Es ist heiß. Auch in Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern. Und die Hitzeperioden werden im Schnitt immer länger und heißer. Warum gibt es in Deutschland im Verhältnis zu anderen Ländern nur wenige Klimaanlagen? Und würden sie das Problem lösen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich die aktuelle Hitze schnell mal eben ein bisschen angenehmer zu machen. Ihr hattet da ein paar Ideen:
- "sich mit einem nassen Handtuch zudecken"
- "mit einem kühlen Matcha im Schatten sitzen und sich lieber nicht bewegen"
- "den Gartenschlauch rausholen"
- "die Gardinen nass machen und nachts vor das geöffnete Fenster hängen – durch die Verdunstung kommt kalte Luft rein"
- "ein kleines Wasserspray dabei haben, um sich anzusprühen – und mit einem Fächer kühlen"
Jetzt könntet ihr aber natürlich auch sagen: Wir machen Nägel mit Köpfen und schaffen uns eine Klimaanlage an.
Air Condition: In Deutschland eher Mangelware
In vielen anderen Ländern sind Klimaanlagen ganz normal. Extrembeispiel sind Länder wie Katar – dort ist es über lange Zeiträume derart heiß, dass ein halbwegs normales Leben ohne Air Condition fast nicht möglich ist. Auch in anderen Ländern, wo es oft und lange heiß ist – etwa im Urlaubsland Spanien – gibt es häufiger Klimaanlagen als bei uns.
Nur sechs Prozent der Privataushalte in Deutschland haben eine Klimaanlage. Bisher kamen wir in Deutschland durch die paar Wochen Hitze im Jahr, wollten uns das Geld für die Klimaanlage sparen – oder haben auch aus einem Umweltbewusstsein heraus gehandelt: Klimaanlagen verbrauchen Strom und verstärken den Klimawandel zusätzlich.
"Eine Klimaanlage kann das Problem für einen selbst lösen – für alle anderen kann man es damit aber schlimmer machen. Deshalb würde ich sagen: keine Allround-Lösung."
Fakt ist: Auch in Deutschland wird es zunehmend heißer werden. Wären mehr Klimaanlagen da eine Lösung?
Problem: Die warm-heiße Abluft
Das Problem von Klimaanlagen ist die sehr warme bis heiße Abluft, erklärt Ann-Kathrin Büüsker aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion.
"Die Abluft ist sehr warm und wird nach draußen abgegeben. Wenn das bei vielen Haushalten passiert, dann heizt das sozusagen den städtischen Raum zusätzlich auf."
Wenn viele Haushalte ihre Abluft nach draußen pusten, heizt das die Umgebung nämlich zusätzlich auf. "Also wir wollen eigentlich kühlen und machen es damit draußen noch heißer. Das heizt dann wiederum das Mauerwerk auf, das heißt, man muss erneut dagegenkühlen."
Bei Hitze kaum möglich: der gesunde Schlaf
Trotzdem rät Ann-Kathrin Büüsker nicht grundsätzlich von Klimaanlagen ab: "Weil Hitze ja auch wirklich auf die Gesundheit schlagen kann, weil ein ordentlicher Schlaf schon auch wichtig für die Gesundheit ist, würde ich sagen, für so ein Schlafzimmer, insbesondere im Dachgeschoss, ist es dann doch eine Überlegung wert, insbesondere weil es ja die nächsten Jahre nicht besser wird."
Wenn Klimaanlage, dann mit Strom aus erneuerbaren Energien
Wer sich für eine neue Klimaanlage entscheidet, sollte sie mit Strom aus erneuerbaren Energien betreiben, empfiehlt Ann-Kathrin Büüsker. "Weil wenn ich dann auch noch Kohlestrom benutze, dann heize ich ja das Grundproblem nochmal zusätzlich auf."
"Dank der Folgen der Erderwärmung fällt jetzt schon Unterricht aus. Die Klimakrise hat schon unmittelbar Auswirkungen auf die Freiheit der nachfolgenden Generationen."
Wenn wir über Klimaanlagen in Deutschland reden, geht es auch gar nicht nur um den Luxus eines gekühlten Wohnzimmers zu Hause – auch sehr viele Altenheime und Krankenhauszimmer sowie die allermeisten Schulen in Deutschland sind nicht standardmäßig mit Klimaanlagen ausgestattet. In den Schulen gibt es dann stattdessen oft Wasserspiele oder Hitzefrei.
Die Erderwärmung hat also bereits jetzt direkte Auswirkungen auf die Freiheit nachfolgender Generationen, sagt Ann-Kathrin Büüsker. Und ergänzt: "Das betone ich deshalb, weil wir 2021 eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz hatten, wo gesagt wurde: Die Bundesregierung muss auch die Freiheit künftiger Generationen schützen."
Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime
Das Problem der unzureichenden Kühlung wird vor allem in Kitas, Schulen und Krankenhäusern spürbar. "Gerade kleine Kinder gehören ja zu den gefährdeten Gruppen und ebenso ältere Menschen und kranke Menschen", erklärt Ann-Kathrin Büüsker.
"Im Krankenhaus-Mehrbettzimmer bei 38 Grad ohne Kühlung, wenn man eigentlich gesund werden soll nach einer Operation – das ist super heikel."
Doch die oftmals älteren Räumlichkeiten in Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen und Kitas nachhaltig auf die Hitze umzurüsten – dafür fehlt den klammen Kommunen aktuell aber in den allermeisten Fällen schlichtweg das Geld.
Das ist besonders in Krankenhäusern problematisch, weil ja gerade durch die Hitze mehr (oft, aber nicht nur ältere) Leute ins Krankenhaus eingeliefert werden als sonst. "Das Personal ist dann zusätzlich überlastet durch die zusätzliche Arbeit und leidet ja selber auch unter der Hitze – also es ist einfach eine wahnsinnige Mehrfachbelastung", sagt Ann-Kathrin Büüsker.
Hitzewellen städtebaulich abfedern
Um die Städte besser auf die künftigen Hitzewellen vorzubereiten, sollte der Baumbestand gepflegt und vergrößert werden.
"Das Allerallerwichtigste ist: Bitte nicht noch mehr Bäume abholzen oder durch schlechte Grünpflege beschädigen. Also die Bäume sind gerade unsere allerbesten Freunde in so einer Hitzewelle."
Denn Bäume spenden nicht nur Schatten, sondern sie kühlen messbar auch die Temperatur herunter. Ann-Kathrin Büüsker: "Ich merke das hier bei mir. Mein Arbeitszimmer geht nach hinten raus, wo ein paar Bäume stehen. Das ist viel, viel kühler als nach vorne raus, wo die Straße ist, wo die Autos stehen."
Autos speichern die Wärme – eigentlich müssten sie bei solchen Temperaturen runter von der Straße in Garagen oder Parkhäuser, damit sich die Wärme dort weniger staut.
"In puncto Architektur gibt es schon total tolle Ideen. Durchlässigere Architektur, die Luftströme durchlässt."
Und bei der Architektur müssten wir weg von Asphalt und Glasfassaden, hin zu mehr Fassadenbegrünung oder zu Nahkältesystemen, bei denen kaltes Wasser durch die Wände gepumpt wird, um die Räume zu kühlen.
Diese ganzen schönen Ideen kosten aber natürlich Geld – was dann an einer anderen Stelle fehlt.
