• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Gerne würde wir das manchmal tun. Lynn, die Protagonistin in "Das Zimmermädchen" von Markus Orths, träumt nicht nur davon, sondern tut es.

Lynn ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie steht im Zimmer 303 im Hotel Eden. Es ist Dienstag, längst hat sie Feierabend und könnte überall sein. Sie arbeitet als Zimmermädchen, schüttelt Betten auf, faltet Handtücher und enthaart Abflüsse. Allerdings nur tagsüber, nicht abends. Und schon gar nicht in der Schlafanzugjacke eines Hotelgasts. Sie hat die Zeit vergessen. Der Zimmerbewohner kommt zurück und macht sich an der Tür zu schaffen. Lynn muss sich verstecken!

Zwanghafte Neugier

Plötzlich liegt sie unter dem Bett. Ihr Herz rast so sehr, dass sie befürchten muss, gehört zu werden. Noch immer trägt sie den Schlafanzug des Hotelgasts. Der bemerkt nichts, geht stattdessen ins Badezimmer und dort unter die Dusche. Jetzt kann Lynn sich aus dem Staub machen. Vorsichtig legt sie den Pyjama zurück und schleicht zur Zimmertür. Doch sie öffnet die Tür nicht. Sie bleibt. Sie will und sie kann nicht anders. Die Versuchung ist zu groß. Sie kriecht zurück unters Bett, und positioniert sich zwischen Teppich und Lattenrost. Dort wartet sie. Dort wird sie die Nacht verbringen…

Der einsamste Mensch der Welt

"Das Zimmermädchen" von Markus Orths heißt eigentlich Linda Maria Zapatek, geboren im Jahr 1975, 1,65 Meter groß, Haarfarbe braun, Augenfarbe grün. Sie nennt sich Lynn, mit Ypsilon. Lynn ist der einsamste Mensch der Welt, hat einen Aufenthalt in der Psychiatrie hinter sich. Und jetzt kriecht sie jeden Dienstag unters Bett und wir liegen mit ihr unterm Lattenrost - sperren Ohren und Augen auf. Das geht aber nicht lange gut.