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Judäa als römische Provinz mit Zensus und Steuern? Der Bar-Kochba-Aufstand richtete sich gewaltsam gegen die römische Besatzung – und endete mit einer Niederlage. Danach begann eine weitere Welle der Auswanderung.

Im letzten vorchristlichen Jahrhundert expandierte das Imperium Romanum in der Region des heutigen Nahen und Mittleren Ostens stark. 63 v. Chr. beendete der römische Feldherr Pompeius die Herrschaft des letzten Seleukidenkönigs und machte Syria zu einer römischen Provinz.

Verehrung für den Kaiser erwünscht

Gleichzeitig wurde das Gebiet an der Levante neu geordnet: Judäa geriet unter römischen Einfluss und wurde später unter Herodes dem Großen ein von Rom abhängiges Klientelkönigtum. Rom erhob Steuern und Zölle – und forderte später sogar die Anbetung von Kaiserstandbildern. Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld hat sich mit der römischen Herrschaft im heutigen Nahen und Mittleren Osten befasst.

"Wir blicken jetzt auf einen Konflikt um das gelobte Land – so wurde es von vielen bezeichnet – der bis heute andauert."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Die unerwünschte Abhängigkeit von Rom führten 66 n. Chr. zum Jüdischen Krieg, an dessen Ende der Jerusalemer Tempel bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Die Klagemauer, heute ein wichtiger Ort des Gebets, war ein Teil dieses Tempels.

Klagemauer in Jerusalem
© dpa
Die Klagemauer in Jerusalem, im Hintergrund der islamische Felsendom

Durch die Zerstörung des Tempels wurde auch das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zum Imperium Romanum ruiniert. 132 n. Chr. mündete dieser Widerstand im Bar-Kochba-Aufstand. Deutschlandfunk Nova-Reporterin Nadine Kreuzahler schildert eine der Schlachten des Bar-Kochba-Aufstands gegen die Römer.

"Was man sicher sagen kann, ist, dass es zu einer Verschlechterung zwischen dem römischen Präfekten Judäas und den jüdischen Entscheidungsträgern in Jerusalem kam."
René Bloch, Judaist, Universität Bern

Der Schweizer Judaist René Bloch von der Universität Bern setzt sich mit dem Verhältnis zwischen der jüdischen Bevölkerung und der römischen Herrschaft auseinander. "Wie es genau zum jüdisch-römischen Krieg gekommen ist, ist in der Forschung recht heftig umstritten", sagt er.

Die Zeloten, eine Art paramilitärische Widerstandsbewegung

Im jüdisch-römischen Verhältnis spielten offenbar die sogenannten Zeloten eine besondere Rolle. Heute würde diese Gruppe als paramilitärische Widerstandsbewegung bezeichnet.

"Wichtig ist zu wissen, dass die jüdische Diaspora nicht mit dem jüdisch-römischen Krieg beginnt, wie man häufig noch liest und hört."
René Bloch, Judaist, Universität Bern

Im Mittelpunkt des Aufstands gegen das Römische Reich unter Kaiser Hadrian stand Simon bar Kochba (aramäisch für "Sohn des Sterns"). Manche sahen in ihm einen Messias, der das jüdische Volk vom Joch der Unterdrückung befreien könnte. Klaus Dorn hat lange am Katholisch-Theologischen Seminar der Philipps-Universität Marburg gelehrt und über Simon bar Kochba und die Geschichte Israels gearbeitet und publiziert.

"Den Rebellenstaat gab es tatsächlich, er dauerte von 132 bis 135. Bar Kochba ließ Münzen auf seinen Namen prägen."
Klaus Dorn, Theologe, Katholisch-Theologisches Seminar, Philipps-Universität Marburg

Schließlich geht Birgit Klein auf die Diaspora ein, die es schon seit der "babylonischen Gefangenschaft" Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus gab.

Juden durften Jerusalem nicht mehr betreten

Nach dem Ende des Bar-Kochba-Aufstands 136 erließen die Römer ein Verbot, nach dem Juden Jerusalem nicht mehr betreten durften. Birgit Klein ist Rabbinerin und Professorin für jüdische Geschichte an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg.

"Der Wunsch, den Tempel wieder aufzubauen, war jetzt endgültig zerschlagen. Damit war zwangsläufig verbunden, dass Juden und Jüdinnen ein neues Zentrum entwickeln mussten."
Birgit Klein, Rabbinerin und Professorin für jüdische Geschichte, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Unser Bild zeigt die Ruinen der Festung Masada nahe der östlichen Grenze Israels. Sie ist bis heute eine touristische Attraktion. In der Antike verteidigten sich hier jüdische Zeloten gegen römische Angreifer.

Kontakt

E-Mail: history@deutschlandfunknova.de

Shownotes
132 n. Chr.
Der Bar-Kochba-Aufstand und die jüdische Diaspora
vom 07. August 2026
Moderation: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
Gesprächspartner: 
René Bloch, Professor für Judaistik am Institut für Judaistik und am Institut für Klassische Philologie, Universität Bern
Gesprächspartner: 
Klaus Dorn, Theologe, Dozent für das Fach Biblische Einleitung, Katholisch-Theologisches Seminar, Philipps-Universität Marburg
Gesprächspartnerin: 
Birgit Klein, Rabbinerin und Professorin für jüdische Geschichte, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg
Beitragsautorin: 
Nadine Kreuzahler, Deutschlandfunk Nova-Reporterin
Redaktion: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Grit Eggerichs
  • Der Judaist René Bloch erklärt das Verhältnis zwischen der jüdischen Bevölkerung und der römischen Herrschaft
  • Nadine Kreuzahler schildert eine Schlacht des Bar-Kochba-Aufstands gegen die Römer
  • Der Theologe Klaus Dorn erläutert, wer Simon bar Kochba war
  • Die Professorin für jüdische Geschichte und Rabbinerin Birgit Klein spricht über die Geschichte der jüdischen Diaspora