Die US-amerikanische Firma 32M implantiert ihren Mitarbeitern Chips. Klingt gruselig. Die Journalistin Corinna Blaich hat den Chip-Test in Deutschland gemacht.

Das Chip-Implantat scheint für die Mitarbeiter von 32M kein Problem zu sein. Die Teilnahme ist freiwillig, und die ersten 50, die mitmachen, feiern nächste Woche eine Chip-Party. Bei dem Event wird ihnen dann ein Nahfeldkommunikations-Chip unter die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger implantiert. 

Der Chip ist zwei Mal zwölf Millimeter groß und steckt in einer Biokapsel, damit das menschliche Gewebe nicht mit der Elektronik in Verbindung kommt. Das Implantat soll ohne Gesundheitsrisiko sein. Das Einsetzen selbst dauert nur wenige Sekunden.

Die Chip-Implantate sind auch eine gigantische Marketingmaßnahme

Wer mit einem Chip ausgestattet ist, wird dann automatisch von entsprechenden Bezahl- oder Identifizierungssystemen in der Nähe erkannt. Einfach die Hand mit dem Chip nahe an die entsprechenden Sensoren halten und die Tür öffnet sich oder der Kopierer lässt sich bedienen.

Für die US-Firma sind die Chip-Implantate auch eine geschickte Marketingmaßnahme. Denn 32M verkauft kleine Selbstbedienungskioske an andere Firmen. An diesen Kiosken können Angestellte Getränke oder Snacks kaufen und an einer Selbstbedienungskasse zahlen. 32M betreibt mehr als 2000 solcher Mini-Kioske in Europa, Asien, Australien und Nordamerika. Die Chip-Aktion zeigt den Kunden, was noch alles möglich ist.

Das klingt zunächst gruselig. Aber vielleicht ist es auch einfach nur praktisch? Die freie Journalistin Corinna Blaich hat den Test gemacht und sich einen Chip implantieren lassen.

Corinna Blaich, Journalistin
"Solange jeder selbst entscheiden kann, was auf diesen Chip draufkommt und was er damit selbst macht, ist es in Ordnung. Ich finde es schwierig, sobald Institutionen oder auch Firmen dazukommen."

Aber in Deutschland konnte Corinna ihren Chip bislang kaum gebrauchen, lediglich im Fitness-Studio oder um ihr Fahrradschloss aufzuschließen. Falls bald auch in Deutschland mehr Unternehmen mitmachen, dann wäre es wichtig, dass der Datenschutz quasi mitwächst, sagt Corinna. Sodass zum Beispiel Firmen die Daten, die sie über die Chips generieren können, nicht missbrauchen.

In Schweden gibt es die Chip-Implantate schon

So ganz neu ist die Chip-Idee aber nicht. Die schwedische Firma Biohax International ist Vorreiter und hat auch die Chips gebaut, die jetzt bei 32M genutzt werden. Biohax hat seine eigenen Mitarbeiter schon mit der Chip-Technik ausgestattet und will gemeinsam mit 32M das System weiterentwickeln.

Ob sich die Chips durchsetzen, das bleibt fraglich. Einerseits werden ähnliche Modelle schon seit Jahren in der Tierhaltung eingesetzt, schreibt Giga.de. Doch Datenschutz und Möglichkeiten der Überwachung sorgen für berechtigte Bedenken. Auch die Süddeutsche Zeitung ist kritisch: "Ob sich die Technik durchsetzt, wird aber nicht nur von den Fähigkeiten abhängen, über die sie verfügt. Gut vorstellbar, dass manche ein eher mulmiges Gefühl bekommen, wenn sie bloß daran denken."