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Hengameh Yaghoobifarahs Debütroman "Ministerium der Träume" ist eine rasante Reise in eine migrantische Jugend im Deutschland der 1990er und in eine Gegenwart voller Alltagsrassismus.

Nasrin steht im Bad und sortiert die Wäsche. Sie weiß nicht, wie viele Stunden sie geschlafen hat und wie viele davon schlecht. Sie hat nicht mitgezählt, wie viele Zigaretten sie heute schon geraucht hat. Aber sie weiß: zu viele. Sie weiß, wann ihre Nichte Parvin von der Schule kommt. Und sie weiß, für wie viele Tage ihre Antidepressiva noch reichen. Immerhin das.

In der Nacht hat sie wieder von der Telefonzelle geträumt. Ihre Familie war am anderen Ende der Leitung – ihr Vater. Ihre Mutter. Und ihre kleine Schwester Nushin. Aber bevor sie irgendwas zu ihnen sagen konnte, war sie aufgewacht. Wie jedesmal. Von ihrer Familie sind nicht mehr viele da. Ihr Vater ist schon lange tot...

Zwei iranische Teenager im Deutschland der 1990er

Hengameh Yaghoobifarahs Romandebüt "Ministerium der Träume" erzählt von den Schwestern Nasrin und Nushin. Die beiden Mädchen sind noch klein, als sie gemeinsam mit ihrer Mutter vor dem Iran-Irak-Krieg nach Deutschland fliehen. Der Vater will nachkommen. Aber er schafft es nie.

In Rückblenden offenbart Yaghoobifarah die Kindheit der beiden Mädchen, die ihren Anfang in einer intakten Familie im Iran der frühen 1980er hat – und ihr Ende ein Jahrzehnt später in einem Wohnmobil am Rande einer Siedlung in Lübeck findet. Nasrin ist zwölf. Nushin ein paar Jahre jünger.

"Nasrin spürt, dass sie etwas übersieht, etwas, das lange zurückliegt, etwas, das sie in ihre Alpträume verbannt hat und jetzt an die Oberfläche holen muss."
Lydia Herms über die Protagonistin im Roman "Ministerium der Träume"

Jahre ziehen ins Land, die Mädchen werden erwachsen. Dann stehen plötzlich zwei Polizisten vor Nasrins Wohnung und teilen ihr mit, dass ihre Schwester mit dem Auto gegen einen Baum gefahren ist. Nasrin übernimmt die Vormundschaft für ihre 14-jährige Nichte Parvin. Und sie bekommt Zweifel, dass der Tod ihrer Schwester ein Unfall war. Nasrin begibt sich auf die Suche nach den Gründen für ihren Tod.

"Das Ministerium der Träume" nimmt uns mit auf eine Reise durch Deutschland – von Nasrins und Nushins Jugend als Töchter iranischer Migranten in den 1990er Jahren bis hin in die deutsche Gegenwart.

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Die Autorin / der Autor: Hengameh Yaghoobifarah, geboren 1991 in Kiel, definiert sich selbst als non-binär und arbeitet als Journalist/Journalistin und Autor/Autorin. Unter anderem schreibt Hengameh Yaghoobifarah seit 2016 die Kolumne "Habibitus" für die Taz. Die Haltung darin polarisiert, die Wortwahl provoziert. So groß wie Hengameh Yaghoobifarahs Fangemeinde ist auch die Gruppe der Menschen, die Hengameh Yaghoobifarah beschimpfen und bedrohen – auch mit Mord.

Das Buch: "Ministerium der Träume" von Hengameh Yaghoobifarah | Verlag: Blumenbar (Aufbau) | 381 Seiten | gebundene Ausgabe (Hardcover): 22 Euro, E-Book: 16,99 Euro, Hörbuch-Download: 9,26 Euro (gelesen von Susan Zare, auch bei Spotify) | erschienen am 05.02.2021