In-Hye heißt die Protagonistin im Roman "Die Vegetarierin" von Han Kang. Nach einem Albtraum beschließt sie, keine tierischen Produkte mehr zu essen. Für sie ist es ein Akt der Befreiung. Je mehr Freiheiten sie sich nimmt, desto mehr verstößt sie gleichzeitig gegen die Konventionen der südkoreanischen Gesellschaft.

"Die Vegetarierin" erzählt die Geschichte von zwei Schwestern und ihren Männern. Er erzählt auch die Geschichte von einer Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Und letztendlich erzählt er die Geschichte von einem Ausbruch, der damit beginnt, dass eine junge Frau nach einem Albtraum beschließt, nichts Tierisches mehr zu essen.

Sie tut das ohne große Ankündigung, ohne Plan, und auch ohne, sich dafür zu rechtfertigen. Wenn man sie danach fragt, will sie von ihrem Traum erzählen, dem weitere Träume folgen, aber die Reaktionen auf diese Erklärung sind unangenehm. Also schweigt sie.

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In-Hyes Mann findet es schrecklich 

Ihr Mann kennt In-Hye als stille Person, die ihm jeden Morgen die Kleidung für das Büro herauslegt, sein Hemd bügelt und ihm ein üppiges Frühstück zubereitet. Er ist sehr froh, sie zu haben. Sie schimpft nie, stellt ihm keine nervigen Fragen und sie ist immer zuverlässig, auch im Bett.

Und plötzlich steht sie halbnackt in der Küche vor dem Kühlschrank und verteilt Lebensmittel auf dem Boden, ausnahmslos Fleisch und Fisch. Als sie ihm von ihrem Traum erzählt, lacht er sie aus. Ein Traum von Fleischbrocken und Blut ist doch kein Grund, plötzlich Vegetarierin zu werden. Wie es ihr damit geht, interessiert ihn überhaupt nicht. Langsam bröckelt die Fassade der Anpassung. Nachdem sich In-Hye die Freiheit genommen hat über ihr Essen selbst zu bestimmen, merkt sie, dass sie ihr Leben nicht mehr so leben kann, wie sie es einst getan hat. Sie hat mit Konventionen gebrochen und ein klein wenig von der Freiheit gekostet. Jetzt möchte sie mehr davon. 

Märchenhaft, eindringlich, verstörend

Manche Kritiker vergleichen den Stil der Autorin Han Kang mit dem von Haruki Murakami – märchenhaft, schlicht, eindringlich, verstörend. Han Kang hat diesen Vergleich aber gar nicht nötig. "Die Vegetarierin" von Han Kang ist erstmals 2007 in Südkorea erschienen. Inzwischen wurde der dreiteilige Roman in über zwanzig Sprachen übersetzt.  "Die Vegetarierin" ist nicht der erste Roman von Han Kang, aber einer der ersten, der auch außerhalb Südkoreas veröffentlicht wurde.

Das Buch

"Die Vegetarierin" von Han Kang,  aus dem Koreanischen übersetzt von Ki-Hyang Lee, Aufbau Verlag, 190 Seiten.