Iran-Flaggen, Freiheitsrufe, 250.000 Menschen in München. Und mittendrin ein Name: Reza Pahlavi. Sohn des gestürzten Schahs. Für viele bedeutet er Hoffnung – für andere ist er hochumstritten. Wer ist er – und was will er wirklich?
Reza Pahlavi bezeichnet sich selbst als Brücke in eine demokratische Zukunft des Irans. Als ganz uneigennützig stellt Reza Pahlavi sich dar. Kritiker halten seine Aussagen der letzten Jahre für widersprüchlich und seine demonstrative Selbstlosigkeit für Gehabe. Die kurdische Community im Iran betrachtet ihn auch mit Skepsis, weil die Minderheit um ihre Rechte fürchtet.
Seit fünf Jahrzehnten nicht mehr im Iran gelebt
Reza Pahlavi ist der Enkel von Reza Schah Pahlavi, dem Begründer der Pahlavi-Dynastie. Sein Vater, Mohammad Reza Pahlavi, war der letzte iranische Schah auf dem Pfauenthron. Bei der Islamischen Revolution wurde er gestürzt. Er floh ins Exil im Ausland und starb kurze Zeit später an einer Krebserkrankung. Sein ältester Sohn, damals Kronprinz, war fast 20 Jahre alt und befand sich bereits für eine Pilotenausbildung in den USA.
"We are fighting for justice, we are fighting for human rights, we are fighting for liberty."
Reza Pahlavi ist seitdem nie in sein Heimatland zurückgekehrt. Er hat in den USA, in Marokko und in Ägypten gelebt. Inzwischen ist er wieder in die USA zurückgekehrt.
Bei seinem Besuch auf der 62. Münchener Sicherheitskonferenz nutzt er die Bühne einer Iran-Demo, um sich von rund 250.000 Demonstrierenden bejubeln zu lassen. Viele seiner Anhänger*innen und Befürworter*innen sind klassische Monarchisten, sagt die Journalistin Shahrzad Eden Osterer. Sie ist gebürtige Iranerin und arbeitet für den Bayerischen Rundfunk.
Vom politischen Erbe seines Vaters nicht distanziert
König Reza Pahlavi nennen ihn viele. Neben Monarchisten gibt es auch viele Menschen in seinem Umfeld, die bereits seinen Vater unterstützt haben. Reza Pahlavi sagt, dass er sich keine Krone aufsetzen möchte, sondern, dass es ihm vor allem um Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie für die Menschen im Iran geht.
Keine politische Erfahrung
Diba Mirzaei ist Politikwissenschaftlerin und Doktorandin am GIGA Institut für Nahost-Studien in Hamburg. Sie sieht die Figur Reza Pahlavi kritisch. Aus seinen Aussagen der letzten Jahre geht nicht eindeutig hervor, wofür er steht, sagt sie. Er selbst stilisiert sich zwar als Mittel zum Zweck für eine demokratische Zukunft im Iran, allerdings sieht er dabei eine recht prominente Führungsrolle für sich selbst vor, sagt die Politikwissenschaftlerin. Für sie ist das ein Widerspruch.
Manche Menschen lehnen Reza Pahlavi ab, wegen des Personenkults, der um ihn gemacht wird. Das ist eine Sache. Diba Mirzaei sieht es jedoch auch als problematisch an, dass er sich nicht vom politischen Erbe seines Vaters distanziert. Der habe zwar für einen wirtschaftlichen Aufschwung im Iran gesorgt und die Rechte von Frauen gestärkt. Zugleich soll er seine Familie bereichert, sehr autoritär regiert und politische Gegner verfolgt haben.
"Sehr viele Menschen sehen ihn als die einzige Oppositionsfigur. Für viele ist er eine Hoffnung auf Übergang und Struktur. Sie wünschen sich auch, dass er der König ist."
Zudem habe Reza Pahlavi wenig Bezug zum Land und seinen Menschen, weil er seit rund fünf Jahrzehnten nicht mehr im Iran gelebt hat, sagt Diba Mirzaei. Neben seiner fehlenden politischen Erfahrung sei es Reza Pahlavi auch nicht gelungen, die verschiedenen Oppositionsgruppen an einen Tisch zu bekommen. Ihm fehlen, so die Politikwissenschaftlerin, auch ein organisatorischer Unterbau, denn als im Iran kürzlich das Netz durch das Regime blockiert wurde, hatte auch Reza Pahlavi keine Möglichkeit mehr, mit den Menschen zu kommunizieren.
Insgesamt ist Diba Mirzaei nicht überzeugt von der Uneigennützigkeit, die Reza Pahlavi für sich beansprucht und glaubt, dass es ihm an politischer Erfahrung fehlt, um den Iran in eine demokratische Zukunft zu führen.
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