, dass das für immer mein Glücksort sein kann."
Freiheit als Priorität
Für immer in Lübeck zu bleiben, kann sich Lenz trotzdem nicht vorstellen. Dafür fehle ihm in Deutschland die Freiheit, sagt er. Deshalb reist der 22-Jährige seit Jahren durch die Welt – in die USA und durch viele Länder Asiens. Sein Job macht diesen Lebensstil möglich: Lenz erstellt 3D-Animationen für Dokuformate auf Youtube.
Bisher ist er aber immer wieder nach Lübeck zurückgekehrt. Das könnte sich ändern. Denn gerade testet Lenz das Auswandern – also ein Leben ohne festen Wohnsitz in Deutschland, ohne Krankenversicherung, Finanzamt und vieles von dem, was das Gemeldetsein in Deutschland mit sich bringt.
Sein Wunschziel: Thailand, genauer gesagt Bangkok.
"Bangkok ist so divers, hat so viel zu bieten. Hier kann einem nie langweilig werden."
Das Fahrrad als Glücksort
Ob Bangkok sein endgültiger Glücksort wird? Da will sich Lenz nicht festlegen – müsse er er derzeit glücklicherweise auch nicht, sagt er. Im Moment sei die Stadt genau der Ort, der ihm fast alles gebe. Fast, weil er dort aufs Fahrradfahren verzichten muss. Der Verkehr lasse das kaum zu. Sein Fahrrad steht deshalb weiter in Lübeck.
Dabei ist das Radfahren für ihn selbst eine Art Glücksort geworden. Besonders während einer zweimonatigen Fahrradreise durch Japan habe er gemerkt, wie viel Freiheit ihm das gebe.
"Mein Fahrrad ist mein Glücksort. Wenn man ein Zelt hinten auf dem Fahrrad hat, dann hat man keine Verantwortung, keine Pflichten."
Dieses Gefühl von Freiheit spürt Lenz auch in Thailand. Selbst wenn Fahrradfahren in Bangkok schwierig sei: Natur sei trotzdem nie weit weg. "Wenn man aus der Stadt rausfährt, ist da wunderschöne Natur. Innerhalb von einer Stunde kann man Strand, Dschungel und Berge erreichen."
Sehnsucht nach einem anderen Leben
Später, wenn er genug von der Millionenmetropole habe, könne er sich gut vorstellen, aufs Land zu ziehen. Ob das irgendwann wieder Norddeutschland sein wird, weiß er noch nicht. Bei der Vorstellung vom Leben auf dem Land in Thailand gerät er dagegen direkt ins Schwärmen: "Die thailändische Countryside ist echt, echt schön."
Besonders beeindruckt ihn das Gefühl von Freiheit dort – auch wenn er manches kritisch sieht.
"Ich habe ein zehnjähriges Kind auf dem Motorrad gesehen. Das ist extrem gefährlich und ich würde es meinem Kind niemals erlauben. Aber für mich ist es die Essenz von Freiheit. Jeder macht sein Ding und irgendwie funktioniert es."
Zweifel an Deutschland
Genau diese Freiheit fehle ihm in Deutschland. Und Lenz glaubt, dass viele Menschen in seinem Alter ähnlich denken. "Irgendwie haben alle so ein pessimistisches Gefühl, dass es in Deutschland oder im Westen allgemein langsam den Berg runter geht."
Durch seine Remote-Arbeit könne er sich davon ein Stück weit lösen und sich stärker auf sich selbst konzentrieren, sagt er. Gleichzeitig sei ihm bewusst, wie privilegiert diese Möglichkeit ist.
Dass er irgendwann wieder Teil der Gesellschaft in Deutschland werden könnte, schließt Lenz trotzdem nicht aus. Noch aber sei er nicht bereit dafür. Dafür ist ihm die Freiheit gerade zu wichtig. Und nur mit dem Fahrrad durch Norddeutschland zu fahren, reicht ihm im Moment nicht.
