Ihr in Teilen zerfetztes Gesicht nach einem Angriff im Spiegel zu sehen, kann für ukrainische Soldaten ein schwerer Schock sein. Ihr Umfeld reagiert zudem oft abweisend. Spezielle Gesichtsprothesen können den Verletzten ein bisschen Lebensqualität zurückgeben.
Ukrainischen Sodaten, die im Krieg Arme und oder Beine verloren haben, begegnen andere in der Regel mit Respekt. Anders ist das bei Menschen mit Verletzungen im Gesicht. Auf die entstellten Gesichter reagierten viele so, als ob diese Menschen eine Art Monster seien, sagt unsere Osteuropa-Korrespondentin Sabine Adler.
"Bei den im Gesicht verletzten Soldaten schaut man weg und vermeidet, sie anzusehen."
Durch den Einsatz von Drohnen im russischen Angriffskrieg steigt die Gefahr für die Soldaten immens: Denn die Drohnen kommen viel näher an die Menschen heran und haben sie genau im Visier. Wer durch Schüsse oder Granatensplitter im Gesicht verletzt wird, muss beim ersten Blick in den Spiegel auf das Schlimmste gefasst sein.
Nasen aus Silikon, Schädelknochen aus Titan
Der Schock sitzt oft sehr tief und nicht selten haben die Verletzen Suizidgedanken, berichtet Sabine Adler. Sie brauchen zum Beispiel Hilfe bei der Ernährung mit flüsssiger Nahrung, aber auch seelische Unterstützung von geschulten Therapeuten, um solche Wunden überhaupt überleben zu können.
"Die Drohnen haben die Soldaten genau im Visier: Die Folge ist, dass sie viel schwerer im Gesicht verletzt und regelrecht entstellt werden."
Rund zehn Prozent der Kriegsverletzungen im Ukraine-Krieg sind inzwischen Gesichtsverleztungen, sagt unsere Korrespondentin. Sie hat unter anderem mit Andrej gesprochen, einem 31-jährigen – beim Kampfeinsatz erblindeten – ukrainischen Soldaten aus der Region Donezk ganz im Osten der Ukraine. Andrej hat bereits zehn Operatione hinter sich – sehr aufwendige und lange Operationen, die teilweise acht bis 13 Stunden dauerten.
Helfer haben Sabine Adler auch von einem Mann berichtet, der bereits 55 Operationen überstanden hat.
Gesichtsverletzungen machen den Verletzten oft mehr zu schaffen als Amputationen
Die Augenprothese, die Andrej trägt, sieht sehr echt aus, sagt unsere Korrespondentin. Sie hat Wimpern, Augenbrauen und sei wirklich gut gemacht. Das liegt vor allem daran, dass sich Computerspezialisten inzwischen darauf spezialisiert haben, fehlende Gesichtsteile am Computer zu rekonstruieren.
Dafür erhalten sie zunächst Computertomographien und Röntgenbilder von den verletzten Soldaten. Am Computer modellieren sie dann die Teile des Knochens, die ersetzt werden sollen. Diese werden mithilfe von 3D-Druckern aus Titan produziert. Sabine Adler hat eine Firma in Kiew besucht, die Ohren, Nasen und Augen aus Silikon und Schädelknochen aus Titan herstellt.
Auch wenn Andrej seine Prothese trägt: Er fände es besser, die Schrecken des Krieges nicht zu verbergen, sondern offen zu zeigen, hat er unserer Korrespondentin erzählt.
"Das ist eine Odyssee von Operationen. Mir haben Helfer erzählt, dass sie einen Mann unter ständiger Betreuung haben, der 55 Operationen hinter sich hat."
Unser Korrespondentin hat auch mit Valentina Kalinowska gesprochen. Die Ärztin arbeitet für die Hilfsorganisation "Ärzte für die Helden", eine Initiative, die insbesondere im Gesicht verletzte Soldaten unterstützt – zum Beispiel, indem sie diejenigen, die nicht selbstständig essen können, versorgt, oder auch Reha-Patienten wie dem erblindeten Andrej hilft, sich im Alltag zurechtzufinden.
Die Exoprothesen helfen den Patienten dabei, ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen und so weit wie möglich in den Alltag zurückzukehren. Sie geben ihnen ein wenig Sicherheit zurück und bewahren sie davor, von anderen wegen ihres Aussehens ausgegrenzt zu werden.
Info:
Unser Bild oben zeigt die Exoprothetikerin Taisiya Yarova im März 2026 im Rehabilitationszentrum "Unbroken" in Lwiw/Lemberg (Ukraine). Sie fertigt Augenprothesen, Fingerprothesen und Gesichtsprothesen an, die am Körper des Patienten befestigt werden und das natürliche Aussehen verlorener oder beschädigter Körperteile nachahmen.
Taisiya Yarova verfügt über eine künstlerische und medizinische Ausbildung, was ihr bei ihrer Arbeit hilft. Viele ihrer Angehörigen waren im Krieg, ihr Neffe starb während eines Kampfeinsatzes. Ihre Arbeit ist nun ihre Mission und gibt ihr Kraft.
