In ihrem Thriller "Paradise City" erschafft Schriftstellerin Zoë Beck ein bedrückendes Szenario, das Deutschland in der nahen Zukunft als einen Überwachungsstaat inszeniert.

Ein Land steht unter Beobachtung und wer keine Fragen stellt, dem geht es gut. Der Klimawandel hat oberste politische Priorität. Eine ausgewogene, biologische Ernährung ist für alle Menschen gewährleistet. Dazu eine schöne Wohnung, ein gutes finanzielles Auskommen bei einer 20-Stunden-Woche. Ein Staat, in dem es sich scheinbar ganz gut leben lässt.

Die eigene Gesundheit kann mithilfe einer staatlichen Gesundheits-App namens KOS überwacht werden. KOS informiert, wann man schlafen sollte, welche Vitamine man braucht, und wenn man schwanger ist – selbst dann, wenn man nicht danach gefragt hat.

"Grunsätzlich gilt: Was die Algorithmen errechnen, wird gemacht, denn die Menschen vertrauen ihnen."
Lydia Herms über den Roman "Paradise City" von Zoë Beck

Liina heißt die Hauptfigur in "Paradise City". Sie ist eine junge Frau mit einem Doppelleben. Offiziell lebt sie bei ihren Eltern und arbeitet als Übersetzerin.

Tatsächlich aber checkt sie als Rechercheurin für die unabhängige Nachrichten-Agentur GALLUS undercover die vermeintlichen Fakten, die der deutsche Staatsfunk verbreitet.

"Wahrheitspresse" werden Liina und ihre Kollegen und Kolleginnen abschätzig genannt.

Eine Frau, die von einem Schakal totgebissen wird

Liinas mag ihren neuen Auftrag nicht: In der Uckermark soll ein Schakal eine Frau totgebissen haben. Sie soll recherchieren, was an der Story dran ist. Sie hält diese Geschichte für absurd und denkt, dass wilde Tiere ständig für Panikmache herhalten müssen.

Weil ihr Auftrag sie nervt, provoziert sie einen Streit mir ihrem Freund Yassin. Der stürzt kurze Zeit später an einem Bahnsteig vor einen einfahrenden Zug. Liina gelingt es, an das Material der Überwachungskamera zu gelangen. Sie merkt, dass da etwas nicht stimmt.

Dem Überwachungsstaat auf der Spur

Was sie noch nicht weiß: Möglicherweise gibt es eine Verbindung zu
der Story, die sie gerade recherchiert und dem Sturz ihres Freundes, der
danach im Koma im Krankenhaus liegt.

Liina steht immer wieder zwischen den Stühlen. Einerseits profitiert
sie von KOS und der ständigen Überwachung ihrer Gesundheit. Ihr Herz ist
anfällig. Andererseits fühlt sie sich gefangen. Jeder ihrer Schritte wird getrackt. Die Devise der Regierung lautet: Wer nichts zu verbergen hat, kriegt auch keine Probleme.

Liina stellt zu viele unbequeme Fragen

Aber wo sind die Menschen, die etwas zu verbergen haben könnten? Und wo sind die, die durch das Raster fallen, die chronisch Kranken, die Menschen mit Depressionen zum Beispiel?, beginnt Liina sich irgendwann zu fragen.

Und wo sind diejenigen, die eher GALLUS’ Ermittlungen und Richtigstellungen glauben, als an die irreführenden Falschnachrichten des Staatsfunks?

War ihr Freund Yassin diesen Menschen auf der Spur? Widerwillig arbeitet Liina weiter an der Schakalstory. Getarnt als Zoologin Karin stellt sie viele, unangenehme Fragen, zu der Toten, zu deren Bisswunden und Blutwerten – und sticht damit unabsichtlich in ein Wespennetz.

Das Buch

"ParadiseCity", Thriller von Zoë Beck, Suhrkamp, 281 Seiten, Taschenbuch: 16 EUR, E-Book: 13,99 EUR; ET: 21. Juni 2020