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"Vivian" heißt Christina Hesselholdts biografischer Roman über die Straßenfotografin Vivian Maier, die durch Zufall erst nach ihrem Tod bekannt wurde.

Die dänische Schriftstellerin Christina Hesselholdt weiß eigentlich auch nicht mehr als alle anderen. Aber im Roman tut sie so, als ob. Sie lässt einen Erzähler, der alles weiß, alles preisgeben. Auch Vivian selbst kommt zu Wort, erzählt von ihren streitenden Eltern, von bösen Tanten und Onkeln, von ihrem kranken Bruder - überhaupt von der Gewalt, die sie erfährt, aber auch von den Beobachtungen, die sie schon als kleines Mädchen macht. Von ihrem Blick für die Details.

"Und immer dann, wenn in der Geschichte eine neue Person auftaucht, gibt die im Roman ihren Senf dazu. Fast so, als würden sich alle miteinander unterhalten."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin

Ellen zum Beispiel mag ihr neues Kindermädchen Miss Maier, weil es sich nicht so benimmt wie andere Erwachsene. Miss Maier klaut Süßigkeiten im Geschäft, um sie anschließend mit ihr zu teilen. Sie fährt mit ihr in die Stadtviertel von New York, wo vor allem arme und schwarze Menschen leben. Niemand ist so freundlich zu Obdachlosen wie Miss Maier.

Vivian Maier – Kindermädchen und Fotografin

Ellen kennt auch niemanden, der so viel fotografiert wie Miss Maier – Vögel, Pferde und Straßenecken, manchmal sich selbst in Fensterscheiben. Aber vor allem fotografiert sie: Menschen auf der Straße, spielende Kinder, wartende Männer, Frauen beim Einkauf. Immer blitzschnell und aus dem Bauch heraus.

Ein MAnn in einem Zeitungskiosk, schwarz-weiß Fotografie von Vivian Maier.
© picture alliance | AP Photo | Vivian Maier
Fotografie von Vivian Maier

Vierzig Jahre später, 2009, stirbt Vivian Maier mit 83 Jahren an den Folgen einer Kopfverletzung. Sie hinterlässt keine Kinder und auch kein Vermögen, wie es zuerst scheint. Aber das Gegenteil ist der Fall. Weil Vivian die Miete für ein paar Lagerboxen nicht mehr bezahlt hat, wird alles, was darin steht, ungeöffnet zwangsversteigert. Das Öffnen offenbart einen Schatz – mehrere hundert Tageszeitungen, Briefe und außerdem mehrere tausend Negative von Vivians Fotos. Warum hat sie sie niemandem gezeigt?

Selbstporträt der Fotografin Vivian Maier
© picture alliance | AP Photo | Vivian Maier
Selbstporträt der Fotografin Vivian Maier

Weil sie ihre eigene Geschichte nicht mehr erzählen kann, hat die Schriftstellerin Christina Hesselholdt Fakten und Bilder zusammengetragen, sich Interviews mit Menschen angesehen und durchgelesen, die Vivian gekannt haben, und schließlich die Lücken mit ihrer Fantasie gefüllt.

Es gibt neben vielen Bildbänden und Fotoserien im Internet auch einen tollen Dokumentarfilm über die Straßenfotografin: "Finding Vivian Maier". Den könnt ihr ja gucken, nachdem ihr die 200 Romanseiten gelesen habt.

Das Buch

"Vivian" von Christina Hesselholdt, aus dem Dänischen übersetzt von Ursel Allenstein, erschienen bei Hanser Berlin, 206 Seiten, Hardcover: 21 Euro, E-Book: 15,99 Euro; ET: 20.07.2020.