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Der Roman "Im Park der prächtigen Schwestern" von Camila Sosa Villada handelt von Tía Encarna, einer Trans-Frau, die in einer ihr feindlichen gesinnten Welt nicht nur überleben, sondern ihren Platz finden und gut leben möchte.

In einer feucht-fröhlichen und frostigen Nacht ziehen Tía Encarna und ihre Freundinnen durch den Sarmiento-Park im Herzen des argentinischen Córdobas und finden ein ausgesetztes Baby im Gebüsch.

Tía Encarna greift unter die dornigen Zweige und hebt das weinende und stinkende Bündel hoch. Eingewickelt in eine große, grüne Steppdecke ist nur der kahle Kopf des Babys zu sehen. Die Dornen zerkratzen Tía Encarna die Haut an den Händen. Sie ignoriert den Schmerz, hebt das Baby hoch und drückt es fest an ihre Brust. Dann ruft sie nach ihren Freundinnen.

Diese Frauen, die sogenannten prächtigen Schwestern, verlieben sich sofort in den kleinen Jungen. Camila will ihn behalten, die anderen sind skeptisch, weil es sehr riskant ist. Die Polizei darf auf keinen Fall davon erfahren.

"Es ist eine grausame, lieblose und verhängnisvolle - aber auch eine fantastische, berührende und aufregende Geschichte, erzählt aus der Sicht einer jungen Trans-Frau."
Lydia Herms über den Roman "Im Park der prächtigen Schwestern" von Camila Sosa Villada

Mit dieser eindringlichen Szene beginnt der Roman "Im Park der prächtigen Schwestern" von Camila Sosa Villada. Es ist eine grausame, lieblose und verhängnisvolle Geschichte. Der Roman ist aus der Sicht der Trans-Frau Tía Encarna erzählt, die nach der Schule der Enge ihres Dorfs und der Gewalt ihres alkoholkranken Vaters entflieht.

Sie flüchtet sich in die Großstadt und beginnt, von ihrer Umwelt zunächst als junger Mann gelesen, ein Studium. Nachdem sie sich einer Gruppe anderer Trans-Frauen anschließt, beginnt sie, ihren Lebensunterhalt mit Sexarbeit zu verdienen.

"Sie wissen, wie die Menschen in den Nachbarhäusern, in den Geschäften und auf den Ämtern auf ihresgleichen herabblicken, wie sie sie tagsüber verachten, beschimpfen und verjagen, nachts aber in ihren Autos mitnehmen."
Lydia Herms über den Roman "Im Park der prächtigen Schwestern" von Camila Sosa Villada
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Überleben in einer Gesellschaft, in der kein Platz für sie vorgesehen ist

Die Tía – zu deutsch Tante – Encarna ist das Zentrum dieser Schicksalsgemeinschaft. Die besteht aus ihr selbst, Camila, zierlich, mit heller Stimme und der beneidenswert kleinen Schuhgröße 37. Außerdem aus María, der Stummen, die seltsame Laute von sich gibt. Und Natalí, der Werwölfin, die sich bei Vollmond einsperren lässt.

Und noch vielen anderen Trans-Frauen, die ums Überleben kämpfen, in einer Gesellschaft, in der für sie kein Platz vorgesehen ist. Camila ist noch jung, aber schon müde vom Kämpfen. Sie ist entschlossen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, als Frau und als Camila. Ihn nicht nur zu finden, sondern sich ihn zu erobern.

Camila ist nicht nur der Name der jungen Protagonistin dieses Romans, sondern auch der Name der Autorin dieses Romans, die mit "Im Park der prächtigen Schwestern“ eine Mischung aus Autobiografie und Fiktion geschrieben hat.

Das Buch:

"Im Park der prächtigen Schwestern" (Oiriginaltitel: "Las Malas", auf Deutsch: die Bösen) von Camila Sosa Villada, aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt von Svenja Becker, erschienen bei Suhrkamp Nova, 220 Seiten, Taschenbuch: 14,95 Euro, E-Book: 12,99 Euro; Erscheinungstermin: 18.01.2021 (im Original bereits 2019).