Der Selfie-Stick ist der aktuellste Schrei einer langen Entwicklung, wenn es um Fotos geht. Bilder vom Menschen sind uralt. Im Laufe der Jahrtausende wurden sie immer weiter verfeinert.

In allen Kulturen und zu allen Zeiten befassten sich Menschen mit Bildern. Und seien es nur die imaginären, die in der Fantasie entstanden sind oder in Träumen. Dann kamen die ersten Höhlen- und Felsenmalereien, die Plastiken der griechischen Antike mit wohlgeformten Körpern, einer optischen Verbindung des Idealen und Schönen. Dann die ersten, noch umständlichen Fotoapparate, die Polaroid- und Kleinbildkameras - und jetzt das Selfie.

"In der Konzentration auf einen Moment und der damit suggerierten Evidenz liegt das Besondere eines Bildes, jedoch auch die Grenze der ikonischen Darstellung."
Christoph Wulf, FU Berlin

Der Anthropologe und Erziehungswissenschaftler Christoph Wulf fasst in seinem Vortrag zusammen, dass Menschenbilder stets Vereinfachungen seien, die aber gerade deshalb eine überaus große Wirkung hätten. Nach Wulf drücken sich in ihr Wünsche, Normen und Werte aus. Menschenbilder geben Orientierung und Sinn, werden mit anderen geteilt und schaffen Gefühle der Zusammengehörigkeit. Der Titel seines wissenschaftlichen Vortrages lautet: “Bilder des Menschen: Imaginäre und performative Grundlagen der Kultur”.

Veranstalter der Berliner Sommeruni 2015 waren die Akademie für weiterbildende Studien, die Universität der Künste und das Berlin Career College.

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