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"Verwirrnis" heißt Christoph Heins zuletzt veröffentlichter Roman über einen Jungen, der sich in einen anderen Jungen verliebt, es aber niemandem sagen oder zeigen darf. Homosexualität ist Ende der 1940er Jahre im thüringischen Eichsfeld nicht nur verboten, sondern wird auch als eine Art Todsünde verstanden. Wer es auch nur wage, an "so etwas" zu denken, heißt es damals, komme in die Hölle.

Friedeward liebt Wolfgang und Wolfgang liebt Friedeward. Die Beiden gehen noch zur Schule – es sind die 1940er Jahre – Homosexualität ist ein großes Tabu.

Friedewards und Wolfgangs Väter sind fromme und strenge Katholiken. Sie erwarten von ihren Söhnen, es ihnen gleichzutun. Sie sagen, "der Herr" sieht alles. In der Welt, wie sie sie kennen, bestraft "der Herr" auch alles, was nicht den Vorstellungen der konservativen Gesellschaft anpasst.

Solange die Jungs noch bei ihren Vätern wohnen, übernehmen die Väter das Bestrafen für alles das, was sie als Abweichung von der Norm verstehen. Sie tun das im Glauben, dass sie es stellvertretend und im Sinne des Gottes tun, an den sie glauben.

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Friedeward und Wolfgang sind des Risikos bewusst, das sie eingehen. Aber wollen auch nicht so tun, als sei nichts zwischen ihnen. Jede ihrer freien Minuten verbringen die Beiden miteinander.

Sie fahren in den Ferien an die Ostsee, baden nackt. Sie machen lange Spaziergänge. Sie lesen sich gegenseitig aus Büchern von Thomas Mann und Robert Musil vor, manchmal auch ihre selbst geschriebenen Gedichte.

Sie erträumen sich eine gemeinsame Zukunft. Wenn sie erst einmal achtzehn sind, wollen sie in Berlin oder Leipzig studieren. Sie wissen zwar noch nicht genau, wohin sie wollen, aber sie wissen, dass sie auf alle Fälle weit weggehen wollen.

Sie sind vorsichtig

Für alle um sie herum sind sie nur sehr gute Freunde. Außerdem fährt Wolfgang regelmäßig zu Helga, seiner Cousine dritten Grades. Er will sie angeblich heiraten. Natürlich nur zur Tarnung. Friedeward ist eifersüchtig. Er will nicht daran denken, dass es mit Wolfgang und ihm eines Tages vorbei sein könnte.

Das Schlimmste was passieren kann, tritt ein

An einem Nachmittag kehrt Friedewards Vater unerwartet früh von einem Termin zurück. Er geht wie so oft ohne anzuklopfen in Friedewards Zimmer, um nach dem Rechten zu sehen. Er findet dort die beiden jungen Männer vor, inzwischen siebzehn Jahre alt, halb nackt und sichtlich erschreckt.

Wird sein Vater recht behalten?

An das, was dann passiert, erinnert sich Friedeward auch viele Jahre später noch. Da ist er Professor an der Universität Leipzig. Mit Wolfgang ist er längst nicht mehr zusammen. Er hat mit der DDR einen Staat entstehen und zerfallen sehen. Homosexualität ist nicht mehr per Gesetz verboten.

So viel ist passiert, soviel Zeit ist vergangen. Und trotzdem muss Friedeward ständig an das denken, womit ihm sein Vater damals gedroht hat. Nämlich damit, dass er seine ewige Seligkeit verlieren und sich ein Leben lang schämen würde. Es tut Friedeward weh, sich das einzugestehen, aber: Sein Vater könnte vielleicht Recht behalten.