Hollywood, Insta und Co. liefern ein überromantisiertes Bild der Paarbeziehung - mit dem die Realität eher nicht mithalten kann. Disneyfizierung der Liebe nennt Paartherapeut Eric Hegmann das. Und erläutert, worauf es wirklich ankommt. Autorin Şeyda Kurt erzählt, warum dieser Vorstellung von Liebe auch gesellschaftliche Zwänge zugrunde liegen.

Ob eine Beziehung im Film toll aussieht oder ein Pärchen auf Insta Händchen hält, sagt rein gar nichts über die Beziehungsqualität aus. Ganz im Gegenteil: Damit wird suggeriert, dass normale Beziehungen langweilig seien, erläutert Paartherapeut Eric Hegmann.

Das Auf und Ab der Hollywood-RomCom zeigt eigentlich im übertragenen Sinn eine toxische Beziehung mit einer absurden Form von Happy End. Und auf den Sonnuntergangsbildern von verliebten Pärchen sehen wir nicht den Streit, den das Paar eventuell auf dem Weg dahin gehabt hat. Es werden in der heutigen Zeit unrealistische Bilder von Beziehungen immer mehr reproduziert, erklärt Eric Hegmann.

"Fast jeder Dritte wünscht sich eine Beziehung wie im Film."
Paartherapeut Eric Hegmann

Ein weiteres Phänomen ist die im Film dargestellte Liebe auf den ersten Blick. Eric Hegmann hält fest, dass es sich dabei lediglich um eine starke Form der körperlichen Anziehung handelt. Der Paartherapeut plädiert dafür, dass es wichtig ist, noch ein gewisses Potenzial zu haben, damit sich die Liebe noch mehr entwickeln kann und nicht bei hundert Prozent zu starten.

Fatale Folgen falscher Vorstellung von Liebe

Wie wichtig es ist, in der Vorstellung nicht an Idealen aus Filmen und Serien festzuhalten, zeigt die Konsequenz, die das hat. Paartherapeut Eric Hegmann erläutert, dass wir dadurch immer auf der Suche nach etwas Besserem sind. Wir entwöhnen uns davon zusammen durch schwierige Zeiten zu gehen. Dadurch haben wir viele Beziehungen, welche uns immer wieder das Herz brechen und die Verlustängste wieder jemanden zu verlieren verstärken.

"Ich glaube, das Problem ist eher, das das Glücksgefühl etwas ist, was die ganze Zeit festgehalten werden müsste. Wir müssen das auch gemeinsam aushalten, nicht immer glücklich zu sein."
Paartherapeut Eric Hegmann

Für alle, die auf der Suche sind, hat Eric Hegmann einen Tipp: Wenn ihr jemanden kennenlernt, kommt es nicht darauf an, Checklisten mit Red-Flags im Kopf abzuhaken – ihr seid ja nicht bei einem Vorstellungsgespräch. Viel mehr kommt es darauf an, dass da zwei Menschen aufeinandertreffen, die sich sympathisch finden und auch begehrenswert und die sich kennenlernen wollen.

Disneyfizierung keine Aussage über Beziehungsqualität

In ihrer Jugend hat die Autorin Şeyda Kurt viele Filme und Musikvideos gesehen, die ihr weiß machen wollten, dass sich eine Frau für den Mann aufopfern muss. Liebe wurde dargestellt als die Antwort, die jeglicher Ungerechtigkeit entgegensteht und linear verläuft – mit einem Happy End. Heute lebt Şeyda Kurt ebenfalls happy, in polyamoren queeren Beziehungen mit zwei Menschen, die sie sehr zufrieden machen. Bis dahin war es aber ein Weg, der nicht immer einfach war.

"Ich bin sehr früh politisch sozialisiert worden und ich glaube, dass diese Vorprägung superwichtig war, um mich aus gewaltvollen Logiken herauszuarbeiten."
Autorin Şeyda Kurt über die Veränderung ihrer Wahrnehmung von Liebe

Nicht nur in Filmen, sondern auch in klassischer bürgerlicher Literatur werden gerade Männer infantilisiert in Sachen Liebe. Außerdem müssen Frauen erobert und von ihrem Glück überzeugt werden, sagt Şeyda. Sie erläutert, dass die Reproduktion dieser Ansicht auch auf gesellschaftspolitische Ziele zurückzuführen ist. Die Leistungsgesellschaft lässt es nicht zu, dass andere Rollen- und Beziehungsmodelle von Menschen ausprobiert werden, die sich selbst nicht wiederfinden können im "Normmodell" von Liebe und Partnerschaft.

Beziehungsbilder sind zum Infragestellen da

Şeyda war zwar schon früh mit Normbildern von Beziehungen konfrontiert, aber hatte auch immer das Gefühl, dass es so nicht wirklich funktionieren kann. Die Grautöne des Beziehungsalltags werden in Medien einfach nicht gezeigt.

"In dem Sinne hab ich heute ein krasseres Selbstbewusstsein, dass ich gemerkt habe, okay es funktioniert aber – egal was andere sagen."
Şeyda Kurt über ihre aktuelle Beziehungsform

Durch ihre politische Beziehung und die Auseinandersetzung mit dem Thema konnte sie anfangen, ihre eigene Idee von Liebe und Beziehung herauszufinden und auszuleben. Şeyda hat ihren eigenen Weg gewählt und fühlt sich nicht mehr Weltbildern unterworfen, die nicht ihre sind und Sexismus, Rassismus und Intoleranz reproduzieren. Inzwischen ist sie ebenfalls entspannter im äußeren Umgang ihrer Form von Liebe geworden, sagt selbstbewusst, welche Beziehungsform sie lebt und lässt sich von niemandem etwas dazu sagen.

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