Die amerikanische Supermarktkette Walmart hat sich ein System zur Audioüberwachung patentieren lassen. Damit können Mitarbeiter und Kunden überwacht werden. Das Ziel der Technik laut Patent: effizientere Mitarbeiter und zufriedenere Kunden.

Der Plausch mit dem Vordermann in der Warteschlange, die Scannergeräusche, die Begrüßung des Kassierers, das Tütenrascheln beim Einpacken der Einkäufe - all diese Geräusche können Hinweise darauf geben, wie gut es an einer Supermarkt-Kasse läuft. Und deshalb plant die US-Supermarktkette Walmart offenbar, diese Geräusche abzuhören und zu analysieren.

Walmart: Audioüberwachung soll Mitarbeiter effizienter machen

Walmart hat gerade ein entsprechendes Patent beim US-Patentamt eingereicht. Nahe der Kasse sollen demnach Mikrofone installiert werden, die dann zum Beispiel Interaktionen zwischen Kunden und Kassierern oder Bewegungsgeräusche abhören. Die werden analysiert, um Leistungsprofile für einzelne Mitarbeiter zu erstellen. Laut Patent sollen sich so Kosten senken und die Kundenzufriedenheit erhöhen lassen. 

"Die Effizienz und Leistung des Mitarbeiters kann die Kosten für den Standort senken und die Zufriedenheit des Kunden steigern."
Ausschnitt aus dem US-Patent 10,020,004 B2

Effizienzsteigerung durch Überwachung fraglich

Dass ein Lauschangriff auf die Mitarbeiter deren Effizienz steigern kann, daran gibt es allerdings Zweifel. So schreibt das Blog Futurezone: "Experten zufolge könnte die Überwachung der Mitarbeiter einen gegenteiligen Effekt haben." Studien hätten gezeigt, dass sich Mitarbeiter der Überwachung widersetzen und oftmals die Leistung abnimmt, wenn man sich beobachtet fühlt. 

Das System soll demnach auch noch für andere Zwecke genutzt werden: Die Audiosensoren sollen auch die Lautstärke der Kundenstimmen erfassen und Alarm schlagen, wenn die Schlangen zu lang sind und eine weitere Kasse besetzt werden muss.

Screenshot des US-Patents 10,020,004 B2
© Screenshot | Deutschlandfunk Nova
Ausschnitt aus dem US-Patent 10,020,004 B2

Ob und wann das System kommt, ist allerdings noch offen, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte. Die 2,3 Millionen Mitarbeiter des Konzerns werden sich dagegen wohl kaum wehren können, denn die meisten werden nicht durch eine Gewerkschaft vertreten. Daher, schreibt Futurezone, müssten sie über eine derartige Überwachungsmaßnahme auch nicht in Kenntnis gesetzt werden.

Auch Amazon reicht Überwachungs-Patent ein

Walmart ist offenbar nicht der einzige Konzern, der entsprechende Ideen verfolgt: Amazon, erzählt Martina, hat ein Patent für ein Armband erhalten, das mit Sensoren ausgestattet ist, die per Ultraschall oder Funkwellen die Position der Hand eines Mitarbeiters erfassen und so perfekt überwachen - oder wie es im Patentantrag von Amazon heißt: "bei der Arbeit unterstützen". Auch das Armband soll die Effizienz der Arbeiter verbessern.

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