Paradontitis ist eine Volkskrankheit: Rund jeder zweite Erwachsene leidet in Deutschland daran. Eine neue Zahnpasta soll uns nun dabei helfen, gezielter gegen schleche Bakterien vozugehen und die guten zu erhalten. Wie gut das funktioniert.

Von der leisen Volkskrankheit ist gelegentlich die Rede, wenn es um Paradontitis geht. Denn oft haben wir sie, ohne dass wir das selbst mitbekommen.

Bei der Paradontitis handelt es sich um Entzündungen, die durch Bakterien in den Zahnbelägen ausgelöst werden. Dadurch kommt es zu einer fortschreitenden Zerstörung des sogenannten Zahnapparats: Dazu zählen Zahnfleisch, Knochen und andere wichtige Strukturen rund um die Zähne.

Das Tückische bei einer Paradontitis ist allerdings, dass sie uns anfangs keine Schmerzen bereitet.

"Viele haben es vermutlich eben auch, ohne es zu wissen, weil man am Anfang keine Schmerzen verspürt."
Sebastian Rams, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Wahrscheinlichkeit, dass man davon betroffen ist, ist hoch. Die Bundesärztekammer spricht davon, dass rund 35 Millionen Menschen unterschiedlich stark daran erkrankt sind. Viele vermutlich auch, ohne es zu wissen, weil man anfangs keine Schmerzen verspürt.

Zahnpasta, die gegen schädliche Bakterien vorgehen soll

Zahnfleischbluten oder auch geschwollenes Zahnfleisch sind Symptome, die auf eine Paradontitis hinweisen können. Wenn eines von beidem oder gar beides häufig auftritt, sollten wir es bei einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt abchecken lassen. Denn es ist wichtig, frühzeitig etwas dagegen zu unternehmen.

"In der neuen Zahnpasta befindet sich ein besonderer Wirkstoff, der das Wachstum ganz bestimmter schädlicher Keime hemmen und das Zahnfleisch dadurch besser schützen soll."
Sebastian Rams, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Gegen Paradontitis vorzugehen, soll bald dank einer neuen Zahnpaste einfacher sein. Mit dem Wirkstoff dieser Zahnpasta soll der Haupterreger einer Paradontitis selektiv gehemmt werden. Andere Bakterien werden nicht angegriffen. Förderliche Bakterien sollen dadurch die Chance bekommen, weiter ihren Job zu machen.

Komplexes Zusammenspiel: Rund 700 Bakterienarten im Mund

Allerdings ist das möglicherweise nicht so einfach, wie sich die Hersteller das vielleicht vorgestellt haben. Der Mikrobiologe Andreas Podbielski ist von der neuen Zahnpasta nicht ganz überzeugt, weil bei der Entwicklung, wie er sagt, die Komplexität der Bakterien im Mund offenbar nicht ganz berücksichtigt wurde.

Er sagt: "Wenn man sich die Studien anschaut, die hinter dieser Zahnpasta stecken, sind das alles Studien, die auf einem künstlichen experimentellen System beruhen, die maximal mit zwölf verschiedenen Mikroorganismen arbeiten. Demnach die Mundgesundheit oder auch die Mundkrankheit gar nicht so richtig abbilden können." Verständlich wird dieses Argument, wenn man sich vor Augen führt, dass die Mundflora deutlich mehr als nur 12 Bakterienarten enthält: es sind rund 700.

Nur drei Paradontitis-Erreger untersucht

Die Kritik: Bei den zwölf verschiedenen Bakterienarten, die untersucht wurden, waren nur drei dabei, die eine Paradontitis verursachen sollen. Bei den Studien wurden diese Bakterien von der Zahnpasta zwar in ihrer Wirkweise gehemmt, allerdings nur in moderatem Maße.

Kritisiert wird außerdem auch, dass die Studien nicht mit Menschen durchgeführt wurden und nicht über einen längeren Zeitraum stattgefunden haben. Auch wenn die Zahnpasta wohl noch etwas Entwicklung braucht, gibt es viele Möglichkeiten, wie wir unsere Zahnhygiene unabhängig davon optimieren können.

Was ihr prophylaktisch tun könnt:

Zahnhygiene ist eine wichtige Routine um Paradontitis vorzubeugen. Worauf wir dabei achten können:

  • Die Wahl der Zahnpasta
  • Die richtige Putztechnik
  • Mindestens zweimal täglich Zähne putzen
  • Auch die Zahnzwischenräume reinigen, zum Beispiel mit Zahnseide, einer Interdentalbürste oder einer Munddusche
  • Auch den Zungengrund reinigen (den unbeweglichen Teil der Zunge) hier ist die Konzentration an Bakterien meist hoch

Ein Tipp zum Abschluss: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen zudem alle zwei Jahre die Kosten einer speziellen Parodontitis-Früherkennung.

Shownotes
Zahngesundheit
Die Zahnpasta, die gegen den Paradontitis-Erreger vorgeht
vom 09. Januar 2026
Moderation: 
Christoph Sterz
Gesprächspartner: 
Sebastian Rams, Deutschlandfunk Nova