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Er fürchtet nichts weniger als das Ende der Evolution. Für den Wissenschaftshistoriker Matthias Glaubrecht ist der Mensch das größte Raubtier, das sich durch die gesamte Tier- und Pflanzenwelt frisst und dabei alles zerstört, was ihm in den Weg kommt.

Noch hat Matthias Glaubrecht Hoffnung. Um sich seine Hoffnung aufrecht zu erhalten, schaut er auf das Jahr 2062. Und das aus ferner Zukunft. Bekommen wir das gigantische Artensterben bis dahin doch noch gestoppt? Das fragt er sich von seinem utopischen Standpunkt.

Der Mensch hinterlässt eine Spur der Verwüstung

Eine Frage, die er sich so eigentlich gar nicht stellen kann. Denn viele Arten sind bereits ausgestorben und weitere werden nicht mehr zu retten sein, selbst wenn wir es versuchen. Überall da, wo der Mensch im Lauf der Geschichte seinen Fußabdruck hinterlassen hat, bietet sich Forschenden eine Spur der Verwüstung.

"Wir können das Auftauchen des Menschen – je nachdem wo – sofort mit Aussterbeereignissen in Verbindung bringen. Es korreliert mit dem Verschwinden großer Säugetiere und Vogelarten."
Matthias Glaubrecht, Evolutionsbiologe

Und die großen Wirbeltiere, die bis heute noch überlebt haben? Matthias Glaubrecht fürchtet, dass es sie in wenigen Jahrzehnten nicht mehr geben wird. Alles, was größer sei als ein kleines Nagetier, werde verschwinden. Ein Beispiel: der Schneeleopard.

"Von ihm wissen wir noch nicht einmal, ob er die kritische Bestandsgröße hat, damit sich Männchen und Weibchen überhaupt noch begegnen können."
Matthias Glaubrecht, Evolutionsbiologe

Größte menschengemachte Katastrophe: Abholzung des Regenwaldes

Sein Vortrag klingt – trotz zwischendurch aufkeimender Hoffnung – ziemlich dystopisch. In seiner Rückschau auf das Jahr 2062 – so Matthias Glaubrecht – werde der Mensch erkennen, dass die größte Umwelt-Katastrophe, die er jemals angerichtet habe, das Abholzen der tropischen Regenwälder gewesen sei.

Der Vortrag

Der Evolutionsbiologe und Wissenschaftshistoriker Matthias Glaubrecht von der Universität Hamburg hat am 27. April 2021 auf der Veranstaltung "Tage der Utopie" im österreichischen Götzis (Vorarlberg) über das Ende der Evolution gesprochen – und auch darüber, wie wir sie vielleicht noch stoppen können.

Matthias Glaubrecht ist zudem Gründer und Wissenschaftlicher Direktor des Hamburger Centrums für Naturkunde. Sein - immer noch Mut machendes - Thema lautet: "Das Ende vom Ende der Artenvielfalt - eine Rückschau auf das Jahr 2062".