Millionen Seiten, 2000 Videos, 180.000 Bilder. Neue Epstein-Files sind draußen – und sorgen für Skandale. Warum treten Politiker in Europa zurück, aber in den USA passiert kaum etwas? Wer gehörte zum Netzwerk und warum hören wir wenig über die Opfer?
Erst waren es 10.000 Dokumente – inzwischen hat das US-Justizministerium über drei Millionen Dokumente im Fall Epstein veröffentlicht. Ein geringer Teil der Akten, mit unzähligen geschwärzten Stellen, wurde am 19. Dezember 2025 bereitgestellt.
Wie viele andere Journalisten und Juristen weltweit ackert sich auch der Investigativjournalist Daniel Laufer seitdem durch die Unzahl an E-Mails, Bankdokumenten, Fotos und Videos.
Für den Journalisten geht es nicht unbedingt darum, sich einen Überblick zu verschaffen, weil, wie er sagt, die Dokumente aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen. Er betrachtet sie eher als "Inseln" als ein zusammenhängendes Ganzes.
"Prinzipiell ist die Schwierigkeit nicht, sich da irgendwie durchzuklicken und draufzugucken, sondern zu verstehen, worum es da eigentlich geht."
Je mehr Informationen ans Licht kommen, desto mehr Fragen scheinen sie aufzuwerfen. Und es ist auch nicht klar, ob das US-Justizministerium nicht auch noch viele Dokumente zurückhält. Daniel Laufer ist gespannt darauf, was an Veröffentlichungen noch folgen wird.
Schwärzungen folgen keinem nachvollziehbaren System
Bei den geschwärzten Stellen handele es sich zum Teil um Informationen, die Unbeteiligte schützen wollen, ist der Eindruck von Daniel Laufer. Allerdings wurde bereits Kritik laut, dass Schwärzungen mitunter die Namen der Täter verbergen. Andererseits wären Namen von Opfern zum Teil lesbar. US-Justizministerin Pam Bondi hat vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses Fehler bei den Schwärzungen eingestanden.
Wie viele Mitwissende und Mittäter gibt es im Fall Epstein?
Ex-US-Präsident Bill Clinton, US-Präsident Donald Trump und Microsoft-Gründer Bill Gates: Die Liste der einflussreichen Superreichen, die zum Netzwerk von Epstein gehört haben, ist lang. Wird es Konsequenzen für diejenigen geben, die sich auf irgendeine Weise in diesem Zusammenhang schuldig gemacht haben?
"Bis jetzt ist mir nichts bekannt, dass es justiziable Konsequenzen gegeben hätte, seit Veröffentlichung dieser Akten", sagt Daniel Laufer. Noch sei man auch in der Auswertung. Und es gebe sicherlich gute Gründe, dass die Justiz in diesem Fall ein bisschen langsamer funktioniere, sagte er.
Zumal die Akten theoretisch bereits seit Jahren von der US-Justiz durchkämmt worden sein müssten. Deswegen rechnet der Journalist nicht zwingend damit, dass die Akten offensichtliche Straftaten an Licht bringen werden. Und andere Konsequenzen habe es ja bereits gegeben: Rücktritte und öffentliche Entschuldigungen.
"Es ist klar, dass das, was Jeffrey Epstein getan hat, in diesem Umfang eigentlich unmöglich ohne weitere Beteiligte stattgefunden haben kann."
Für den Journalisten Daniel Laufer sind folgende wichtigen Fragen noch offen: Wie viele Mitwissende und Mittäter gab es, die entweder passiv oder auch aktiv an den Verbrechen im Fall Epstein beteiligt waren. Daniel Laufer ist überzeugt davon, des es einige gegeben haben muss, Buchhalter*innen, Assistent*innen, Bankberater, die über kriminelle Taten informiert gewesen sein müssen.
"Standen sie nur nebenan und haben nichts gemacht oder haben sie selber vielleicht irgendeine aktivere Rolle gespielt."
Dass wenig über die Opfer gesprochen wird, findet der Journalist gerechtfertigt. Viel wichtiger ist es aus seiner Sicht, den Fokus auf die Täter zu richten.
Viele Menschen fragen sich auch, welche Konsequenzen die Enthüllungen aus dem Fall Epstein für den amtierenden US-Präsidenten Trump haben werden. Von juristischen Konsequenzen für den US-Präsidenten geht der Journalist im Moment nicht aus. Allerdings könnte der Fall Epstein sich bei den Midterm Elections negativ für Trump auswirken.
Und auch seine Glaubwürdigkeit und damit auch der Rückhalt, den ihm seine Anhänger und sein politisches Lager in der republikanischen Partei noch bieten, könnte darunter leiden.
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