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To-do-Listen, Multitasking, der Overload im Alltag ist groß. Umso wichtiger ist es, dem Gehirn eine Alternative zu bieten, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck und erklärt, warum das beim Stricken, Ausmalen oder Kochen besonders gut geht.

Acht von zehn Entspannungspunkten gibt Henning Beck dem Stricken. Es könnte also einen Gedanken wert sein, sich dieses Hobby mal vorzuknöpfen – und das nicht, weil am Ende vielleicht ein warmer Schal oder (wenn man gut ist) Kuschelsocken bei herumkommen. Dem Gehirn ist das Ergebnis egal.

Entspannung als Clou für bessere Konzentration

Es geht um den Prozess, sagt der Neurowissenschaftler. Denn beim Stricken seien dieselben Hirnregionen aktiv wie beim Tagträumen. Es ist also das Gegenteil zur Konzentration, die viel Aufwand erfordert.

"Beim Stricken konzentriert man sich nicht auf die eine Aufgabe, sondern schweift gedanklich umher. Das hat eine entspannende Wirkung."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Wer jedoch nicht stricken oder häkeln kann, muss es also erst einmal lernen. Dafür, erklärt Henning Beck, müsse das Gehirn zunächst einen zusätzlichen Aufwand betreiben, was anstrengend sei.

Gehirn unterscheidet zwischen Routine und Fokus

Sobald aber die Tätigkeit verinnerlicht ist, schaltet der Kopf auf Autopilot. Die Signale dafür werden an andere Bereiche im Gehirn ausgelagert. Beim Ausführen der Aufgabe muss man sich nicht mehr fokussieren, der für die Konzentration zuständige Bereich des Gehirns entspannt.

"Das Kontrollnetzwerk, das im Stirnbereich liegt, ist für die Fokussierung zuständig. Ist ein Ablauf verinnerlich, lagert das Gehirn die Steuerung an Hirnregionen aus, die unterbewusst arbeiten."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Input und Leerlauf sollten sich abwechseln

Zugute komme Stricken auf jeden Fall denen, die im Alltag vielen Informationen und Nachrichten ausgesetzt sind, meint Henning Beck. Sich solche Auszeiten bewusst zu nehmen, sei außerdem besonders wichtig, um neuen Input zu verarbeiten. Denn tatsächlich ordneten sich neue Informationen erst, wenn man eine Aufgabe weglegt und der Stresslevel sinkt.

"Bei Meditation werden Hirnregionen aktiviert, die fürs Fokussieren zuständig sind. Meditieren funktioniert neurowissenschaftlich genau gegensätzlich zu Routinehobbys wie Stricken."
Henning Beck, Neurowissenschaftler
Wer nun aber fürchtet, auf seine eh schon volle To-do-Liste "stricken lernen" draufschreiben zu müssen, dem kann Hennig Beck Entwarnung geben. "Es muss nicht unbedingt Stricken sein, sondern Papierflieger falten, Blumengießen oder auch Kochen." Nur ein Hauptkriterium sollte das Anti-Stress-Hobby erfüllen: die Möglichkeit, Gedanken schweifen zu lassen.