In "Mova" von Viktor Martinowitsch wird gedealt. Der heiße Stoff: Texte auf Mova. Bis dem Dealer ein ganzes Buch in dieser berauschenden Sprache in die Hände fällt. Das perfekte Buch für den Moment, wenn du dachtest, du hast das Schlimmste überstanden.

Wir schreiben das Jahr 4741 nach chinesischer Zeitrechnung (2044 nach der unsrigen). Gras, Shit, Koks, Heroin oder Alkohol sind längst legalisiert in dem chinesisch-russischen Unionsstaat, indem Sergej seinen Geschäften nachgeht. Er dealt mit Briefchen. Kleine Zettelchen, auf denen Verse in Mova geschrieben stehen. Wer die liest, wird high. Im Präventionsunterricht in der Schule wird den Schülern eingetrichtert, dass Mova die schlimmste Droge ever sei.

Die chinesisch-russische Regierung hat ein Problem mit Mova. Wer Bücher auf Mova besitzt, muss mit brutalen Strafen rechnen. Deshalb wurden die Bücher versteckt, ins Ausland geschafft oder verbrannt. Der Preis der Bücher, die überlebten, stieg ins Unermessliche. Deshalb fingen Geschäftemacher an, die Bücher erst in einzelne Seiten und dann in einzelne Abschnitte zu zerteilen und davon Kopien zu machen, um sie zu verkaufen. Mit solchen Kopie-Schnipseln handelt Sergej. Die Kontrollen sind allgegenwärtig und streng.

"Dieses Buch bedeutet Krieg"

Nach einer Schmuggelaktion aus dem verarmten Europa, wo er sich die Mova-Kopie-Zettelchen besorgt, kommt Sergej unerkannt durch alle Kontrollen und ist wieder zurück in Minsk, eine Provinzmetropole im Nordwesten des chinesich-russischen Unionsstaates. Sein Rucksack fühlt sich plötzlich seltsam schwer an. Die Briefchen wiegen kaum etwas. Er macht ihn auf: Ein ganzes Buch in Mova geschrieben. Wenig später klingelt es an seiner Tür: Ein chinesischer Bote fordert Sergej wortkarg auf mitzukommen.

"Mova" von Viktor Martinowitsch erschien 2016 bei Voland & Quist, aus dem Weisrussischen übersetzt ins Deutsche von Thomas Weiler.