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"Der Feminist" vom spanischen Autor Iván Repila erzählt von einem namenlosen Mann, der zum Feministen wird – oder zu dem, von dem er glaubt, dass das ein Feminist ist. Sicher ist sich der Mann da aber nicht. Doch er kann nicht anders.

Der Namenlose lebt in einer Männer-WG. Das Programm dort ist häufig: gemeinsam Fußball gucken, dazu Bier, Titten-Witze und Hotness-Rankings für Schauspielerinnen in Filmen, die sie gemeinsam gucken, wenn sie nicht Fußball gucken. Hin und wieder schicken sie sich Links zu Pornos auf ihre Handys.

Als sich herausstellt, dass einer der Mitbewohner heimlich sich und eine Frau beim Sex gefilmt hat, geraten sie in Streit. Denn der namenlose Mann findet das nicht gut. Er solle sich nicht so anstellen, heißt es dann – sie würde es ja nie erfahren. Der Streit eskaliert. Und dann passiert es: Seine Mitbewohner beschimpfen den Namenlosen als "Feministen". Das sitzt.

Ein Mann ein Feminist?

Kein Mann will Feminist sein. Aber, warum eigentlich nicht? Wenn doch, geht das denn überhaupt? Und wenn ja, wie? Der Namenlose ist komplett überfordert. Er beschließt, herauszufinden, was Feminismus ist. Auf einer Lesung von Siri Hustvedt lernt er eine tolle Frau kennen, Najwa. Sie kommen zusammen, es ist schön.

"Der Namenlose ist komplett überfordert. Er beschließt, herauszufinden, was Feminismus ist."
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova-Rezensentin

Najwa erklärt ihm vieles, zur "Rolle" der Frau, zum Patriarchat, über strukturelle Diskriminierung und vieles mehr. Das nachzuplappern fühlt sich gut an, jedenfalls viel besser, als Titten-Witze zu reißen. Der Namenlose erkennt, wie schwer es die Frauen haben, wie mies mit ihnen umgangen wird, auch von ihm selbst.

Ein Plan mit Folgen

Deshalb schmiedet er einen Plan. Er will "den Frauen" helfen. Beim "Wütend werden". Er ahnt, dass das problematisch ist und dass er den Titel "Feminist" nicht verdient – aber er kann nicht anders. Er setzt eine Gewalt frei, der er sich nicht mehr entziehen kann. Und bei seiner Mutter fängt er an…

Das Buch
"Der Feminist" (OT: "El aliado") von Iván Repila, aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt von Matthias Strobel, erschienen bei Suhrkamp Nova, 213 Seiten, Taschenbuchausgabe: 16 Euro, E-Book: 13,99 Euro; ET: 21.06.2020

Der Autor
Iván Repila, 1978 in Bilbao geboren, zählt zu den aufregendsten neuen Stimmen der spanischen Literatur. Als Organisator verschiedener Festivals ist er in der Welt der Literatur, der Musik, des Tanzes und des Theaters gleichermaßen zu Hause. Sein Debütroman "El niño que robó el caballo de Atila" gilt bereits als Klassiker. "Der Feminist" ist seine erste Veröffentlichung in deutscher Sprache.