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Großbritannien sucht wieder einen Premierminister: Keir Starmer wird zurücktreten. Es ist der sechste Wechsel in zehn Jahren. "Wir wollten eine stabile Regierung", sagt Labour-Unterstützerin Hollie. Das sind die Gründe für die Krise.

Der britische Premierminister Keir Starmer hat seinen Rücktritt angekündigt. "Ich werde als Vorsitzender der Labour-Partei zurücktreten", sagte der Politiker am Montag, den 22.06.2026, vor seinem Amtssitz in der Downing Street 10 in London.

Für Hollie Wickens war das ein trauriger Moment. Sie arbeitet als Caseworkerin für drei Labourabgeordnete des britischen Unterhauses. Ihre Arbeit ist es, zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den Abgeordneten zu vermitteln.

Hollie Wickens, arbeitet als Caseworkerin für die Labour-Party
© Hollie Wickens
Hollie Wickens während des letzten Wahlkampfs

Steigende Lebenshaltungskosten beschreibt sie als allgegenwärtiges Problem für große Teile der Bevölkerung: "Die ganz normalen Alltagssachen, die man benötigt, kann man sich nicht leisten."

Premier bis nach der Sommerpause

Die Schuld dafür sieht sie bei der politischen Konkurrenz, bei der Conservative Party: "Wir hatten seit 14 Jahren diese konservative Regierung. Meiner Meinung nach haben sie das Land fast zerstört."

Keir Starmer plant, bis zur Wahl seines Nachfolgers Regierungschef zu bleiben. Dieser soll den Vorsitz der Labour-Partei und das damit verknüpfte Amt des Premierministers antreten, bevor das Parlament Anfang September aus der Sommerpause zurückkehrt.

Voraussichtlich im Juli wird das Verfahren zur Wahl eines neuen Vorsitzenden der Labour-Partei beginnen, erklärte Keir Starmer (Stand 22.06.2026, 17:00 Uhr).

Der 63-Jährige stand insbesondere seit der Niederlage seiner sozialdemokratischen Labour-Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai massiv unter Druck – auch in den eigenen Reihen.

Unentschieden und technokratisch

Für viele Menschen in Großbritannien seien die Richtungswechsel Keir Starmers und seine relative politische Inkonsequenz nicht gut angekommen, sagt Franziska Hoppen. Sie ist unsere Korrespondentin für England und Irland mit Sitz in London.

"Diese U-Turns, erst wird eine Entscheidung verkündet, dann wird sie doch wieder zurückgezogen, das haben die Briten ihm einfach nicht verziehen."
Franziska Hoppen, unsere Korrespondentin für Großbritannien und Irland mit Sitz in London

Auslöser für Keir Starmers Rücktritt war der klare Sieg seines parteiinternen Konkurrenten Andy Burnham bei einer Nachwahl in Nordengland am Donnerstag, den 18.06.2026. Andy Burnham, der sich als Bürgermeister von Manchester großer Beliebtheit erfreut, will erklärtermaßen als Labour-Chef und Premierminister kandidieren. Er wurde noch am Tag von Starmers Rücktrittsankündigung als Abgeordneter des britischen Unterhauses eingeschworen.

"Wir müssen in den Mai zurückblicken. Da waren hier die Regional- und Kommunalwahlen. Und da ist Labour wahnsinnig abgestraft worden."
Franziska Hoppen, unsere Korrespondentin für Großbritannien und Irland mit Sitz in London

Keir Starmer, der im Juli 2024 ins Amt gewählt worden war, hatte in den vergangenen Monaten neben den Wahlniederlagen im Mai auch mit mehreren Affären zu kämpfen. Während seine Umfragewerte abgestürzt sind, gilt Andy Burnham als einer der beliebtesten Politiker des Landes.

Kurz nach Starmers Rücktrittserklärung forderte der Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK, Nigel Farage, Neuwahlen. "Wir sind bereit, radikale Veränderungen herbeizuführen", erklärte Nigel Farage. Reform UK liegt seit Monaten in den Umfragen in Großbritannien vorn und konnte der Labour-Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai eine herbe Niederlage zufügen.

Andy Burnham aka King of the North

Der Labour-Politiker Andy Burnham gewann bei der Nachwahl im nordenglischen Wahlkreis Makerfield dennoch – und überraschend deutlich – gegen die Rechtspopulisten. Er ist nun der neue Hoffnungsträger vieler Labour-Anhänger. Doch Franziska Hoppen sagt: "Auch er kann die politische Großwetterlage nicht ändern."

Sie nennt den Krieg in der Ukraine, die sich von Großbritannien entfremdenden USA und die schwierige Finanzlage. Gegen Reform UK und Nigel Farage könnte Labour mit Andy Burnham dennoch eine Chance haben. "Er steht für eine Politik, die womöglich ein Stück weit linker ist als Starmer", sagt Franziska Hoppen. Er bietet damit Wählenden, die ins Lager der Grünen und der Liberalen abwandern, eine Alternative.

"Viele Wählerinnen und Wähler sagen, wir wählen die aus Protest, aber ich bin mir nicht sicher, ob Nigel Farage ein guter Premierminister wäre."
Franziska Hoppen, unsere Korrespondentin für Großbritannien und Irland mit Sitz in London, über die Aussichten für Nigel Farage

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Keir Starmer geht
Was ist los in Großbritannien?
vom 22. Juni 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartnerin: 
Franziska Hoppen, unsere Korrespondentin für Großbritannien und Irland mit Sitz in London
Gesprächspartnerin: 
Hollie Wickens, Mitarbeiterin dreier Abgeordneter der Labour-Party im britischen Parlament