Die Historikerin Ute Daniel beleuchtet die Geschichte der Kriegsberichterstattung - und stellt den Medien ein verdammt schlechtes Zeugnis aus.

Tote in der Ukraine, Putsch in Thailand, Terror in Nigeria - die Nachrichten sind voll mit Berichten von Kriegen und Krisen. Auf der einen Seite sind Medien für uns hierzulande der einzige Weg, um etwas über diese Krisenherde zu erfahren, auf der anderen Seite stehen sie damit auch in der Kritik. Die Historikerin Ute Daniel, Professorin für Geschichte an der Technischen Universität Braunschweig, hat sich eingehend mit der Geschichte der Kriegsberichterstattung befasst und kommt zu einem für die Medien ziemlich vernichtenden Urteil: Sie diagnostiziert eine politisch-medialen Verlautbarungssymbiose.

"Es hängt eben nicht nur mit dem jeweiligen Krieg, sondern mit dem Mediensystem insgesamt zusammen, dass die Journalisten und Redaktionen daran gewöhnt sind, sich weitgehend von den Verlautbarungsorganen füttern zu lassen."
Ute Daniel, Historikerin

Ihr Vortrag sucht eine Antwort auf die Fragen: Was machen die Medien aus Kriegen? Und was die Kriege aus den Medien? Hierfür konzentriert sie sich auf die Geschichte der Kriegsberichterstattung im 20. Jahrhundert und argumentiert, dass sich beide Fragen nur beantworten lassen, wenn man sich mit dem Journalismus in Kriegs- und in Friedenszeiten auseinandersetzt. Denn beide teilen dieselben Schwächen, sagt sie. Immerhin endet sie ein bisschen versöhnlich für die Journalisten:

"Mein Eindruck ist allerdings, dass die jüngeren Vertreterinnen und Vertreter sich anschicken (...) ein neues Selbstbild zu entwickeln."
Ute Daniel, Historikerin

"Krieg in den Medien - Medien in Kriegs- und Nichtkriegszeiten" so hieß der Vortrag, der Auftakt war der Mosse-Lectures im Sommersemester 2014, die diesmal den Schwerpunkt haben: "Vom Krieg berichten". Die Mosse-Lectures sind eine Veranstaltungsreihe der Mosse-Foundation, Berkeley und New York und der Fritz Thyssen Stiftung, Köln, an der Humboldt-Universität zu Berlin. In dieser Reihe hielt auch die Kriegsberichterstatterin Antonia Rados ihren Vortrag über "Die Fronten des 21. Jahrhunderts. Kriegsberichterstattung im Nahen Osten", der auch im Hörsaal bei DRadio Wissen gesendet wurde.