Militärischer Drill als Besucherattraktion: Eine israelische "Akademie für Anti-Terrorkampf" bietet Workshops für Touristen an. Die Teilnehmer dürfen mit echten Waffen und scharfer Munition Soldaten spielen. Im Eintritt inbegriffen: ein Sicherheitstraining, Liegestütze und das Schießen auf "Terroristen". 

Die jüdische Siedlung Efrat im Westjordanland: Auf einem Schießplatz, umgeben von hohen Steinmauern, steht Eitan Cohen und hält eine Ansprache vor Besuchern. Cohen war Soldat in Eliteeinheiten der israelischen Armee. Heute arbeitet er bei Calibre 3. Die private "Akademie für Anti-Terrorkampf" bildet Wachleute und Polizeieinheiten aus anderen Staaten aus. Und sie bietet Programme für Touristen an.

"Wir wollen euch vor allem jüdischen Stolz zeigen, wo wir vor 75 Jahren waren und wo wir heute sind."
Eitan Cohen, Trainer bei Caliber 3

Eine jüdisch-orthodoxe Familie aus New York und eine Familie aus Argentinien mit ihren beiden Teenager-Töchtern und einem 6-jährigen Sohn haben den Schießkurs gebucht. Nach einem Sicherheitstraining dürfen sie an die Waffen. Wer unter 18 Jahre alt ist, bekommt Paintball-Gewehre, alle anderen werden mit echten Waffen und scharfer Munition ausgestattet. Aufgeteilt in drei Gruppen wird geübt.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Calibre 3 liegt auf einem Hügel das palästinensische Dorf Umm Salamuna. Dort fühlt man sich vom ständigen Geballer auf dem Schießplatz bedroht, sagt Bürgermeister  Mahmoud Abu Rasheed. Der Lärm sei noch in den Häusern zu hören und die Bewohner hätten Angst, dass mal eine Kugel daneben ginge.

"Ich kann verstehen, dass Soldaten trainiert werden müssen, Waffen zu benutzen und zu töten. Aber ich kann nicht verstehen, dass Zivilisten in diese Gegend kommen und lernen, wie man auf Menschen schießt. Das ist Gewalt."
Mahmoud Abu Rasheed, Bürgermeister von Umm Salamuna

Auf dem Schießplatz der "Akademie für Anti-Terrorkampf" liefern sich die Kursteilnehmer zum Abschluss einen Wettbewerb: Laufen, Liegestützen, im Kreis drehen und auf Papp-Terroristen schießen. Dazu läuft "Eye of the Tiger" im Hintergrund.

"Ich habe mich sehr mächtig gefühlt und mit einer Verantwortung. Wenn ich nicht aufgepasst hätte, hätte ich jemanden töten können. Es war toll, auch wenn es in einem echten Kampf natürlich anders ist als hier."
Lola, 16 Jahre alt, Teilnehmerin