Tomer Gardis Roman "Liefern" verbindet Themen wie Rassismus und Liebe: Filmon flüchtet aus Eritrea nach Israel, um als Essenslieferant unter falscher Identität Geld zu sammeln. Was passiert aber, wenn ein Lieferant mehr als Essen transportiert?
In seinem Roman "Liefern" verwebt Tomer Gardi die Schicksale von Essenslieferanten aus den Weltmetropolen Berlin, Tel Aviv, Delhi, Buenos Aires und Istanbul miteinander zu einem großen Panorama. Themen wie Rassismus und Ausbeutung, Liebe, Familie und Sehnsucht nach Verbundenheit verbindet dieser Roman gegenwärtig, international, politisch.
"Arbeitskräfte, die bereit sind, für ihre Unabhängigkeit Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen, und die Menschen, die davon profitieren, sind sich dessen nicht bewusst."
Filmon flüchtet aus Eritrea nach Tel Aviv, um als Essenslieferant Geld zu sammeln. Er braucht das Geld, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Während Filmon liefert, lernt seine Frau mit ihrer Tochter Deutsch bei Nina, einer Lehrerin in einem Bildungszentrum. Dann geht Nina für ein Austauschsemester nach Delhi – und die Geschichte zieht weiter. Sie verliebt sich dort in Ramón aus Argentinien. Doch während die Nähe zwischen Ramón und Nina wächst, bleibt Ramóns Mutter in Buenos Aires zurück: Sie ringt mit der Abwesenheit ihres Sohnes.
"Liefern" ohne Landesgrenzen
Ein fiktionalisierter Erzähler – nah am Autor selbst – reist nach Istanbul. Nach einer dubiosen Aktion im Umfeld eines Literaturpreises verprasst er sein Preisgeld und denkt über das Schreiben nach.
In Berlin läuft alles zusammen
Am Ende laufen die Fäden in Berlin zusammen. Eine Stadt, geprägt von Lieferdiensten, Fahrrädern mit Boxen. In Berlin kreuzen sich die Biografien der Protagonist*innen. Und es wird deutlich, wie sehr unsere global vernetzte Welt auf unsichtbarer Arbeit basiert.
Das Buch
"Liefern" von Tomer Gardi, in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die den Teil "Mimesis" aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt hat, Tropen Verlag, 315 Seinen, gebundene Ausgabe/Hardcover: 25 Euro, eBook: 19,99 Euro; Erscheinungstermin: 14.02.2026.
Der Autor
Tomer Gardi, geboren 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa, lebt als Schriftsteller in Berlin. Für seinen Roman "Eine runde Sache" erhielt er 2022 den Preis der Leipziger Buchmesse. Für "Liefern" hat der Autor über drei Jahre in sechs Städten vor Ort recherchiert.
