Viele nutzen den Begriff sexpositiv – man hört ihn auf Partys, in Communitys oder beim Dating. Dabei kann die Definition schon mal unterschiedlich ausfallen. Moderator Gero Simone nähert sich dem Begriff mit zwei Gesprächspartnerinnen an.
Judith ist Ende 30, lebt in einer Großstadt und datet gerne queer. Sie definiert sexpositiv so: "Ich würde einfach sagen, dass ich, was meine eigene Sexualität angeht, ganz offen bin und da gar nicht so eine feste Vorstellung davon habe, wo die Reise noch hingehen könnte." Judith geht gerne auf kinky Partys. Auch wenn das einen Teil ihrer Sexpositivität ausmacht, heißt das nicht, dass alle, die sich als sexpositiv sehen, auch kinky sind.
Beatrix Roidinger ist Sexualberaterin aus Wien und hat einen sexpositiven Ratgeber geschrieben. Einen der ersten auf Deutsch. Sie versteht unter sexpositiv, dass man einen bejahenden, offenen Blick hat.
Sexpositiv: offen und bejahend
Es gehe nicht darum zu denken, dass man alles ausprobieren muss, zwingend auch kinky sein muss, sagt sie: "Man muss jetzt auch in einer offenen, polyamoren Beziehung leben? Man muss auch auf Partys gehen? Nein, absolut nicht. Das muss man nicht."
"Man kann wohlwollend hinschauen und sagen: Ah, so machen das andere Menschen. So leben andere Menschen ihre Sexualität."
Für Beatrix Roidinger lohnt es sich, sexpositiv zu sein, sich also mit Sexualität, Identität, Orientierung und Bedürfnissen zu beschäftigen. Im Idealfall lernt man sich und seinen Partner oder seine Partnerin besser kennen, sagt die klinische Sexologin.
"Im Idealfall erweitere ich mein Spektrum. – also, das, was ich machen und ausprobieren will - gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen. Oder vielleicht erkenne ich, dass Monogamie nicht mein Weg ist."
Wer seine Bedürfnisse und Wünsche besser kennengelernt hat, kann sich dann entsprechende Communitys suchen oder andere Möglichkeiten nutzen, Sexualität anders auszuleben, sagt Beatrix Roidinger.
"Ich glaube, es ist irgendwie schön, wenn wir uns so etwas bewahren können, dass wir uns selber nicht abschließend kennen und auch andere nicht."
Für die Sexualberaterin bedeutet das, bewusster mit sich und den eigenen Bedürfnissen umzugehen. Auch Judith sieht das so und will weiter offen und neugierig bleiben.
"Eine Offenheit kultivieren zu können, die zu neuen spannenden, inspirierenden Begegnungen führt, das ist schön und lohnt sich, finde ich."
Wenn ihr wissen wollt, was sexpositiv alles sein kann, wann dieser Begriff eine Art Leistungsdruck erzeugen kann und was die ersten Schritte auf dem Weg zu mehr Sexpositivität sind, dann hört in diese Folge von Eine Stunde Liebe rein.
- Beatrix Roidinger und Barbara Zuschnig: Sexpositiv. Intimität und Beziehung neu verhandelt. Goldegg Verlag, 2021.
- Definition Sexpositiv
- Das kann auch kippen
- Step by Step
- Judith ist sexpositiv
- Liebestagebuch
