Was die Spotify-Charts über das Musikjahr 2017 sagen - und was nicht.

Zeit für einen musikalischen Jahresrückblick. Spotify sagt von sich selbst, der weltweit größte Streaming-Anbieter zu sein, mit mehr als 140 Millionen aktiven Nutzern und über 60 Millionen Abonnenten. Jetzt hat Spotify geguckt, welche Künstler und Bands am meisten gestreamt wurden. Und ganz vorne liegt Ed Sheeran. Und das in allen großen Kategorien: Song, Künstler und Album - und weltweit sowieso. 

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In Deutschland ist neben dem unvermeidlichen Ed Sheeran auf Platz eins viel Deutschrap vertreten. Bonez MC und Raf Camora wurden viel gestreamt. Und auch Kollegah ist in den Top 5, ebenso wie das EDM-Duo The Chainsmokers. Auch bei den Alben dominiert Deutschrap in den Spotify-Charts. Etwa Bonez MC und RAF Camora mit "Palmen aus Plastik" - ein Album aus dem vergangenen Jahr. Außerdem ist die 187 Straßenbande vertreten.

Taylor Swift kam zu spät

Frauen? Spielen keine Rolle in der Top 5

Bei den Künstlerinnen wurde Sia am häufigsten gestreamt. Außerdem noch Rihanna, Selena Gomez, Dua Lipa und Nicki Minaj. Ansonsten fällt aber auf: Künstlerinnen spielen keine Rolle in den Top-5–Listen. Nur bei den Singles hat es Nicki Minaj als Feature von Jason Derulo mit "Swalla" auf Platz  5 geschafft. Eine mögliche Erklärung: Es gab in diesem Jahr wenige ganz große Veröffentlichungen weiblicher Superstars. 

Rihanna, Sia oder Beyoncé haben kein neues Album herausgebracht. Das Album von Katy Perry war eine Enttäuschung und Taylor Swift - bekanntlich mit Spotify auf Kriegsfuß - hat ihr neues Album zu spät im Jahr veröffentlicht. In den offiziellen Single-Charts stand Anfang des Jahres für zwei Wochen die Pop-Band Clean Bandit auf Platz eins. Danach hat das keine Künstlerin mehr geschafft – weder solo noch als Feature.

Streaming-Charts und deutsche Charts gleichen sich an

Die Streaming-Charts von Spotify und die deutschen Charts gleichen sich unterdessen immer mehr an. Wobei dabei noch ein bisschen zwischen Songs und Alben unterschieden werden muss. In den Top 5 stehen bei Spotify Songs, die auch in den Charts hoch und lange vertreten waren oder sind. Dabei die üblichen Verdächtigen wie Despacito oder Ed Sheeran. Außerdem sind der Rapper French Montana, Jason Derulo mit Nicki Minaj und das EDM-Duo Axwell and Ingrosso vertreten - alles typische Mainstream-Radio-Hits. 

Dass sich die Singles in den Charts und bei Spotify so gleichen, liegt auch daran, welche Rolle Streaming bei der Zusammensetzung der Charts spielt, sagt Hans Schmucker, Pressesprecher der GFK Entertainment, die die offiziellen deutschen Charts ermittelt. In den Single-Charts mache Streaming mittlerweile drei Viertel des Umsatzes aus. Die restlichen 25 Prozent bei den Singles seien Downloads.

"Physische Produkte, also zum Beispiel Maxi-CDs, spielen bei den Single-Charts eigentlich keine Rolle mehr. Bei den Album-Charts ist das ganz anders. Da machen physische Produkte, also CDs, Musik DVDs, BlueRays, Vinyls und so weiter, immer noch 75 Prozent aus."
Hans Schmucker, Pressesprecher der GFK Entertainment

Ein Grund, dass das bei den Alben anders ist, könnte sein, dass in die Berechnung der offiziellen Charts nur Streams einberechnet werden, für die User gezahlt haben - denn die offiziellen deutschen Charts werden nach Umsatz berechnet. Das Album von Raf Camora und Bonez MC hat in den offiziellen deutschen Charts dieses Jahr also nicht so eine große Rolle gespielt, wurde aber häufig gestreamt. Eine mögliche Erklärung: Die Streams wurden von kostenlosen Accounts generiert.