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Die Huthi erobern Gebiete im Jemen und greifen immer wieder Saudi-Arabien an. Nun droht der Krieg weiter zu eskalieren, auch die USA könnten eingreifen. Warum verschärft sich die Lage dort gerade und was bedeutet das für die Menschen im Jemen?

Der Jemen südlich von Saudi-Arabien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Jahren des Krieges sind dort laut UN mehr als 22 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen – über die Hälfte der Bevölkerung. Mehr als fünf Millionen Menschen wurden durch die Kämpfe vertrieben.

Zuletzt hat sich der Krieg weiter verschärft. Bei einem Angriff der Huthi auf den Flughafen der Hauptstadt von Saudi-Arabien Riad sollen mindestens 13 Menschen getötet worden sein. Gleichzeitig haben die Huthi weitere Gebiete im Jemen erobert. Die international anerkannte Regierung des Landes will sie mit Unterstützung Saudi-Arabiens zurückdrängen. Dadurch droht noch mehr Menschen die Vertreibung.

Jemen: Flucht bei extremer Hitze

Mehr als 200.000 Menschen sind vor den jüngsten Kämpfen im Jemen geflohen. Itta Heland-Hansen von Ärzte ohne Grenzen versucht, möglichst vielen zu helfen. Sie ist derzeit in Aden, einer Küstenstadt im Süden des Landes. Dort leben nach inoffiziellen Schätzungen zwei bis drei Millionen Menschen. Nun kämen viele weitere Geflüchtete hinzu, berichtet sie.

Viele Menschen im Jemen müssen auf ihrer Flucht teils Hunderte Kilometer zu Fuß durch die Wüste zurücklegen, so Itta. Auch kleine Kinder seien darunter. Oft müssten die Menschen überstürzt aufbrechen, ohne Gepäck, Wechselkleidung oder Medikamente. Dazu komme die extreme Hitze, die dort selbst im Oktober noch herrsche.

"Ich habe Kinder gesehen mit schweren Hautinfektionen im Gesicht, an den Ohren und Augen, sowie Frauen mit riesigen Blasen an den Füßen."
Itta Helland-Hansen, Ärzte ohne Grenzen

Mit ihren mobilen Kliniken versorgen Itta und ihr Team die Geflüchteten. Sie berichtet von Kindern mit schweren Hautinfektionen im Gesicht, an Ohren und an Augen, und von Frauen mit großen Blasen an den Füßen. Die Verletzungen seien eine direkte Folge der beschwerlichen Flucht.

Ärzte ohne Grenzen: Selbst in Kliniken fehlt Wasser

Auch nach ihrer Ankunft fehle es den Menschen am Nötigsten. Viele hätten kein richtiges Dach über dem Kopf, berichtet Itta. Einige hätten lediglich Planen als notdürftigen Schutz. Nachts schliefen Frauen und Kinder darunter, während die Männer draußen übernachten müssten.

"Sie brauchen Nahrungsmittel, sie brauchen sauberes Wasser", so die Helferin. Ebenso dringend seien neben einem Dach über dem Kopf auch sanitäre Einrichtungen, Decken und medizinische Versorgung. Es gehe um Dinge, die andere Menschen im Alltag oft für selbstverständlich hielten.

"Man hat also die Sicherheit einer medizinischen Einrichtung erreicht, kann aber dennoch kein Wasser bekommen."
Itta Helland-Hansen, Ärzte ohne Grenzen

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt laut Itta ein Beispiel aus einem Cholera-Behandlungszentrum, das Ärzte ohne Grenzen künftig unterstützen will. Schwer kranke, völlig dehydrierte Menschen hätten berichtet, dass sie selbst dort kein Wasser bekämen. Obwohl sie bereits in medizinischer Behandlung seien, müssten sie die Einrichtung verlassen und sich selbst Wasser kaufen.

Zwischen regionalem Machtkampf und Weltpolitik

Die Ölpreise sind seit Monaten Thema. Jetzt hat US-Präsident Donald Trump einen Diesel-Deal mit Russlands Machthaber Wladimir Putin geschlossen – trotz geltender Sanktionen. Trump will vor den Zwischenwahlen im November unbedingt niedrigere Ölpreise.

Denn die sind durch den Krieg in Iran und die Blockade der Straße von Hormus massiv gestiegen. Auch die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi im Jemen verschärfen die Lage. Durch ihre Gebietsgewinne und Blockaden könnten die Huthi den Schiffsverkehr in der Meerenge Bab al-Mandab stören.

"Hier kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition gegen die Huthi-Miliz, die wiederum vom Iran unterstützt wird."
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent in Kairo

Im Jemen kämpft die Huthi-Miliz gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition. Doch der Konflikt ist komplizierter, erklärt unser Korrespondent Moritz Behrendt. Zur Koalition gehören auch die international anerkannte Regierung Jemens und verschiedene Milizen mit unterschiedlichen Interessen. Viele der beteiligten Politiker leben in Saudi-Arabien.

Die Huthi wiederum werden von Iran unterstützt. Bei den Kämpfen geht es um die Macht im Jemen, aber auch um die Kontrolle wichtiger Handels- und Schifffahrtswege, vor allem im Roten Meer. Gleichzeitig ist der Krieg Teil des größeren Konflikts zwischen Iran auf der einen und den USA und ihren Verbündeten auf der anderen Seite.

Warum die Huthi so schwer zu besiegen sind

Die Huthi selbst nennen sich "Ansar Allah", die "Helfer Gottes". Ihre Anführer stammen aus der Familie Huthi, daher der Name. Die Bewegung hat ihre Wurzeln in der zaiditischen Minderheit, einer schiitischen Glaubensrichtung im Jemen. Ihr Kerngebiet liegt im bergigen Norden des Landes. Auch die religiöse Nähe zu Iran spielt eine Rolle.

Ursprünglich kämpften die Huthi für mehr Eigenständigkeit im Norden. Im Laufe des Bürgerkriegs weiteten sie ihre Macht jedoch immer weiter aus und eroberten 2014 die Hauptstadt Sanaa. In den von ihnen kontrollierten Gebieten herrschen sie mit massiver Repression. Zudem verbreiten ihre Anführer offen antisemitische Parolen und rufen zur Vernichtung Israels auf.

"Die Huthi selbst nennen sich nicht Huthi, sondern Ansar Allah, die Helfer Gottes. Ihre Anführer kommen aus der Familie der Huthi, daher der Name."
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent in Kairo

Dass Saudi-Arabien die Huthi bislang nicht besiegen konnte, liegt auch an der Geografie, erklärt Moritz. In den Bergen sind Luftangriffe wenig wirksam und in Städten wie Sanaa oder der Hafenstadt Hodeidah gefährden sie die Zivilbevölkerung. Zwischen 2015 und 2022 flog Saudi-Arabien massive Angriffe, bei denen viele Zivilist*innen getötet oder verletzt wurden.

Für Saudi-Arabien war dieser Krieg extrem teuer, militärisch brachte er aber nicht den erhofften Erfolg. Trotz jahrelanger Luftangriffe gelang es der saudisch geführten Koalition nicht, die Huthi entscheidend zu schwächen oder aus ihren wichtigsten Machtzentren zu vertreiben.

Jemen: Der Iran und seine Interessen im Krieg

Die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi haben sich zuletzt massiv verschärft. Beide Seiten behaupten, nur auf Angriffe des Gegners zu reagieren. Die Eskalation begann im Juli, als die saudisch geführte Militärkoalition die Landebahn des Flughafens von Sanaa bombardierte. Die Huthi griffen daraufhin Ziele in Saudi-Arabien an. Vor rund einem Monat startete die Koalition eine Großoffensive.

"Wenn durch die Angriffe der Druck auf Saudi-Arabien auf Handelswege für Öl erhöht wird, dann spielt das auch dem Iran in die Karten in seiner Auseinandersetzung mit den USA."
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent in Kairo

Dahinter steckt auch der größere Konflikt zwischen dem Iran und den USA, erklärt Moritz. Der Iran ist der wichtigste Verbündete der Huthi. Wenn diese Saudi-Arabien angreifen und wichtige Ölhandelsrouten bedrohen, erhöht das den Druck auf das Königreich – und spielt damit auch dem Iran in seiner Auseinandersetzung mit den USA und deren Verbündeten in die Karten.

Die Gefahr für den internationalen Schiffsverkehr

Die Meerenge Bab al-Mandab ist eine wichtige Handelsroute zwischen Asien und Europa, über die auch Öl transportiert wird. Bereits im Juli drohten die Huthi mit Angriffen auf Schiffe, die den saudischen Ölhafen Janbu anlaufen. Mindestens zweimal setzten sie diese Drohung um. Der übrige Schiffsverkehr durch die Meerenge war davon bislang kaum betroffen.

Allerdings greifen die Huthi schon seit Ende 2023 immer wieder internationale Handelsschiffe im Roten Meer an – nach eigenen Angaben aus Solidarität mit den Palästinensern in Gaza. Viele Reedereien meiden deshalb inzwischen die Route durch das Rote Meer und den Suezkanal. Stattdessen nehmen sie den deutlich längeren Umweg um das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika.

"Öltanker sind groß und langsam. Ein sehr sensibler Verkehr, der sehr leicht zu stören ist. Dafür reicht manchmal schon die Drohung, ein Schiff anzugreifen"
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent in Kairo

Die Huthi kontrollieren die fast 40 Kilometer breite Meerenge aber nicht, betont Moritz. Allenfalls könnten sie Teile der jemenitischen Küste kontrollieren. Doch um den Schiffsverkehr zu stören, reiche oft schon die Drohung eines Angriffs. Denn Öltanker seien langsam, schwer zu schützen und transportierten wertvolle Fracht. Für Reedereien sei das Risiko deshalb besonders groß.

Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht

US-Präsident Donald Trump hat ein militärisches Eingreifen im Jemen nicht ausgeschlossen. Die USA könnten Saudi-Arabien vor allem bei der Luftabwehr unterstützen, erklärt Moritz. Ob zusätzliche Angriffe auf die Huthi etwas bewirken würden, sei fraglich. Denn allein mit Luftschlägen lasse sich eine solche Miliz nicht besiegen. Das habe die Vergangenheit gezeigt.

"Allein mit Luftschlägen kann man eine solche Miliz nicht besiegen, das hat sich schon mehrfach gezeigt."
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent in Kairo

Wie es im Jemen weitergeht, ist unklar. Für ein Ende der Gewalt müssten beide Seiten ihre Angriffe einstellen. Das hält Moritz derzeit für wenig realistisch. Immerhin gebe es noch diplomatische Kontakte: Zuletzt sprachen die Außenminister Saudi-Arabiens und Irans über eine Deeskalation in der Region – vermutlich auch über den Jemen.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Jemen
Die Folgen der Huthi-Eskalation
vom 12. Oktober 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartner: 
Itta Helland-Hansen, Ärzte ohne Grenzen
Gesprächspartner: 
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent in Kairo