Es wird jeden Tag dunkler und grauer und dazu steht noch Halloween vor der Tür: Warum stehen wir eigentlich so sehr auf Vermisstenfälle, True Crime-Podcasts und Gruselgeschichten? Darüber sprechen wir in der Ab 21!

Obwohl sie Angst im Dunkeln hat und nach manchen Geschichten kaum schlafen kann, liebt Sängerin Madeline Juno True Crime. "Ich habe einen wahnsinnigen Hang zu allem, was mir Gänsehaut auf die Haut bringt." Über Kriminalfälle und Übernatürliches spricht sie auch in ihrem Podcast Behind Closed Doors.

Egal ob es der Fall des US-Serienmörders Ted Bundy in den siebziger Jahren ist oder das Verschwinden der damals vierjährigen Maddie McCann 2007 – Informationen und Geschichten darüber saugt die Sängerin wie ein Schwamm auf. Sobald sie sich in einen dieser Fälle hineingesteigert hat, versucht sie alles darüber zu erfahren. "Der Kopf macht da mehr auf, weil es echte Menschen sind. Das nimmt einen anders mit als Fiktion."

"True Crime ist auch mehr als Entertainment, das sind echte Menschen und das vergisst man oft."
Madeline Juno, Sängerin und True Crime-Fan

Obwohl gerade der gruseligste Feiertag des Jahres ansteht, wird Madeline ihn nicht so feiern können, wie sie möchte. Halloween ganz ausfallen zu lassen, kommt für sie und ihre Freundinnen und Freunde allerdings auch nicht infrage: "Vielleicht verkleiden wir uns, treffen uns in einem Zoom-Call und gucken einen Horror-Film."

Alle Vermisstenfälle können rational erklärt werden – manchmal fehlen nur Beweise

Obwohl Kriminalpsychologin Lydia Benecke großes persönliches Interesse an ungelösten Vermisstenfällen hat, kann sie Verschwörungsmythen darum überhaupt nichts abgewinnen. Sie sagt, für alle Fälle gebe es eine rationale Erklärung: "Es gibt oft sehr plausible Hypothesen, die vielleicht nicht klar zu belegen sind – aber es gibt keine Fälle, die völlig ohne logische Erklärung dastehen."

"Manchmal ist weniger mehr: Fakten verbreiten ist gut, Spekulationen zu streuen halte ich für nicht so hilfreich."
Lydia Benecke, Kriminalpsychologin

Was wissen wir über True Crime?

  • True Crime beschäftigt sich mit realen Kriminalfällen zum Beispiel in Form von Büchern, Podcasts oder TV-Serien. Das unterscheidet das Genre von fiktionalen Kriminalserien.
  • Den aktuellen Hype um True Crime-Serien hat der Podcast Serial ausgelöst, der im Oktober 2014 an den Start gegangen ist. Dabei geht es um einen Mord an der Schülerin einer Highschool in Baltimore.
  • Trotzdem interessieren wir uns nicht erst seit ein paar Jahren für reale Kriminalgeschichten. In den USA gibt es schon seit 1928 das Magazin "True Detective", das sich wahren Kriminalfällen widmet, weiß Krimi-Experin Sonja Hartl.
  • True Crime wird zum Großteil von Frauen konsumiert: Zum Beispiel sind 81 Prozent der Abonnentinnen von Stern Crime, der auflagenstärksten Crime-Zeitschrift in Deutschland, Frauen. Auch Podcasts des Genres werden eher von Frauen gehört – verlässliche wissenschaftliche Untersuchungen und Erklärungen warum Frauen so gern True Crime konsumieren, gibt es allerdings noch nicht.