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Wir müssen künstliche Intelligenzen mit politischen Mitteln eingrenzen, sagt die Informatikerin Sarah Spiekermann. Zu groß sei die Gefahr, dass Tech-Produkte in absehbarer Zeit massenhaft Menschen manipulieren.

Künstliche Intelligenzen unterhöhlen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, davor warnen vierzehn Forschende mit einem Manifest. Sie schreiben wörtlich von Erosion. Den Text haben sie gemeinsam erarbeitet. Die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann gehört zu den Zeichnenden. Insbesondere die Automatisierung von Sprache durch täuschend menschenähnliche Systeme lasse sich in sehr weitreichendem Ausmaß zur Manipulation einsetzen, sagt sie beispielhaft für problematische Automatisierungstools.

Sie fordert gemeinsam mit den Mitzeichnenden, dass Europa und die USA politisch zusammenarbeiten sollten, um die Macht der Digital-Konzerne effektiv zu begrenzen. Zwar werden diese nicht namentlich genannt. Gemeint dürften mindestens Amazon, Apple, Facebook, Google, IBM und Microsoft sein. Sie haben sich bereits 2016 zu einer Artificial-Intelligence-Allianz zusammengeschlossen und sind für die KI-Forschung besonders relevant.

Manipulation von Wahlverhalten

Die Unternehmen versuchten menschliche Mimik, Gestik und Emotionalität zu entschlüsseln. Dabei sei die KI-Forschung der Techindustrie gefährlich intransparent. "Es müsste erlaubt sein, auch in die Forschung der Konzerne hineinzuschauen. Mit was für künstlichen Intelligenzen experimentieren die denn so?", fragt die Informatikerin.

Zwar sei das Interesse der Konzerne zunächst ökonomisch beziehungsweise werbend, faktisch lasse sich aber Wahlverhalten mit entsprechenden Maschinen ebenso beeinflussen wie das Konsumverhalten, sagt Sarah Spiekermann.

"Wir sehen überall auf der Welt die Manipulation von Wahlen, wo diese Maschinen und deren Algorithmen ausgenutzt werden. Das ist zum Beispiel demokratiegefährdend."
Sarah Spiekermann, Wirtschaftsinformatikerin, Wirtschaftsuniversität Wien

Umgekehrt liefen staatliche und supranationale Eingrenzungsversuche in die Leere. Immer wieder gelinge es den großen Tech-Konzernen, gesetzliche Regulierungsversuche effektiv zu verhindern. Als Beispiel nennt die Informatikerin die Vorschläge zur KI-Regulierung. Dabei seien die sogenannten sozialen Netzwerke von vornherein ausgeschlossen.

Wirkungslose Strafen

Die Diskussion über die Verstaatlichung von Tech-Konzernen sei durchaus berechtigt. In den USA wird sie seit etwa 2014 geführt. Mit Strafen, wie sie beispielsweise die EU-Kommission wiederholt verhängt hat, sei den Techkonzernen Google, Amazon und Co nicht beizukommen, ist Sarah Spielermann überzeugt. In dem Manifest fordern die Zeichnenden explizit eine effektive Besteuerung der quasi-monopolistischen Unternehmen.

"Diese Konzerne mit ein paar Millionen Strafe zu belegen, das funktioniert nicht, weil diese Beträge sie eben nicht interessieren."
Sarah Spiekermann, Wirtschaftsinformatikerin, Wirtschaftsuniversität Wien