Stell dir vor: Du bist auf dem Weg ins Kino. Im Autoradio hörst du, dass alle drei Sekunden ein Mensch stirbt, weil er arm ist - es mangelt an Hygiene, Medikamente fehlen. Nur wenige Cents könnten ein Menschenleben retten. Dein Kinobesuch kostet, inklusive Popcorn, 15 Euro. Was machst du?

Verzichtest du auf den Kinofilm und spendest, was du für Ticket und Popcorn ausgegeben hättest? Verzichtest du von nun an auf jeden Kinofilm? Oder überlegst du sogar, dein Auto zu verkaufen?

"Überall könnten Sie Geld sparen, ohne dass Sie selber in Not geraten. Sie müssten niemals frieren, niemals Hunger leiden und könnten anderen Menschen das Leben retten. - Wie weit würden Sie gehen?"
Marcel van Ackeren, Philosoph

Wie viel Wohlstand seid ihr bereit, zu opfern, um anderen zu helfen? Darum geht es in diesem Hörsaal. Marcel van Ackeren ist Philosoph. Er zeigt, wie man sinnvoll über solche Fragen nachdenken kann. Wir haben die Möglichkeit, ein Menschenleben zu retten. Wir sind moralisch gefordert. Gleichzeitig sind wir aber eingefleischte Egoisten: Wir wollen, dass es uns gut geht. Der moralischen Forderung nachzukommen, könnte bedeuten, dass es uns ein bisschen weniger gut geht, oder auch, dass es uns deutlich schlechter geht.

"Obschon Ihnen die ethische Forderung, anderen Menschen in großer Not zu helfen, am Anfang noch plausibel erschien, schwant Ihnen jetzt langsam, dass die konsequente Befolgung dieser plausiblen Vorstellung Ihr Leben radikal verändern wird."
Marcel van Ackeren, Philosoph

Marcel van Ackeren hat Sozialwissenschaften studiert und in Philosophie promoviert. Zurzeit ist er Privatdozent an der Uni Münster. Sein Vortrag hat den Titel "Ethik, die weh tut? Zum Konflikt von Moral und Wohlergehen". Er hat ihn am 18. Januar 2016 beim Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald gehalten.