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Die Eisenbahn hat Wirtschaft und Leben weltweit revolutioniert. 1835 ging es in Deutschland ziemlich langsam los – allerdings mit historischer Wirkung, besonders für Nation Building und Industrialisierung.

Die Menschen staunen nicht schlecht, als sich im November 1835 das dampfende Ungetüm tatsächlich in Bewegung setzt und voll beladen von Nürnberg nach Fürth rattert. An den Fahrgästen dieser ersten Eisenbahnfahrt fliegt die Welt vorbei, dabei ist die Geschwindigkeit im unteren zweistelligen km/h-Bereich. Aber diese Fahrt stößt das Tor zu einer neuen Welt auf.

Die Industrialisierung hat die deutschen Länder und den gesamten europäischen Kontinent erfasst. Vielerorts entstehen Fabriken, in denen Menschen im Takt von Maschinen arbeiten und dabei einen Wirtschaftsboom auslösen, der weitere neue Produkte und Fabriken nach sich zieht. Material muss transportiert, fertige Produkte zur Kundschaft und nicht zuletzt Menschen von einem Ort zum anderen gebracht werden. All das bewerkstelligt die Eisenbahn.

Beitrag zum Nation Building

Die Dampfrösser brauchen Schienenwege. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts liegt kein einziger Kilometer Schiene in Deutschland. Als sich das Jahrhundert dem Ende entgegen neigt, sind es mehr als 50.000 Kilometer Eisenbahnschienen, die das deutsche Kaiserreich durchziehen.

Auf diesen Schienen werden nicht nur Waren in die Städte und Soldaten an die Front gefahren, sondern auch Menschen transportiert, die zum ersten Mal in ihrem Leben die Gegend ihrer Geburt verlassen und feststellen, dass auch anderenorts deutsch gesprochen wird. So steht die Eisenbahn gleichermaßen Pate bei der Industrialisierung des Kontinents und beim Prozess des Nation Building, der Europa bis in unsere Tage geprägt hat.

Unser Bild oben links zeigt die Fahrt mit dem Nachbau einer Adler-Lokomotive im Jahr 2007. Rechts: Bildliche Darstellung einer Eisenbahnfahrt aus den 1880er Jahren.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Der Historiker Ralf Roth erinnert an die Anfänge der Eisenbahn.
  • Der Wirtschaftshistoriker Rainer Fremdling hat sich mit der ökonomischen Seite der ersten Eisenbahnen im 19. Jahrhundert beschäftigt.
  • Der Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler Holger Glockner entwirft ein Bild von der Mobilität der Zukunft, in der die Bahn auch weiterhin eine Rolle spielen wird.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet über den Beginn der Mobilität auf Schienen, die anfangs aus Holzbohlen oder Gusseisen bestanden.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Kristin Mockenhaupt schildert die erste Fahrt von Nürnberg nach Fürth.