Zyklus-Tracking-Apps sind Programme, mit denen Frauen ihren Menstruationszyklus protokollieren können. Die App errechnet dann, wann die nächste Periode ansteht - oder sogar der Eisprung. Schätzungen zufolge nutzen weltweit rund 100 Millionen Frauen solche Apps. Dabei geben einige App-Anbieter Daten an Dritte weiter.

Die NGO Privacy International hat ihre Recherche zu Zyklus-Tracking-Apps Ende 2019 auf dem Chaos Communication Congress vorgestellt, Europas größer Hackerkonferenz. Die Netzaktivistin der NGO, Eva Blum-Dumontet, sagt, dass die Apps wissen wollen, ob die Userinnen versuchen, schwanger zu werden. Weil sich dadurch Kaufgewohnheiten verändern, sei das die beste Zeit für Werbetreibende.

"Was die Zyklus-Apps am meisten interessiert ist, ob du versuchst schwanger zu werden. Das ist die Zeit, wo sich deine Kaufgewohnheiten verändert. Für Werbetreibende ist das die Spitzenzeit."
Eva Blum-Dumontet, Netz-Aktivistin, Privacy International

Die NGO hat den Datenverkehr von vielen dieser Apps untersucht und herausgefunden, dass viele die Daten, die Nutzerinnen eingegeben haben, mit Facebook und anderen Unternehmen teilen. Dabei geht es nicht nur um Menstruationsdaten, also wann geht die Periode los und wann hört sie auf, sondern auch um Daten zum Sexleben, zur Stimmung oder dem Lifestyle. Wie oft hat man Sex, hat man verhütet oder nicht, masturbiert, gefeiert, geraucht, Alkohol getrunken und so weiter. Auch Emotionen können getrackt werden, ob man nervös ist, entspannt, verärgert.

Das sind alles Informationen, die interessant sind, wenn man seinen Zyklus beobachten möchte. Aber das Zynische daran ist, dass die Unternehmen die Daten nutzen, um Profile der Kundinnen herzustellen, um gezielte Werbung zu schalten, sagt Aktivistin Eva Blum-Dumontet.

Daten von Schwangeren sind viel Geld wert

Eine US-Studie von 2014 hat den Wert der Daten von Schwangeren im Vergleich gemessen und kommt auf 1,50 Dollar - der Datensatz von Nicht-Schwangeren liegt bei 10 Cent. Deshalb ist die Antwort auf die Frage, ob die Userin ein Kind haben möchte, den viele der Zyklus-Tracking-Apps am Anfang stellen, eine sehr wertvolle Information.

Als Alternative zu diesen Datensammelbecken geht es in Eine Stunde Liebe auch um die Open-Source-Menstruationsapp Drip, die in Berlin entwickelt wird.

"Datenschutz ist uns sehr wichtig. Wir wollen eine App, die offline funktioniert, die sich nicht mit Servern synchronisiert und verschlüsselt werden kann. Dazu sind wir transparent: Alles was wir erarbeitet haben, jeden Software-Code, kann man im Internet nachlesen."
Marie Kochsiek, Software-Entwicklerin vom Berliner Bloody Health Collecitve

Im Liebestagebuch erzählt Sophie, wie sie mit ihrem Freund nach langer Fernbeziehung endlich zusammenziehen.