Bonita macht im Fitnessstudio seit Jahren immer die gleichen Übungen. An neue Geräte traut sie sich nicht dran, aus der Sorge, negativ aufzufallen. Mit der Gym-Anxiety ist sie nicht alleine. Das Fitti macht es einem auch nicht immer einfach.
Es gibt einen Ort, an dem Bonita auf keinen Fall im Mittelpunkt stehen möchte: im Fitnessstudio. An ihrem Training hat sich deshalb, seit sie 16 Jahre alt ist, kaum etwas verändert.
Da weiß sie, wie sie welche Übung am besten ausführt. Mal was Neues ausprobieren, kommt für Bonita nur infrage, wenn sie mit einem Gym-Buddy Sport macht oder sie für sich im Frauen-Bereich ist, da fühlt sie sich vor den Blicken anderer geschützt.
"Ich liebe es, auf der Straße aufzufallen, aber im Fitnessstudio will ich gar nicht auffallen."
Alleine eine unbekannte Übung zu machen, fällt Bonita schwer. "Es ist mir peinlich. Ich will nicht negativ auffallen. Was ist, wenn ich es falsch mache? Was ist, wenn mir das Gewicht runterfällt und mich alle angucken?", sind dann ihre Gedanken. Bonita hat Sorge, dass andere bewerten könnten, wie sie ihr Work-out macht.
Interpretation oder Fakt?
Damit ist sie nicht allein. Ein Fitti ist mehr als ein Raum, in dem Geräte stehen. Es ist ein sozialer Raum mit seinen eigenen unausgesprochenen Regeln, Erwartungen und Gewohnheiten, erklärt Emotionssoziologin Elgen Sauerborn von der Freien Uni in Berlin.
Besonders wenn wir neu sind, fehlen uns diese Infos. Dann müssen wir uns viele Fragen stellen: Brauche ich ein Schloss für den Spind? Muss ich ein Handtuch mitbringen? Darf ich jedes Gerät benutzen?
"Menschen übernehmen gesellschaftliche Erwartungen oft selbst und wir beginnen uns selbst mit dem vermuteten Blick der anderen zu betrachten. Es muss niemand offen etwas Kritisches sagen. Oft reicht schon die Vorstellung, dass man bewertet werden könnte."
"Im Fitnessstudio kann das besonders schwierig sein, weil dort die eigenen Bewegungen so gut sichtbar sind. Man steht vielleicht vor einem Gerät und weiß nicht, wie man es einstellt. Wenn so was in einer vertrauten Situation passiert, sind solche Fehler oder Fragen oft kein Problem, aber in einem neuem Raum fühlen die sich deutlich schwerwiegender an. Dadurch interpretieren wir kleine Fehler, die wir machen, schnell als ein Beweis dafür, dass wir in diesem Raum nicht dazugehören", so Elgen Sauerborn. Das könne dazu führen, dass wir uns so wahrnehmen, wie wir denken, die anderen würden es tun.
Gym-Anxiety ist real
Bonita beobachtet bei sich, dass die Befürchtungen, was andere über sie denken könnten, häufig nur in ihrem Kopf passieren. Sie kann sich an keine Situation erinnern, in der es tatsächlich zu einem unangenehmen Kommentar oder ähnlichem kam.
Was Bonita beschreibt, kennt aber auch Anna Kramp. Sie ist Bodybuilding- und Fitnesscoach. "Ich würde sagen, dass eigentlich jeder, der heute selbstbewusst trainiert, früher mal Gym-Anxiety hatte und nervös am Eingang stand – mich eingeschlossen", sagt sie.
Wohlfühlen im Gym
Es gibt aber Wege, wie wir uns wohler fühlen können. Wenn wir zum Beispiel ein neues Fitti finden möchten, empfiehlt Anna, erst mal online nach Bildern zu schauen, wie das Studio aufgebaut ist. Erfüllt das Gym, was uns wichtig ist: Gibt es beispielsweise einen Bereich für Frauen? Wie viel Platz gibt es dort? Eine Führung vor Ort kann zusätzlich für mehr Sicherheit sorgen.
Wenn dann alles soweit in Ordnung ist, rät Anna dazu, vorbereitet zu kommen. Ein Trainings-Plan gibt dem Work-out einen Rahmen und wir können uns vorher noch mal daran erinnern, wie wir die Übungen ausführen sollen. Was zusätzlich helfen kann, ist:
- Musik: Mit unserer Lieblingsmusik trainiert es sich leichter und sie motiviert uns auch.
- Die richtige Kleidung: Wir sollten uns in unserem Sport-Outfit vor allem gut fühlen.
- Trainieren in den Randzeiten: Besonders am Anfang kann ein weniger volles Fitti den Einstieg erleichtern.
- Gym-Buddy suchen: Zu zweit trainiert es sich leichter.
"Ich würde sagen, dass eigentlich jeder, der heute selbstbewusst trainiert, früher mal Gym-Anxiety hatte."
Außerdem sind die Trainer*innen auch dafür da, um uns zu helfen. Sollten wir uns beispielsweise unwohl fühlen, weil eine andere Person aufdringlich ist, sollten wir ihnen Bescheid geben.
In der Podcast-Folge geht Anna Kramp noch weiter darauf ein, wie wir mit Bodyshaming umgehen können und sie beantwortet die Frage, ob ein Work-out zu Hause das Fitnessstudio ersetzen kann. Klickt dafür oben auf den Play-Button.
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