Es kann nur eine geben! Das gilt auch für Bienenköniginnen. Doch oft werden mehrere Königinnen gleichzeitig herangezogen. Wenn eine schlüpft, gibt sie Quak- und Hupgeräusche von sich. Forscher vermuten, dass sie so mit ihren Arbeiterinnen kommuniziert, um zu erreichen, dass die Konkurrenz in ihren Zellen bleibt.

Das summende Geräusch einer Arbeiterbiene haben wir alle im Ohr. Dass Bienen auch quaken und hupen, wissen die wenigsten. Das kommt auch nur selten vor: Diese Geräusche setzen nämlich nur Bienenköniginnen ein, nur kurz vor und kurz nach dem Schlüpfen. Das klingt dann ein bisschen so wie ein Haufen aufgeregter Enten:

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Diese Töne produzieren die jungen Königinnen, indem sie mit Flügelschlägen die Luft um sich herum in Schwingung versetzen, erklärt der Biologe Mario Ludwig. Im Profi-Jargon der Imker heißt das dann "Quaken und Tüten".

"Der Flügelschlag versetzt die Luft um die Bienenkönigin herum in Schwingungen – dadurch entstehen Töne. Und die hören sich dann wie ein Quaken oder ein Hupen an."
Mario Ludwig, Biologe

Britische Forschende um Michael-Thomas Ramsey von der Nottingham Trent University haben die Bienen mit hochempfindlichen Vibrationsdetektoren belauscht und wollen nun den Zweck dieser außergewöhnlichen Laute entschlüsselt haben: Die Königinnen kommunizieren demnach nicht miteinander, wie bislang angenommen, sondern mit den Arbeiterinnen, damit die ihr beim Schlüpfen helfen und verhindern, dass weitere Königinnen schlüpfen.

Oft ziehen Arbeiterbienen nämlich mehrere Königinnen gleichzeitig heran – vor allem, bevor ein Teil des Bienenvolkes ausschwärmt. Das Schwärmen ist die natürliche Vermehrungsweise von Bienenvölkern: Die alte Königin fliegt dann mit einem Teil des Volkes aus und sucht ein neues Nest. Zurück bleibt der andere Teil der Arbeiterinnen mit ihrer neuen Königin – oder manchmal eben auch mit mehreren schlupfbereiten Königinnen.

Quaken für Schlüpfhilfe, Tüten gegen die Konkurrenz

Die parallel herangezogenen Bienenköniginnen wachsen in speziellen sogenannten Weiselzellen heran und werden über die gesamte Dauer ihres Larvendaseins von den Ammenbienen mit einem proteinreichen Futtersaft, dem Gelée Royale, gefüttert. Den können die Ammenbienen in speziellen Drüsen in ihrem Schlund erzeugen.

Wenn nun eine Königin bereit ist zu schlüpfen, ruft sie laut den Forschenden mit einem Quakgeräusch die Arbeiterinnen herbei, um ihr dabei zu helfen. Alleine kann die junge Königin den Wachsdeckel der Weiselzelle nämlich nicht öffnen. Ist die Königin befreit, hört sie auf zu quaken und fängt an zu hupen.

Hup hup, da bin ich!

Früher haben Forschende vermutet, dass junge Königinnen, die zur gleichen Zeit schlupfbereit sind, mit hupenden Geräuschen testen wollten, wer die Stärkere von ihnen ist. Damit sollten die schwächeren Königinnen aufgefordert werden, in ihrer Weiselzelle zu bleiben. Denn wenn zwei Königinnen gleichzeitig schlüpfen, dann bekämpfen sie sich bis auf den Tod.

Bienenvölker, hört die Signale!

Die Forschenden wollen nun aber eben herausgefunden haben, dass die Hupgeräusche an die Arbeiterbienen gerichtet sind. Message: Erstmal bitte keine der anderen quakenden Königinnen aus ihren Wachszellen befreien!

Erst, wenn die bereits geschlüpfte Bienenkönigin mit einem Teil der Bienen ausgeschwärmt ist und das Hupen aufgehört hat, dürfen die Arbeiterinnen dann eine weitere, quakende Königin befreien, die wiederum nach dem Schlüpfen das Hupen beginnt.

Bienen hören die Töne nicht, sie spüren sie

Für uns Menschen sind diese Geräusche übrigens problemlos akustisch wahrnehmbar, für die Bienen allerdings nicht, denn sie haben keine Hörorgane. Das Quaken und Hupen können sie aber mit ihren Beinen wahrnehmen, die mit Sinneszellen ausgestattet sind, die auf Schwingungen reagieren. Der Luftschall, der durch das Quaken und Hupen entsteht, überträgt sich zunächst auf die Waben des Bienenstocks und von dort auf die Beine der Insekten.

"Bienen haben keine Ohren oder andere Hörorgane. Trotzdem können sie das Hupen und Quaken ohne größere Probleme wahrnehmen – mit ihren Beinen, in denen haben sie auf Kniehöhe Sinneszellen, die auf Schwingungen reagieren."
Mario Ludwig, Biologe

Da Imker die Töne sehr gut wahrnehmen können, können sie anhand dieser Geräusche erfahren, dass gerade ein "sensibler, kollektiver Entscheidungsprozess stattfindet" und so den Stock erstmal in Ruhe lassen, erklärt der Biologe Mario Ludwig. Wenn sie es schaffen, die Geräusche richtig zu interpretieren, könnten sie auch dabei helfen, vorauszusehen, wann genau ein Teil des Bienenvolkes ausschwärmt.

Schwarmstimmung sicher und von fern erkennen

Genau das ist die Idee des Britischen Forscherteams: Bienenstöcke werden mit Vibrationsdetektoren ausgestattet, Algorithmen berechnen aus den Daten dann die Ausschwärm-Wahrscheinlichkeit. Laut den Forschenden gelingt das mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit bis hin zu 30 Tagen vor Ausschwärmen.

Für Imker wäre so eine Methode ein Gewinn – bislang müssen sie die Bienenstöcke regelmäßig besuchen, um etwa das Flugbild ihrer Bienen zu beobachten oder nach Weiselzellen zu fahnden. Das ist aufwändig, kann schief gehen und nicht zuletzt auch die Bienen stören.