Deutschland will wieder die Olympischen Spiele ausrichten. Aber wer profitiert davon? Und wer zahlt am Ende? Wir schauen auf Chancen, Risiken und die Frage, ob man für oder gegen die Spiele abstimmen sollte.
Olympiasiegerin, Weltmeisterin und mehrfache Europameisterin: Titel hat die ehemalige Profi-Beachvolleyballspielerin Laura Ludwig schon viele für Deutschland geholt. Sie liebt den Spirit bei den Olympischen und Paralympischen Spielen. Sie muss es wissen: Sie hat bereits fünfmal an Olympischen Sommerspielen teilgenommen.
Besonders in den europäischen Städten war der olympische Geist für sie spürbar – in London und Paris mehr als in Tokio, sagt sie. Das lag daran, dass alle Beteiligten – zum Beispiel auch die Volunteers – voll hinter der Veranstaltung standen, sagt Laura Ludwig. Die Teilnahme hat bei der Sportlerin ein einzigartiges Gefühl erzeugt, das sich kaum mit Worten beschreiben lasse.
Die olympischen Vibes sind einfach immer einzigartig. Das muss man eigentlich erleben. So einfach zu beschreiben ist das gar nicht."
Die ehemalige Profi-Beachvolleyballerin, die bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 mit ihrem Team Gold für Deutschland geholt hat, wünscht sich sehr, dass Hamburg die Spiele im Jahr 2040 oder 2044 ausrichtet. Die Bürgerabstimmung darüber findet am 31. Mai 2026 statt.
In München wurde bereits abgestimmt: 66,4 Prozent der abgegebenen Stimmen haben sich für eine Bewerbung ausgesprochen. Die Abstimmung in Köln, Düsseldorf und im ganzen Rhein-Ruhr-Gebiet findet aktuell statt. Rund vier Millionen Menschen können dort für oder gegen eine Bewerbung um Olympische Spiele in ihrer Region abstimmen.
"Was mir immer ganz wichtig ist: Dass ich nicht grundsätzlich gegen Olympia bin, sondern dass ich nur was gegen Olympia in Hamburg habe."
Laura Ludwig glaubt, dass die Stadt Hamburg sich gut als Austragsort eignen würde, weil die Wege kurz sind. Zudem ist sie überzeugt davon, dass es der Region zugutekommen würde. Parks und Wohnungen würden entstehen und Sportanlagen modernisiert werden. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sind ein Projekt, hinter dem auch der Senat, die Hamburger Regierung, steht.
Es gäbe einen zeitlicher Druck, um Bauten fertigzustellen, die anschließend nachhaltig genutzt werden könnten. Aufgrund des speziellen Budgets für die Finanzierung erwartet Laura Ludwig einen Boost für die Region.
Bürgerabstimmungen zu Olympia: Sagt eine Stadt Nein, ist sie raus
Clara Ihring wird bei der Hamburger Bürgerabstimmung mit Nein stimmen. Sie ist Pressesprecherin und Aktivisten bei der Initiative "NOlympia Hamburg". Sie steht mit ihren Mitstreiter*innen in Kontakt mit anderen Initiativen, zum Beispiel NOlympia Paris.
Sie ist überzeugt davon, dass die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in Hamburg eher einen negativen Effekt hätten.
NOlympia Sprecherin: Den Druck zu sanieren, sollte es unabhängig vom Event geben
Clara Ihring nennt viele Gründen dafür, dass sie die Olympischen Sommerspiele nicht in Hamburg ausgetragen haben möchte. Die Zahlen, zum Beispiel aus Paris, zeigten, dass sich das Großereignis für viele Kleinunternehmer nicht ausgezahlt habe. Hamburger Wohnbauprojekte, die mit den Olympischen Spielen in Zusammenhang gebracht werden würden, seien unabhängig davon schon geplant.
18 Millionen Euro würden zurzeit für eine Werbekampagne für Olympia und das Referendum ausgegeben. Clara Ihring findet, dass diese Geld besser in die Barrierefreiheit von S-Bahn-Stationen investiert werden sollte. Die größte Sorge der NOLympia-Aktivist*innen ist, dass die Stadt Hamburg mehr Ausgaben als Einnahmen haben wird, auf denen sie sitzenbleibt.
"Ein Mega-Event für sechs Wochen aufzubauen und dann auf einem Steuerloch von sieben Milliarden Euro stehenbleiben - das sehen wir in Hamburg nicht, wir finden das unnötig."
Schon die Bewerbungen kosten Millionen. Die Städte investieren das Geld, weil sich die Politiker*innen einen Boost durch Investitionen erhoffen, sagt Deutschlandfunk-Sportjournalist Matthias Friebe.
In Berlin ist eine Bürgerabstimmung in der Landesverfassung nicht vorgesehen. Die Region sucht zurzeit noch andere Wege, die Bürger zu beteiligen. München hat bereits Ja gesagt. In Köln, Düsseldorf und dem Rhein-Ruhr-Gebiet steht die Entscheidung noch bevor, genau wie in Hamburg.
Am Ende muss der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auswählen. Das ist die regierungsunabhängige Dachorganisation des Sports in Deutschland. Sie entscheidet darüber, welche Region den Zuschlag bekommen wird.
Konkurrenz in Europa
Doch nur weil der DOSB sich für einen Standort entscheidet, heißt das nicht, dass dort auch die Olympischen Spiele stattfinden. Dass die Spiele 1936 – einhundert Jahre nach den vom NS-Regime als Propaganda genutzten Wettbewerben von Berlin 1936 – nach Deutschland gehen, ist sehr unwahrscheinlich.
Bleiben noch 2040 und 2044: Nur einer der beiden Termine wird wohl überhaupt in Europa stattfinden. Dafür bereiten sich offenbar auch andere Städte vor, sagt Matthias Friebe: London, Budapest, Madrid höre man. Man müsse also im innereuropäischen Wettbewerb andere sehr gute Städte schlagen, erklärt er.
Hat Deutschland da überhaupt eine Chance? Matthias Friebe sagt: "Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland überhaupt Olympia bekommt, ist sehr, sehr, sehr klein."
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