Wölfe, Seeadler, Biber, Braunbären und Wisente sind Tiere, die in der freien Natur in Europa zeitweise fast ausgerottet waren. Dank Schutzprogrammen und Wiedereinführung feiern diese und andere Arten gerade ein erfolgreiches Comeback.

Fast täglich gibt es Nachrichten von vielen Tier- und Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind und deren Lebensräume wir Menschen verschmutzen und zerstören. Deshalb überrascht die positive Nachricht der Organisation Rewilding Europe umso mehr.

Spektakuläre Rückkehr wilder Tierarten

Forschende sprechen von einem Comeback von Dutzenden von Wildtierarten, die eigentlich in Europa vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben waren – zum Beispiel Biber, Wolf und Mönchsgeier. Nachzulesen ist das im Wildlife-Comeback-Report, der gerade veröffentlicht wurde.

Auf Twitter schreibt die Zoologische Gesellschaft London dazu, dass der Report ein Grund für Optimismus sei, "Wildtier-Populationen können sich erholen und Koexistenz mit dem Menschen ist möglich und essenziell für die Gesundheit unseres Planeten."

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Laut Bericht haben die Forschenden geschaut, wie sich die Populationen von insgesamt 50 wilden Säugetier- und Vogelarten, die in Europa stark bedroht oder zum Teil auch schon ausgestorben waren, in den vergangen 40 Jahren entwickelt haben.

Das Ergebnis: Viele dieser Populationen konnten sich stabilisieren. Die Zahl der Tiere hat zugenommen, auch ihr Verbreitungsgebiet konnte sich ausweiten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz. Die Forschenden sprechen von einer spektakulären Rückkehr vieler dieser Arten in Europa.

Biber zählen zu den großen Gewinnern

Besonders zeigt sich das am Biber. Unter anderem wegen seines Fells wurde die Art intensiv bejagt und war Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben. Seit 1960 haben sich seine Zahlen allerdings um 16.000 Prozent erhöht, sagt Verena. Inzwischen haben sich die Biber wieder viele Regionen zurückerobert.

"Der Biber war Anfang des 20. Jahrhunderts fast völlig verschwunden, weil er unter anderem wegen seines Fells intensiv bejagt wurde. Seit 1960 haben sich seine Zahlen um 16.000 Prozent erhöht."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Große Erfolge in Europa feiern auch der Grauwolf oder der Braunbär. Hier haben vor allem Gesetze zum Schutz dieser Arten gewirkt. Insgesamt scheint es auch eine größere Bereitschaft in Europa zu geben, Wildtiere in der Nähe zu haben und sich an ihrer Anwesenheit zu erfreuen – auch wenn es mitunter zum Teil starke Ablehnung gibt, weil beide Arten mitunter Nutztiere reißen, sagt Verena.

Der gesetzliche Schutz von Raubtier-Arten wirkt

Louise McRae von der Zoologischen Gesellschaft London ist eine der Autor*innen des Reports. In einem Interview mit dem britischen Guardian berichtet sie, dass die Koexistenz mit Raubtier-Arten immer noch eine Herausforderung sei. Jedoch ändere sich unsere Haltung den Tieren gegenüber insgesamt und wir lernen noch, wie wir mit ihnen leben können.

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Fakt ist: Der gesetzliche Schutz von wildlebenden Tierarten wirkt. Das zeigt sich besonders auch bei den Vogelarten. Die Europäische Vogelschutz-Richtlinien hat zum Beispiel dafür gesorgt, dass gefährdete Arten wie der Mönchsgeier, Seeadler, Silberreiher oder Rohrdommeln sich langsam wieder erholen. Auch konkrete Auswilderungsprojekte helfen, wie das Beispiel Bartgeier zeigt, der in den Alpen erfolgreich wieder angesiedelt wird.

Wichtig ist außerdem, den Tieren Lebensräume zurückzugeben – also mehr Schutzgebiete zu schaffen, die nicht vom Menschen genutzt werden. Das heißt aber nicht, dass Menschen diese nicht betreten dürfen, sagt Verena. Im Gegenteil: Laut Artenschützer*innen sein Wildtier- und Ökotourismus ein wichtiger Aspekt, weil dieser auch ein ökonomischer Anreiz für Regionen sei, Wildtieren mehr Raum zu geben.

"Wildtier- und Ökotourismus sei ein wichtiger Aspekt, weil er auch ein ökonomischer Anreiz ist für Regionen, Wildtieren mehr Raum zu geben, sagen die Artenschützer*innen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Allerdings ist das nicht immer so leicht, wie zum Beispiel die Beendigung des Wisent-Projekts am Rothaarsteig in NRW zeigt. Dort war seit 2013 eine frei laufende Wisent-Herde aus 25 Tieren unterwegs. Weil die Tiere weiter herumliefen, als geplant und im Sauerland Bäume geschädigt haben sollen, gab es viel Kritik an dem Projekt.

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Der Wildlife-Comeback-Report sieht in einem solchen Verhalten von großen wilden Weidetieren wie Wisenten dagegen einen großen Vorteil. Sie würden mit ihrer Art zu fressen, Flächen offen halten und damit einen vielseitigen Lebensraum schaffen – mit Wiesen und Lichtungen zwischen Waldflächen. Solch natürliche Schneisen können vor großflächigen Waldbränden schützen, die im Zuge des Klimawandels mit Dürre und Hitze immer öfter auftreten. Derartige langfristige positive Einflüsse haben viele Menschen noch gar nicht auf dem Schirm, sagt Verena.

Frans Schepers, Direktor von Rewilding Europe, der Natur- und Artenschutz-Organisation, die den Comeback-Report in Auftrag gegeben hat, meint: Der Report zeige, dass an vielen Fronten hart gearbeitet werden müsse, um die Erholung der Wildtierbestände am Laufen zu halten und damit noch mehr Arten davon profitieren. Denn klar ist auch: Die 50 untersuchten Arten sind natürlich nur ein Bruchteil der biologischen Vielfalt, die bedroht ist.

  • Moderatorin:  Anna Kohn
  • Gesprächspartnerin:  Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova