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Tim ist 23, schwul und hat AfD gewählt – obwohl er einige Positionen klar ablehnt: Jetzt hat die Partei in Sachsen-Anhalt gewonnen. Was erwartet Tim jetzt? Und wie könnte die AfD trotz fehlender Mehrheit in seinem Bundesland regieren?

43,8 Prozent der Zweitstimmen für die AfD, 17,2 für die CDU, 9,3 für die SPD, 8,9 für Bündnis 90 / Die Grünen, 8,6 Prozent für Die Linke und 5,3 Prozent für das BSW: Der Wahlsieg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ist deutlich. Fast hätte es für die absolute Mehrheit im Landesparlament in Magdeburg gereicht. Drei Sitze fehlen.

"Der Punkt, dass ich die AfD gewählt habe, war, dass sie etwas ändern wollen, was die anderen Parteien nicht geändert haben, sondern es wurde alles teurer, etc.."
Tim, aus Sachsen-Anhalt, 23 und schwul, AfD-Erstwähler

Für Tim steht die AfD für Veränderungswillen. Der Erstwähler sagt, dass ihm zwei Themen wichtig sind. Zum Sicherheitsgefühl sagt Tim: "Wenn ich am Bahnhof Betrunkene oder Jugendliche sehe in Gruppen, die herumpöbeln, das ist mir ein Dorn im Auge."

Viel Angst, wenige Deutsche

Zum Thema Migration sagt er: "Jeder zweite Mensch, den man sieht, ist kein Deutscher mehr."

Er hoffe, dass man nachts herausgehen oder die Kinder allein zur Schule schicken könne. Er habe nur was gegen die faulen Migranten, die nichts tun und Geld kassieren.

Dass der Verfassungsschutz die Partei als gesichert rechtsextrem bezeichnet, stört ihn nicht. "Die AfD war schon immer rechtsextrem. Jeder, der AfD wählt, hat eigentlich irgendeine rechte Meinung", findet Tim.

Drei Themen zählen

AfD-Wählerinnen und ‑Wählern geht es insbesondere um die folgenden Themen:

  • Kriminalitätsbekämpfung
  • Asyl- und Flüchtlingspolitik
  • ostdeutsche Interessen vertreten

"Das sind quasi die Top 3", sagt Nadine Lindner. Das gehe aus Nachwahlbefragungen hervor. Nadine Lindner ist für Deutschlandfunk Nova in Berlin und berichtet schon lange über die Alternative für Deutschland.

In Sachsen-Anhalt habe die AfD nun im Wesentlichen drei Optionen, ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund als Ministerpräsidenten wählen zu lassen und zu regieren:

  • Zusammenarbeit mit einer zweiten Fraktion im Landtag
    Die AfD versucht, alle Abgeordneten einer anderen Partei für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. "Ich glaube, das wird keinen Erfolg haben", sagt Nadine Lindner.
  • Suche nach einzelnen Überläufern im Parlament
    Einzelne Abgeordnete, insbesondere von CDU und BSW, könnten individuell bereit sein, mit der AfD zusammenzuarbeiten.
  • Duldungsmodell
    Eine Art von Duldung durch das BSW. Die BSW-Fraktion könnte sich im dritten Wahlgang enthalten und Ulrich Siegmund wäre dann zwar Ministerpräsident, hätte aber keine verlässliche Mehrheit für seine Gesetzesvorhaben.
"Für die AfD kann es schon attraktiv sein, hier zu regieren, auch wenn die Mehrheiten wackelig sind."
Nadine Lindner, für Deutschlandfunk Nova in Berlin

Nadine Lindner geht davon aus, dass eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt als Erstes den Medienstaatsvertrag kündigen werde, eine restriktive Asylpolitik praktizieren und die NGO-Landschaft im Bundesland umkrempeln und bestehende Förderungen möglichst schnell beenden werde. Die Pläne finden sich detaillierter im 100-Tage-Programm der Partei.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Sachsen-Anhalt
Warum Tim (23) AfD gewählt hat
vom 07. September 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Nadine Lindner, für Deutschlandfunk Nova in Berlin
Gesprächspartner: 
Tim, AfD-Wähler aus Sachsen-Anhalt, 23-jährig und schwul