Egal ob wir Trash TV gucken, Schlager hören oder uns Influencerinnen beim Schminken angucken: Wir machen alle Dinge, die uns unangenehm sind. Wie wir unsere Scham überwinden können und welche Guilty Pleasures andere Menschen haben, hört in der Ab 21.

Statt auf Instagram oder Twitter rumzuhängen, checkt Journalist Hannes Schrader jeden Tag diverse Testberichtseiten ab, einfach so. Ab und zu will er sogar ein bestimmtes Produkt haben und möchte dann ganz genau wissen, worauf er beim Kauf achten muss. Aber in den meisten Fällen, hat er einfach nur Bock zu wissen, welches Taschenmesser nun wirklich das Beste ist. Wer weiß, vielleicht bittet ihn ja mal jemand um eine Empfehlung. Dieses Testbericht-Gesuchte macht Hannes nun schon seit ein paar Jahren und es ist seine Leidenschaft, trotzdem auch irgendwie ein Guilty Pleasure.

"Wenn eine Freundin fragt: Hast du einen Tipp für einen guten Pfannenwender? Dann kann ich sagen, ja, ich habe da einen guten Testbericht. Und dann kann ich etwas Gutes empfehlen."
Hannes Schrader, Journalist und Testberichtsuchti

Hannes Schrader sagt, dass sein Hobby nur nachvollziehbar sei, schließlich würden wir alle lieber Produkte kaufen, die sehr lange halten.

Steht zu den Dingen, die ihr mögt

Journalist Niko Kappel steht auf 2000er Pop-Punk wie Green Day, Good Charlotte und Blink 182 und schämt sich ein bisschen dafür, denn er weiß: Es gibt qualitativ hochwertigere Musik. Allerdings verbindet er damit schöne Erinnerungen an seine Jugend beim Skaten und auf dem Fußballplatz. Und schließlich hat er bei einem Green Day Song zum ersten Mal geknutscht. Deshalb möchte er sich für diese Leidenschaft nicht schämen: Für Dinge, die wir mögen, sollten wir uns nicht rechtfertigen müssen, außer sie sind moralisch fragwürdig, sagt Niko Kappel.

"Ein Guilty Pleasure sollte es nur sein, wenn es moralisch fragwürdig ist."
Niko Kappel, Journalist

Was ist eigentlich ein Guity Pleasure? Mit unter anderem dieser Frage hat sich Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Johanna Siegemund in ihrer Bachelorarbeit beschäftigt. Sie hat für ihre Arbeit definiert, dass wir mit dieser Einordnung Lebensbereiche betiteln, die uns unangenehm sind. Mit dem Branding „Guilty Pleasure“ würden sie sich für uns dann entschuldbar anfühlen.

"Bei mir es ganz klar: Ich habe einen großen Hang zu Trash TV-Sendungen. Sei es Germany’s Next Topmodel oder Love Island."
Johanna Siegemund, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Johanna hat sich selbst übrigens abgewöhnt das Wort Gulity Pleasure zu benutzen, trotzdem hat sie natürlich welche: Trash TV glotzen, denn bei Germany’s Next Topmodel und Love Island kann sie richtig gut abschalten.

Weg mit dem schlechten Gewissen

Wenn wir etwas als ein Guilty Pleasure wahrnehmen, ist es in unserem Gefühl negativ und verhindert oft, dass wir es genießen können. Aber warum sollten wir Kitschromane anschauen, wenn wir uns die ganze Zeit für unseren Konsum schämen? Die Philosophin Lisa Schmalzried sagt, dass wir aufhören müssen Kitsch und Trash als etwas Schlechtes wahrzunehmen. Stattdessen sollten wir eher hinterfragen, warum wir uns für gewisse Themen schämen. Wenn wir nur ständig das Gefühl haben, dass wir in unserer Freizeit intellektuellere Dinge machen müssen, um gesellschaftliche Standards zu erfüllen, sollten wir es wegschieben. Ihre Tipps um Guilty Pleasures besser genießen zu können, erzählt sie uns in der Ab 21.

Podcast zur Sendung
  • Ab 21
  • Moderation:  Dominik Schottner
  • Gesprächspartner:  Hannes Schrader, Journalist
  • Gesprächspartner:  Niko Kappel, Journalist
  • Gesprächspartnerin:  Johanna Siegemund, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
  • Gesprächspartnerin:  Lisa Schmalzried, Philosophin