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Rechtsextreme Einstellungen sind auch unter Jugendlichen verbreitet. Was braucht die Jugend, um demokratisch zu bleiben? Ein Vortrag der Soziologin Melanie Groß.

Wer heute jugendlich ist, ist in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der die AfD bereits sehr selbstbewusst aufgetreten ist und in der öffentlichen Debatte verharmlost wurde, sagt Melanie Groß. Sie ist Soziologin und Pädagogin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel. Es wäre also eigentlich eher verwunderlich, wenn die rechtsextremen Erzählungen nicht auch schon bei Jugendlichen angekommen wären, erklärt die Soziologin.

"Ein ganz großer Risikofaktor ist das soziale Umfeld und der Kontakt zur rechten Szene."
Melanie Groß, Soziologin

Dennoch positionieren sich die Jugendlichen laut der Shell-Jugendstudie insgesamt eher links, so Melanie Groß weiter. Das sei bei den weiblichen Jugendlichen stärker der Fall als bei den männlichen. In ihrem Vortrag erklärt die Soziologin, welche Faktoren eine rechtsextreme Einstellung begünstigen.

"Jugendliche brauchen das Gefühl, gesehen zu werden, gewünscht zu sein, berücksichtigt zu werden, sei es in der Schule, sei es im Jugendzentrum, auch in Familien."
Melanie Groß, Soziologin

Risikofaktoren und Schutzfaktoren

Jugendliche mit einer hohen Risikobereitschaft teilen beispielsweise häufiger rechtsextreme Einstellungen, erklärt Melanie Groß. Auch die Herkunftsfamilie könne einen Einfluss auf das politische Weltbild der Jugendlichen haben. "Es gibt tatsächlich eine Erziehung von rechts, also eine rechte Ideologie, die Elterntipps gibt, wie erzogen werden sollte", sagt Melanie Groß. Häufig seien das sehr autoritäre Erziehungsweisen.

"Ein Schutzfaktor ist tatsächlich die Fähigkeit, Uneindeutigkeiten auszuhalten. Wer das gut kann, ist besser geschützt gegen einfache Antworten mit Sündenbocken und Abwertungstendenzen."
Melanie Groß, Soziologin

Melanie Groß ist Soziologin und Pädagogin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel. Ihr Vortrag heißt "Wohin tendiert die Jugend? Zustimmung zu extrem rechten Positionen im Jugendalter" und Melanie Groß hat ihn am 6. September 2026 im Rahmen der Ringvorlesung "Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel gehalten.

Den Hörsaal live erleben?

Das geht am 30.10.2026 beim Silbersalz Science und Media Festival in Halle. Dort hält die Medizinerin Ursula Müller-Werdan den Vortrag "Lange gut leben – Was ist dran am Longevity-Hype?"

Shownotes
Rechtsextremismus
Wie tickt die Jugend?
vom 22. Oktober 2026
Moderation: 
Nina Bust-Bartels
Vortragende: 
Melanie Groß, Pädagogin und Soziologin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel
  • Einleitung
  • Rechtsextrem organisierte Jugendliche
  • Extrem rechte Einstellungen bei Jugendlichen
  • Risikofaktoren und Schutzfaktoren
  • Ursachen von Rechtsextremismus im Jugendalter
  • Was bewegt Jugendliche heute?
  • Fazit
Quellen aus der Folge:
  • Calmbach et al. (2025): Wie ticken Jugendliche. Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14-17 Jahren in Deutschland. Bonn: BpB.
  • Das Progressive Zentrum (2023): "Extrem einsam?" Die demokratische Relevanz von Einsamkeitserfahrungen unter Jugendlichen in Deutschland. Kollekt-Studie, Berlin.
  • Decker, Oliver/Kiess, Johannes/Heller, Ayline/Brähler, Elmar (Hrsg.) (2024): Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen. Leipziger Autoritarismus Studie 2024. Gießen: Psychosozial-Verlag.
  • Forschungsgruppe Wahlen: Wer wählte die AfD? nach Alter, Landtagswahl Sachsen Anhalt 06.09.2026, [20.10.2026]
  • Ganslmeier/Zibelnik (2025): If a Flower Bloomed in a Dark Room – Would You Trust It? Leipzig: Spector Books.
  • Geray, Angelique (2026): Undercover unter Nazis. Als Frau im Herz der rechtsextremen Szene. Hamburg: Hoffmann und Campe.
  • Kaman, Anne/Erhart, Michael/Devine, Janine/Napp, Ann-Kathrin/Reiß, Franziska/Behn, Steven/Ravens-Sieberer, Ulrike (2025): Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Zeiten globaler Krisen: Ergebnisse der COPSY-Längsschnittstudie von 2020 bis 2024. In: Bundesgesundheitsblatt 2025 (68): 670–680.
  • Küpper, Beate (2018): Das Syndrom Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF). In: demokratie. Gegen Menschenfeindlichkeit: Heuristiken. Jg. 3 (1). Frankfurt a. M.: Wochenschau Verlag. 25–35.
  • Landespräventionsrat und Landesdemokratiezentrum Schleswig-Holstein (2026): Fortschreibung der Regionalanalyse zum Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein. Ergebnisse einer Schülerinnen- und Schüler-Befragung, Zusammenfassender Bericht Carl Philipp Schröder (KfN). Kiel.
  • Liz Mohn Center gGmbH (Hrsg.) (2023): Einstellungen und Sorgen der jungen Generation Deutschlands 2023, [20.10.2026]
  • Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig Holstein (2026): Verfassungsschutzbericht 2025 Schleswig-Holstein. Kiel, (20.10.2026)
  • Shell Deutschland GmbH (Hrsg.) (2024): Jugend 2024. Pragmatisch zwischen Verdrossenheit und gelebter Vielfalt. Weinheim/Basel: Beltz.