Wohnungslose gehören bei der Impfpriorisierung in Gruppe 2. Sie könnten jetzt also schon geimpft werden. Allerdings ist es gar nicht so einfach, die Impfung für Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben, zu organisieren.

Casey hat Angst. Richtig viel Angst. Er ist 54 Jahre alt und lebt auf der Straße in Duisburg. Seine OP-Maske trägt er vermutlich schon länger, denn sie ist ausgeleiert und rutscht beim Sprechen immer wieder von der Nase. Und er hat richtig viel Angst vor Corona und möchte sich so schnell wie möglich impfen lassen.

"Ganz ehrlich, ich hab Schiss, ich hab vor sonst kaum irgendwas Schiss."
Casey, Wohnungsloser in Duisburg

Bald schon könnte Casey dran sein, auch wenn seine Krankenkarte derzeit gesperrt ist, wie er sagt. Denn Wohnungslose zählen genauso wie Menschen über 70, Menschen mit transplantierten Organen oder mit Trisomie 21 zur Priorisierungsgruppe 2.

Doch die Organisation der Impfangebote für Wohnungslose gestaltet sich nicht immer so einfach, berichtet Sabine Bösing von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Der Verein hat sich in der Politik dafür eingesetzt, dass Wohnungslose früher mit der Impfung dran sind.

Die Menschen am richtigen Ort abholen

Doch natürlich können nur die Menschen geimpft werden, die in irgendeiner Form bereits Kontakt zu einem Hilfsangebot aufgenommen haben oder die den Hilfsorganisationen bekannt sind.

"Zumindest alle Menschen, die in irgendeiner Weise einen Kontakt zu irgendeinem Hilfeangebot mal aufgenommen haben oder dort irgendwie bekannt sind, haben auf jeden Fall den Zugang zur priorisierten Impfung."
Sabine Bösing, Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe

Dabei erfordere es vor allem eine zielgruppenspezifische Ansprache und es müsse überlegt werden, wo man die Wohnungslosen erreicht, die sonst unter den Radar fallen würden, sagt Sabine Bösing weiter.

Die meisten würden sich so wie auch Casey impfen lassen wollen, hat Sabine Bösing erfahren, doch Online-Terminbuchungen kommt für die wenigsten von ihnen in Frage, da viele kein Smartphone besitzen. Andere sind psychisch nicht in der Lage, sich selbst um einen Termin zu kümmern.

Impfkampagnen in Großstädten schon gestartet

In den größeren Städten organisieren deshalb jetzt die Einrichtungen der Wohnungshilfe die Impfungen. In Hamburg soll es in den kommenden Tagen losgehen, in Berlin haben die Impfungen bereits begonnen. Beide Städte haben ihr Winterprogramm verlängert, um die Schlafräume jetzt als Impfstätten nutzen zu können.

Auch Städte wie Nürnberg oder Duisburg haben bereits mit dem Impfen begonnen – in Wärmestuben, Straßenambulanzen, also Einrichtungen, die die Wohnungslosen kennen. Der Zugang müsse zum einen möglichst niederschwellig sein und zum anderen sollten die Räumlichkeiten die Möglichkeit bieten, dass die Menschen dort noch etwas länger für die Überwachung nach der Impfung bleiben können und im Notfall auch versorgt werden können, betont Sabine Bösing.

"Es ist besonders wichtig, dass die Menschen natürlich dort noch länger verweilen können, um zu schauen: Gibt es Impfreaktionen?"
Sabine Bösing, Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe

Casey war schon sehr lange nicht mehr in einer Einrichtung. Vielleicht ist die Frage nach einer Impfung aber eine gute Gelegenheit für ihn, mal wieder eine aufzusuchen. Denn Corona verfolgt ihn jetzt schon seit zwölf Monaten wie ein Schreckgespenst durch seinen Alltag, sagt er.