Angeblich sollen in tausenden Servern von Apple, Amazon und anderen IT-Konzernen Spionagechips eingebaut sein. Die betroffenen Unternehmen und die US-Regierung bestreiten das.

Das Wirtschaftsmagazin Bloomberg-Businessweek will den riesigen Spionageskandal enthüllt haben und beruft sich dabei auf 17 anonyme Quellen aus US-Regierungskreisen und Herstellern: Verantwortlich sei eine Spezialeinheit der chinesischen Armee. Sicherheitsexperten halten diese Enthüllungen für glaubwürdig.

Spionagechips öffnen Hintertüren zu Servern

Das soll passiert sein: In chinesischen Fabriken des US-Herstellers Supermicro Chips wurden winzige Chips in Reiskorngröße auf die Mainboards gelötet. "Diese Chips können Hintertürchen in den Server-Systemen öffnen und damit Zugriff auf sensibelste Daten ermöglichen", erklärt Andreas Noll von Deutschlandfunk Nova - ein Vorfall mit der Tragweite vergleichbar mit der massiven Überwachung durch Regierungen, die Edward Snowden 2013 aufgedeckt hatte. Die betreffenden Unternehmen und auch die US-Regierung bestreiten die Sicherheitslücke offiziell.

Betroffen sein sollen fast 30 Unternehmen, und einigen von ihnen ist diese Manipulation aufgefallen. Sie haben die Mainboards ausgetauscht. Und die US-Geheimdienste wiederum sollen es geschafft haben, die Kontrollserver in China zu knacken und so die Opfer zu ermitteln. Seit 2015 soll die US-Regierung Hinweise auf diese Spionageform haben, berichtet Bloomberg-Businessweek.

"Dieser Vorfall zeigt, dass in der heutigen IT-Welt eine absolute Sicherheit vor Ausforschung kaum möglich ist."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

"Wenn diese Enthüllung wirklich stimmt, und die Chinesen aktuell sogar schon viel kleinere Überwachungschips bauen können, dann ist tendenziell sämtliche Hardware verdächtig", schlussfolgert Andreas Noll. Denn es gibt kaum noch Computer, Smartphones oder andere elektronische Geräte, die auf Chip-Zulieferer aus China verzichten können. Eine europäische Chip-Industrie gibt es heute nicht mehr.

Mehr zum Thema Chips und Überwachung: