Venedig besteht aus 126 Inseln und 472 Brücken. Große Teile der Stadt stehen auf Stelzen. Ihre Geschichte beginnt mit mittelalterlichen Fluchtbewegungen. Später folgte ein wirtschaftlicher und militärischer Aufstieg.
Die Idee, eine Stadt auf Stelzen zu bauen, entsprang einer Notlage. Denn im 4. und 5. Jahrhundert kam es in Europa zu erheblichen Wanderungs- und Fluchtbewegungen.
Goten, Hunnen und die Flucht
Nachdem die Westgoten unter der Führung des legendären Alarich 410 Rom geplündert hatten und auch im restlichen Norditalien Angst und Schrecken verbreiteten, flüchteten vielen Menschen und brachten sich in einer schwer zugänglichen Gegend, rund um die Lagune von Venedig, in Sicherheit. Als knapp 50 Jahre später die Hunnen nach Italien kamen, flüchteten erneut viele Menschen in diese Richtung.
"Venedig zeichnete aus, dass diese Stadt etwas hat, das alle anderen nicht haben: diese einmalige, völlig außergewöhnliche und in gewisser Weise sogar lebensfeindliche Lage."
Zur Erinnerung an diese Fluchtbewegungen, die am Anfang der Stadt Venedig standen, entwickelte sich ein Gründungsmythos, der mit dem Jahr 421 beginnt. Im Hochmittelalter wurde der Tag der Grundsteinlegung der Kirche San Giacomo di Rialto, im heutigen Stadtteil San Polo, als Gründungstag Venedigs deklariert.
Zentrum der Hochkultur
Vermutlich wollten sich die Erfinder dieser Legende von den als barbarisch bezeichneten Germanenstämmen, die seinerzeit plündernd durch Norditalien zogen, absetzen und Venedig der römischen Hochkultur zuordnen.
"Venedig ist heute als Handelsstadt völlig marginalisiert, Venedig ist ein großes Tourismuszentrum. Der Tourismus ist die große Einnahmequelle der Stadt."
Venedig etablierte sich dann im Mittelalter zu einer ernstzunehmenden Handelsmacht, die gemeinsam mit anderen oberitalienischen Städten für Reichtum und militärische Stärke sorgte. Heute ist davon nicht mehr viel übrig.
Die Stadt steht vor enormen Herausforderungen – durch einen ausufernden Tourismus und durch eine alternde Bausubstanz. Gleichwohl ist die Faszination für die Stadt auf Stelzen geblieben. Von ihrer Anziehungskraft hat Venedig kaum etwas verloren.
Ihr hört in Eine Stunde History:
- Der Wuppertaler Historiker Arne Karsten hat eine Geschichte der Stadt Venedig geschrieben und erläutert, warum die Stadt im Mittelalter und der frühen Neuzeit so bedeutend war.
- Der Kunsthistoriker Hans Aurenhammer erklärt die Venezianische Renaissance im Mittelalter.
- Der Historiker Achim Landwehr beschäftigt sich mit dem die Jahrhunderte überdauernden Mythos der Stadt an der Lagune.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die antike Einwanderung von Flüchtlingen in das Gebiet der Lagune von Venedig.
- Deutschlandfunk Nova-Reporterin Veronika von Borries beschäftigt sich mit dem Gründungsmythos Venedigs.
- Veronika von Borries beschäftigt sich mit dem Gründungsmythos Venedigs.
- Arne Karsten erläutert, warum die Stadt im Mittelalter und der frühen Neuzeit so bedeutend war.
- Hans Aurenhammer erklärt die Venezianische Renaissance im Mittelalter.
- Achim Landwehr beschäftigt sich mit dem die Jahrhunderte überdauernden Mythos der Stadt an der Lagune.
