Wahrscheinlich hinterfragen wir sonst viel zu selten, ob wir wirklich zwanzig Paar Schuhe oder zwei Regale voller Bücher brauchen. Doch die viele Zeit zu Hause hat uns vielleicht zum Ausmisten inspiriert. Warum das der erste Schritt zu mehr Achtsamkeit ist, erklärt uns Youtuberin Minimal Mimi.

Wer nach zehn Wochen häuslicher Isolation immer noch das Gefühl hat, genug Platz in der eigenen Wohnung zu haben, wohnt entweder in einem Schloss oder hat ordentlich aussortiert: Angefangen bei Papierbergen auf dem Schreibtisch, den zu klein gewordenen Klamotten, in die wir irgendwann wieder reinpassen wollen oder den etlichen Brotdosen ohne Deckel, die unsere Küchenschränke füllen.

Minimalismus-Expertin Ekaterina Polyakova musste sich diesen Stress in letzter Zeit nicht machen, denn in ihrer Wohnung gibt es keine unnötigen Gegenstände mehr. Sie hat vor sechs Jahren angefangen auszumisten und ihren Besitz zu reduzieren. Auf ihrem Youtube-Kanal Minimal Mimi spricht sie über Minimalismus und Achtsamkeit im Alltag.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Bücher besitzt sie kaum noch. Was sie liest, leiht sie sich in der Bibliothek. In ihrem Schrank hängen nur noch ihre Lieblingsklamotten — alles andere wurde aussortiert. Das mag für manche Leute karg klingen, für Ekaterina fühlt es sich aber genau richtig an.

"Mit der Zeit ist es immer weniger geworden und damit bin ich auch sehr glücklich, weil es meinen Alltag vereinfacht." Minimalismus hat für sie allerdings nicht nur etwas mit der Reduzierung von Gegenständen zu tun, es geht für sie auch um eine generelle Klarheit im Leben.

"Die Krise hat zur Entschleunigung geführt und gibt den Leuten die Möglichkeit sich zu fragen: Lebe ich eigentlich so, dass es mir gut tut?“
Ekaterina Polyakova, Youtuberin

Im Minimalismus beschränkten sich Menschen auf das Wesentliche und seien deshalb auch achtsamer. In den letzten Wochen zu Hause hatten viele von uns die Möglichkeit, mal ihr Verhalten zu überdenken und sich zu fragen, was sie im Leben wirklich brauchen.

Das kann bedeuten, dass wir fünf alte Winterjacken aussortieren oder uns bewusst wird, dass wir uns mehr Zeit für uns selbst nehmen müssen.

Ekaterinas Tipp für mehr Achtsamkeit im Alltag — ständige Reflexion

Gleichzeitig beobachtet Ekaterina aber auch einen regelrechten Leistungsdruck, den viele Menschen seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen verspüren: "Es hieß dann — jetzt ist die perfekte Zeit, um Projekte anzugehen, die man sonst vor sich hergeschoben hat." Das genaue Gegenteil sei, tagelang auf der Couch zu hocken, um Serien zu gucken. Gesünder sei es, einen Mittelweg zu gehen, findet die Youtuberin.

"Für uns persönlich sollten wir mitnehmen, dass wir öfter das eigene Leben reflektieren oder hinterfragen, was gerade passiert und was wir ändern wollen."
Ekaterina Polyakova, Youtuberin

Allerdings wird die Zeit der Entschleunigung bald wieder vorbei sein: Kontaktverbote werden aufgehoben und das alltägliche Leben geht weiter. Damit könnte auch das Bewusstsein für Achtsamkeit wieder verloren gehen.

Ekaterina Polyakovas Tipp, um die gewonnene Klarheit auch nach Corona beibehalten zu können: Tagebuch schreiben und reflektieren, was uns guttut und was nicht. Und endlich mal den Keller aufzuräumen, trägt sicherlich auch dazu bei.