Antonia Rados, Kriegsreporterin, berichtet über die Arbeitsbedingungen in Krisenregionen und den Grenzen, die der Kriegsberichterstattung gesetzt sind. Die endet in den deutschen Wohnzimmern, wo der Zuschauer das Berichtete nicht nachvollziehen kann oder es ihm einfach an Mitgefühl fehlt.

"Ganze Generationen haben hier zum Glück keinen Krieg erlebt. Ganze Generationen erfahren das einzige, was sie über den Krieg erfahren, von Kriegsreportern." Antonia Rados, selbst Kriegsreporterin, betont das in ihrem Vortrag. Sie verdeutlicht damit die Bedeutung der Kriegsberichterstattung aber auch ihre Grenzen. Denn diese fehlende Erfahrung, so meint sie, hindere uns auch daran, die Situation in Krisengebieten wirklich zu verstehen.

"Weil das so ein Kontrast ist zwischen dieser extrem friedlichen Welt und diesen unruhigen, undemokratischen, schwierigen Ländern, ist die Kriegsberichterstattung auch so schwierig zu machen."
Antonia Rados, Kriegsreporterin

Am Beispiel Naher Osten und am Beispiel ihrer eigenen Erfahrungen, schildert sie, wie Kriegsreporter arbeiten und an welche Grenzen sie stoßen. Wie verändert moderne Technik diese Arbeit? Was ist an dem Vorwurf dran, Kriegsreporter suchten nur Sensationen? Warum können wir Kriege nicht wirklich begreifen? Diesen und anderen Fragen geht sie nach und bietet spannende Thesen an. Zum Beispiel, dass die westliche Kultur der Vernunft und des Zweifelns dem Verstehen von Krieg und der Empathie mit den Opfern entgegenstehen.

"Ich habe aus meinen eigenen Zweifeln in Srebrenica den Schluss gezogen, dass ich von nun an alles glauben werde, was ich an Gerüchten höre."
Antonia Rados, Kriegsreporterin, über ihre eigenen Zweifel am Massaker in Srebrenica

"Die Fronten des 21. Jahrhunderts. Kriegsberichterstattung im Nahen Osten" so lautete der Titel ihres Vortrags, den sie am 8. Mai 2014 an der Humboldt Universität in Berlin gehalten hat. Zu diesem Vortrag war sie im Rahmen der Mosse-Lectures eingeladen, einer Veranstaltungsreihe der Mosse-Foundation, Berkeley und New York, und der Fritz Thyssen Stiftung, Köln. Das Schwerpunktthema in diesem Semester lautet dort: Vom Krieg berichten. In diesem Zusammenhang hielt die Historikerin Ute Daniel einen Vortrag über "Krieg in den Medien", der auch im Hörsaal bei DRadio Wissen gesendet wurde.

Schwierigkeiten bei der Kriegsberichterstattung

Gestörte Satellitentelefone erschwerten während der ersten Bombardierung Bagdads die Berichterstattung.