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Der Sommer ist nicht gerade Bellas Lieblingsjahreszeit. Sie macht sich Gedanken, was sie anziehen soll und was andere davon halten könnten. Die Körper anderer zu kommentieren, gilt in unserer Gesellschaft als okay. Guttut uns das aber nicht.

Wenn Bella im Sommer vor ihrem Kleiderschrank steht, fragt sie sich manchmal, was das beste Outfit wäre. Welche Menschen werden dort sein, wo sie hingeht? Wie werden die auf sie reagieren? Eine kurze Hose zum Beispiel trägt sie sehr ungern.

Sie hat Angst vor abwertenden Blicken oder Kommentaren von anderen. "Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass ich konkret beleidigt worden bin. Aber man merkt schon, wenn getuschelt wird, wenn der Blick an einem hängen bleibt oder jemand schmunzelt. Das ist unangenehm und ich habe das Gefühl, ich falle irgendwie auf", sagt Bella.

"Es fühlt sich an, als ob die schlimme Sachen über mich denken und mir Charaktereigenschaften zuweisen, die nicht zu mir passen."
Bella, trägt im Sommer bestimmte Kleidung nicht, weil sie Sorge vor Kommentaren und Blicken von anderen hat

Der Sommer ist eine Jahreszeit, in der sie viel darüber nachdenkt, was sie anzieht und wohin sie geht. Orte wie das Freibad oder den Strand meidet Bella beispielsweise eher. Ihren Freund*innen fällt es teils schwer, das auf dem Schirm zu haben. "Ich glaube, Menschen, die selber noch nie stark übergewichtig waren, können nicht verstehen, wie es sich anfühlt und wissen auch nicht, wie weit die Tragweite von diesem Problem eigentlich ist", sagt sie.

Sie hat Sorge davor, ausgelacht zu werden, erzählt sie, oder dass Menschen ihr unterstellen, sie wäre undiszipliniert.

Ist Body Positivity vorbei?

Wie andere ihren Körper bewerten könnten, beschäftigt Bella. Die Gesellschaft hat ein Idealbild davon, wie ein Frauenkörper aussehen sollte. Das Körpergewicht wird dafür als ein Faktor benutzt. Auf Social Media ist aktuell Skinny Tok präsent. Ein Trend, der umstritten ist, weil er teilweise extreme Abnehmtipps und den Druck, dünn zu sein, verherrlicht. Um die Body-Positivity-Bewegung der vergangenen Jahre ist es hingegen eher ruhig geworden. Dabei ging es darum, alle Körperformen zu akzeptieren.

"Ich denke, dass das etwas mit den Abnehmmedikamenten zu tun hat, die mittlerweile seit einigen Jahren schon auf dem Markt sind", sagt Friedrich Schorb von der Uni Bremen. Er forscht unter anderem zu Gewichtsdiskriminierung und der Soziologie der Gesundheit.

Im Pro und Kontra über die Abnehmspritze gehe es auch um das Narrativ, dass damit alle abnehmen könnten. "Jetzt geht die Diskussion eher in die Richtung: Ihr habt quasi keine Ausrede mehr. Dann können wir uns das mit der Body Positivity auch sparen und wieder zurückkehren zum schlanken Schönheitsideal. Es wird hier niemand mehr diskriminiert", so Friedrich Schorb über die Debatte.

Körper anderer unkommentiert lassen

Die Körper anderer zu kommentieren, wird in unserer Gesellschaft weiterhin als in Ordnung wahrgenommen, sagt Claudia Luck-Sikorski von der SRH University in Gera. Sie ist Professorin für psychische Gesundheit und Psychotherapie und forscht zu Gewichtsstigmatisierung. "Es herrscht immer noch der Gedanke, dass jeder von uns für sein und ihr Körpergewicht selbst verantwortlich ist und dass das einfach zu regulieren sei", erklärt sie.

"Körperunzufriedenheit ist, glaube ich, ein Massenphänomen geworden."
Claudia Luck-Sikorski, Professorin für psychische Gesundheit und Psychotherapie, SRH University Gera

Hinzukommt, dass wir uns besonders durch Social Media ununterbrochen mit anderen vergleichen können. Dadurch geht es auch um die Frage, wie zufrieden wir mit unserem Körper sind. "Wahrscheinlich ist die Gesamtgesellschaft insgesamt unzufriedener mit dem eigenen Körper. Mädchen fangen heute mit 12, 14 Jahren an, die ersten Diäten zu machen. Das ist alles ein Produkt dieser Körperunzufriedenheit", sagt sie.

Wie wir über unseren Körper reden, habe auch eine Vorbildfunktion für andere – besonders zeige sich das bei Eltern, die über ihren Körper vor ihren Kinder sprechen. Hier kann es helfen, den eigenen Körper nicht zu kommentieren.

Rausgehen – trotz Unzufriedenheit

Und dann geht es darum, trotz der Unzufriedenheit rauszugehen und Dinge zu machen. "Auch wenn das paradox klingt: Man muss immer wieder auch die guten Erfahrungen machen, wenn man draußen war und diese Blicke nicht bekommen hat oder noch mal überprüft, ob die Blicke wirklich da sind", erklärt Claudia Luck-Sikorski.

Protagonistin Bella steht im Park vor einem Baum und lächelt in die Kamera.
© privat

Bella hat es geholfen, auf Social Media Frauen zu folgen, die eine ähnliche Körperform haben wie sie. Zu sehen, wie sie sich kleiden und wie selbstbewusst sie sich dort zeigen, das hat ihr gutgetan. Mittlerweile ist sie mutiger geworden und zieht häufiger das an, worauf sie Lust hat. Bella wünscht sich, dass es ihr mehr und mehr egal wird, was andere über sie denken könnten. Das ist ein Prozess, sagt Bella.

In der Podcast-Folge geht Claudia Luck-Sikorski, Professorin für psychische Gesundheit und Psychotherapie, noch mehr darauf ein, welche psychischen Folgen die Stigmatisierung für mehrgewichtige Menschen haben kann. Klickt dafür oben auf den Play-Button.

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Shownotes
Sommeroutfit
Wie werden uns die Blicke der anderen egal?
vom 29. Juni 2026
Gesprächspartnerin: 
Bella, trägt im Sommer bestimmte Kleidung nicht, weil sie Sorge vor Kommentaren und Blicken von anderen hat
Gesprächspartner: 
Friedrich Schorb, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Bremen
Gesprächspartnerin: 
Claudia Luck-Sikorski, Professorin für psychische Gesundheit und Psychotherapie, SRH University Gera
Autor und Host: 
Przemek Żuk
Redaktion: 
Anton Stanislawski, Anne Bohlmann, Yevgeniya Shcherbakova, Christian Schmitt
Produktion: 
Hermann Leppich
Quellen: