Freundinnen treffen, Uni-Orga, Nebenjob, Beziehungspflege und Alltag. Timea fühlt sich oft vom Leben überfordert. Damit ist sie nicht alleine. Eine Professorin für Persönlichkeitspsychologie gibt Tipps, wie wir den Überblick behalten.
Timea ist Mitte 20 und studiert Grundschullehramt – das Examen ist in Sichtweite. Und sie spürt großen Druck, denn sie denkt, sie müsste mehr machen. Einerseits mehr für ihre angehende Karriere, und andererseits hat sie auch das Gefühl, dass ihr Leben so ein bisschen an ihr vorbeizieht. Der Überforderungsmodus kickt bei Timea so richtig, wenn sie abends nach Hause kommt und runterfährt.
"An der Uni ist man ja ein bisschen so wie selbstständig. Man könnte immer noch irgendwas nachbereiten, lernen. Man hat immer das Gefühl, nicht genug gemacht zu haben."
Gleichzeitig stehen dann auch noch die ganzen Alltagsaufgaben an: aufräumen, putzen, kochen, essen. "Und dann hat man aber gefühlt nur noch zwei Stunden Zeit, bis man schon schlafen müsste und weiß schon von vornherein, das funktioniert alles nicht. Und dann ist es vor allem so, dass ich dann tausend Sachen gleichzeitig anfange, aber dann nicht beende und dann eben diese Hektik spüre", sagt sie.
"Ich werde dann teilweise auch hektisch, kriege so nasse Hände oder auch ein flaues Gefühl in der Magengegend."
Und dann auch noch das Social Life: Sie hat eine Fernbeziehung und muss sich entscheiden zwischen Beziehungspflege oder Freunde treffen. "Verbringe ich jetzt das Wochenende bei meinem Freund, bin ich halt gar nicht in meiner Unistadt, wo ich ja meine meisten Freunde habe. Und dann habe ich die auch direkt wieder gar nicht gesehen", sagt Timea.
Diesen Stress spürt sie sogar körperlich, manchmal bekommt sie schwitzige Händen oder ein flaues Gefühl im Bauch. Sie spürt Verspannungen im Nacken und wenn sie lange aufs Handy schaut, dann sieht sie teilweise nur noch verschwommen. Timea sagt: "Ich merke teilweise, dass ich dann auch keinen Appetit habe, dass ich da nichts runter bekomme, nichts essen kann."
Bewegung hilft beim Abschalten
Timeas Körper sendet also Signale. Und die nimmt sie auch wahr. Sie sagt sagt, ein erster Schritt sei dann meist, dass Handy zur Seite zu legen. "Und gerade dann fällt es mir aber schwer, wenn ich dann komplett in so einer Stille bin, was ja eigentlich auch schon verrückt ist", sagt sie.
"Es ist ja auch ein doofer Gedanke, sich immer so auf das Danach zu freuen oder immer zu denken, wenn ich das und das erledigt habe, dann wird alles besser."
Um mit der Stille besser klarzukommen, hilft es ihr, wenn sie einen Podcast im Hintergrund laufen lässt, um sich dann auf die To-Dos zu konzentrieren. "Wenn ich mir wirklich mal Zeit nehme, versuche ich entweder spazieren zu gehen – also das bringt mich auch immer ganz gut runter, wenn es nur eine halbe Stunde ist – oder einfach mal Yoga machen. Also so leichte Bewegungstätigkeiten."
Überforderung einer ganzen Generation
Überforderung und Druck in vielen Bereichen des Lebens – mit diesem Problem ist Timea nicht alleine. Umfragen zeigen, dass das für viele Menschen der GenZ gilt. Gudrun Bolduan ist Karriereberaterin am LehrLernZentrum der Rhein-Main-Uni Wiesbaden und hat ein Buch über die GenZ im Arbeitsmarkt rausgegeben.
Sie sagt, dass auf dieser Generation besonders hohe Erwartungen lasten: "Gerade bei dem Thema Digitalisierung ist es natürlich so, dass die Arbeitgeber sich irgendwie wünschen, dass die Generation das halt automatisch kann, also mit KI umgehen. Aber natürlich ist ja die Frage, woher soll die das eigentlich automatisch können?", sagt Gudrun Bolduan.
"Da haben wir mit Umfragen halt auch festgestellt, dass man Karrierewege relativ klar wissen möchte."
Die GenZ hat auch den Anspruch, nicht nur irgendeinen Job zu machen, sondern eine Arbeit mit Sinn. Und dnn kommt noch hinzu, dass es das Bedürfnis gibt, schon weit in die Zukunft zu planen, sagt Gudrun Bolduan: "Man möchte wissen, wo steht man in den nächsten zwei Jahren. Das war bei den anderen Generationen komplett anders, dass man einfach erstmal gesagt hat: 'Okay, ich bin jetzt da, wo ich bin.'"
Weniger Kontrolle und Perfektionismus
Eva Asselmann ist Professorin für Persönlichkeitspsychologie an der HMU Health and Medical University in Potsdam und Autorin des Buches "Too Much – warum wir Kontrolle suchen und Kraft im Loslassen finden". Sie hat Tipps, um erst gar nicht in die Überforderung zu kommen. Oder zumindest um damit besser umzugehen. Zum Beispiel rät sie den Input zu begrenzen.
"Wirklich mal zu beobachten im Alltag, wie viel Zeit verplempere ich denn auf Social Media, wie häufig lasse ich mich von außen berieseln? Und dann das Handy mal in die Ecke legen oder auch Push-Up Nachrichten ausmachen."
Eva Asselmann sagt, es hilft, kleine Pausen einzubauen. Zum Beispiel vom Schreibtisch aufstehen, ans Fenster gehen und bewußt ein- und auszuatmen. "Wir sind ja häufig mit unseren Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Wir können uns aber erden im Hier und Jetzt, indem wir uns einmal überlegen, was sind drei Dinge, die ich gerade sehe, drei Dinge, die ich höre und eine Sache, die ich spüre auf meiner Haut, zum Beispiel den Stoff oder auch den Boden unter den Füßen. Das ist etwas, was uns wieder zurückholt über unsere Sinne."
Die schnelllebige, sich ständig verändernde Welt stresst uns und gibt uns oft das Gefühl, das wir die Kontrolle verlieren. Wir suchen dann Orientierung und Sicherheit im Organisieren, im Perfektionismus und langen To-Do-Listen. "Letztlich macht uns das oft aber nur unbeweglicher und nimmt uns die Flexibilität, die wir eigentlich bräuchten", sagt die Professorin für Persönlichkeitspsychologie.
"Wir leben in einer sehr künstlichen, technischen Welt, weit weg von den eigenen Sinnen. Und da hilft es, die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu legen."
Tipps gegen die Überforderung im Alltag:
- Smartphone ausschalten, zur Seite legen oder zumindest Push-Nachrichten ausschalten
- Pausen einbauen und sich mit den eigenen Sinnen connecten
- Routinen im Alltag können für ein gewisses Maß an Struktur und Stabilität sorgen, sollte aber nicht zu starr sein
- Zu lange To-Do-Listen und zu starre Pläne können uns unter Stress setzen
- Was sind unsere Ängste, was überfordert uns am meisten?
- Prioritäten setzen, was ist uns besonders wichtig?
- Mikrohandlungen sind hilfreich: Kleine Ziele setzen und über kleine Tätigkeiten ins Tun kommen
- Weniger Perfektionismus – vor allem bei weniger wichtigen Dingen
- Auf eigene Stärken und Kompetenzen schauen. Wie habe ich frühere Krisen gut gemeistert?
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