Zum ersten Mal alleine auf einem Konzert – das fühlt sich für Greta erst mal komisch an. Sie hat dann doch Spaß und traut sich danach auch alleine wegzufahren. Wir können üben, Dinge ohne andere zu unternehmen: Wie es geht, erklärt eine Psychologin.
Was könnten die anderen denken, fragt sich Greta, als sie das erste Mal alleine auf ein Konzert ihres Lieblingskünstlers Daniel Caesar geht. Finden sie es vielleicht peinlich, armselig oder bemitleideswert? Sie stellt dann fest, dass es eigentlich keinen interessiert oder es auch keiner mitkriegt, dass sie ohne Freunde unterwegs ist – das nimmt ihr den Druck.
"Ich hatte das Gefühl, das Spotlight ist auf mir."
Das Konzert genießt sie. An den Stellen mit den romantischen Songs ist es dann etwas komisch, als alle Pärchen um sie herum ihre Zweisamkeit feiern. Dennoch zieht Greta ein positives Fazit: Es war nicht so schlimm, wie sie es sich ausgemalt hatte. Ihr Mut zahlt sich aus: Sie konnte ein Konzert erleben, das sie auf keinen Fall verpassen wollte.
"Als ich mich in der Schlange angestellt habe, da habe ich mich dann ein bisschen lost und unwohl gefühlt, weil ich ja alleine dastand und mich mit niemandem unterhalten konnte."
Das ist inzwischen knapp drei Jahre her. Nach der anfänglichen Überwindung hat sie inzwischen viel alleine unternommen. Sie ist zum Beispiel alleine in den Urlaub gefahren. Zwar nur für eine Woche, aber weil es eine "Mega-Erfahrung" war, wie sie sagt, kann sie sich vorstellen, beim nächsten Mal länger ohne Begleitung zu verreisen.
Wieso wir denken, dass andere über unser "Alleinsein" urteilen könnten
Ins Restaurant, Theater, Café oder Kino gehen, Weihnachten feiern oder in den Urlaub fahren – bei manchen Events und Handlungen gehen wir – als Gesellschaft – davon aus, dass sie "normalerweise" in Begleitung stattfinden, sagt die Soziologin Julia Hahmann. Das ist unsere Vorstellung von der Normalität.
"Ich war danach auf jeden Fall stolz, dass ich das gemacht habe. Das hat mir auch so ein bisschen Angst davor genommen."
Diese Erwartung tragen auch diejenigen in sich, die es ausprobieren, etwas alleine zu unternehmen. Damit "arbeiten wir uns an unseren eigenen Vorstellungen gesellschaftlicher Perspektiven auf uns selbst ab", sagt Julia Hahmann. Wenn wir uns also anders verhalten, als auf die Art, die wir als "normal" akzeptiert haben, kann das erst mal anstrengend sein, so die Soziologin.
Solo-Unternehmungen wie einen Muskel trainieren
"Einfach mal machen", rät Katharina Stenger. Sie ist Psychologin und Selbstliebe-Coach. Denn das Gehirn merkt sich das, und wir werden dadurch meist bestärkt und automatisch immer unabhängiger und flexibler, wenn es darum geht, etwas alleine zu unternehmen. Sie gibt Tipps, wie wir schrittweise üben können, unsere Komfortzone zu verlassen, um schöne Dinge auch ohne Begleitung zu erleben:
- In ganz kleinen Schritten: Orte, die wir kennen und an denen wir uns wohlfühlen, mal alleine statt mit Freunden aufsuchen: zum Beispiel ein Museum oder eine Bibliothek.
- Im zweiten Schritt können wir uns in Situationen begeben, die etwas "sozialer geprägt" sind: Kino-, Konzert- oder Cafébesuch – wenn das gut klappt:
- Eventuell einen Restaurantbesuch oder Städtetrip wagen.
- Wichtig: gut planen. Was können wir in einer fremden Stadt unternehmen, was machen wir in Momenten, in denen es sich vielleicht nicht gut anfühlt?
- Nachsorge ist auch wichtig: Was kann man tun, nachdem man etwas alleine unternommen hat?
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