Ungeschminkt zum Date? Für Lara war das zeitweise schlimmer als sich auszuziehen. Akne kann viel mehr belasten als "nur" die Haut. Was ihr geholfen hat, mit schlechten Tagen umzugehen, und warum die Psyche dabei so wichtig ist.
Lara ist 13, als ihre Hautprobleme anfangen. Gesicht, Rücken, Dekolleté – überall Pickel. Irgendwann ist klar: Das ist keine kurze Phase in der Pubertät, das sind nicht einfach nur Pickel, das ist eine richtige Akne.
Mit 15 bekommt sie die Pille verschrieben, ihre Haut wird besser. Als sie sie acht Jahre später absetzt, kommt die Akne zurück. Heftig. Lara beschreibt ihre Haut damals als "Kraterlandschaft".
Heute ist sie Anfang 20. Es gibt bessere Tage, aber eben auch Tage, an denen die Haut schon morgens quasi das Denken übernimmt. Ein Blick in den Spiegel reicht.
"Also es fängt an, wenn man morgens aufsteht, in den Spiegel guckt und sich denkt: Boah, schon wieder 15 neue Entzündungen. Und egal, was man macht, gerade auch beim Essen, bewegt man sich immer wieder in so einem Kreis."
Das geht weit über die Frage hinaus, ob sie sich gerade schön findet. Lara beobachtet beim Essen, ob sich ihre Haut verändert. Beim Ausgehen denkt sie darüber nach, ob Alkohol die Akne verschlechtern könnte. Besonders stark hat sie die Unsicherheit beim Dating gespürt. Zeitweise, sagt sie, wäre es für sie leichter gewesen, sich vor jemandem komplett auszuziehen, als sich abzuschminken.
Akne hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun
Wer Akne hat, hat sich nicht falsch gewaschen oder zu wenig um seine Haut gekümmert – trotzdem hält sich dieses Vorurteil hartnäckig. Die Dermatologin Claudia Borelli erklärt, dass oft mehrere Faktoren zusammenspielen.
"Akne ist schon auch genetisch bedingt, aber dann kommen noch weitere Faktoren hinzu."
So kann das Risiko für Akne vererbt werden. Auch bestimmte Bakterien oder eine Verhornungsstörung können dazu beitragen, dass sich die Haut entzündet. Und die Lebensphase spielt eine Rolle.
Besonders häufig tritt Akne während der Pubertät oder in den Wechseljahren auf, also in Zeiten, in denen sich der Körper hormonell umstellt. Bei manchen verschwindet sie irgendwann von selbst, andere brauchen eine gezielte Behandlung – auch, damit möglichst keine Narben zurückbleiben.
Was tun?
Waschlotionen, Cremes und Medikamente können helfen. Auch Ernährung kann eine Rolle spielen. Lange sei deren Einfluss unterschätzt worden, sagt die Dermatologin. Mittlerweile gebe es Hinweise darauf, dass eine geeignete Ernährung Entzündungsprozesse und damit auch Akne beeinflussen kann.
Lara beobachtet deshalb ebenfalls, was ihr guttut. Gleichzeitig will sie ihre Haut nicht mehr jeden Tag zum Maßstab dafür machen, wie sie sich fühlt. Sie versucht, ungeschminkt einkaufen zu gehen oder Freunde zu treffen. Gerade bei Menschen, denen sie vertraut, erlebt sie dabei: Niemand behandelt sie deshalb plötzlich anders.
"Oft hilft es, darüber zu reden und es dann auch ein Stück weit zu akzeptieren, dass man halt einfach keine perfekte Haut hat."
Ein wichtiger Schritt für Lara war, überhaupt darüber zu sprechen. Freunden erklärt sie zum Beispiel, warum ihre Skincare abends länger dauert oder warum sie an manchen Tagen mit ihrer Haut hadert.
Keine ungefragten Tipps
Was dagegen wenig hilft, sind unerbetene Ratschläge. Peeling, Ernährung, irgendeine neue Creme – Menschen mit Akne haben vieles davon meist längst gehört oder ausprobiert. Lara wünscht sich deshalb etwas ziemlich Einfaches: Wenn sie nicht selbst nach einer Meinung zu ihrer Haut fragt, dann will sie auch keine bekommen.
Sie hat außerdem ihren Social-Media-Feed verändert. Zwischen makellosen Gesichtern lässt sie sich bewusst mehr Akne-Content anzeigen. Das hilft ihr, ihre eigene Haut nicht ständig als Ausnahme wahrzunehmen.
Spotlight-Effekt durch den eigenen Fokus auf die Akne
Wie stark Akne die Psyche beeinflussen kann, erlebt auch Judith Bahmer in ihrer Arbeit. Die Psychotherapeutin begleitet Menschen mit Hauterkrankungen therapeutisch. Ein Problem für die Betroffenen sei: Wer jeden Morgen genau auf die eigene Haut schaut, überschätzt schnell, wie stark andere Menschen ebenfalls darauf achten.
Die Therapeutin rät dazu, sich die eigene Person bewusst von der Hautveränderung abzugrenzen: "Ich habe diese Hautveränderungen, aber ich bin das nicht." - dieser Satz könne helfen, den Fokus wieder etwas zu verschieben. Auch weniger Spiegelkontrolle kann sinnvoll sein, ergänzt sie.
"Man kann auch schauen, dass man vielleicht im Badezimmer erst mal die Vergrößerungsspiegel verbannt oder charmantes Licht anmacht, sodass man seine Stärken betont."
Judith Bahmer empfiehlt außerdem, die Zeit vor dem Spiegel bewusst zu begrenzen und nicht ständig nach neuen Akne-Stellen zu suchen. Auch sollte man Entzündungen möglichst nicht selbst manipulieren, denn die daraus entstehenden Narben können länger bleiben als die eigentliche Entzündung.
Bei wem die Akne dazu führt, dass sich jemand sozial zurückzieht, dauerhaft niedergeschlagen ist oder dass Dinge keinen Spaß mehr machen, der oder die sollte sich neben der dermatologischen am besten auch psychotherapeutische Unterstützung suchen.
An schlechten Hauttagen können auch vertraute Menschen helfen. Lara spricht mit ihren Freunden offen darüber, wenn ihre Akne sie gerade belastet. Sie hat außerdem angefangen, sich ihnen bewusst ungeschminkt zu zeigen – in dem Wissen, dass sie dort Unterstützung bekommt und ihre Haut nicht bewertet wird.
Und bei all dem kann ein Gedanke helfen, den auch Judith Bahmer ihren Patientinnen und Patienten mitgibt: Die Akne kann viel Raum einnehmen, aber sie macht nicht die ganze Person aus. Oder kurz gesagt: Ich bin nicht nur meine Haut.
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